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Politik

Telematikin­frastruktur: Markt für Komponenten kommt in Bewegung

Donnerstag, 19. April 2018

/frankoppermann, stock.adobe.com

Berlin – Für das zweite und dritte Quartal zeichnet sich mehr Wettbewerb und Komponentenvielfalt im Markt rund um die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) ab. Anlässlich der diesjährigen Medizin-IT-Messe ConhIT wurden einige neue Angebote vorgestellt.

Bislang gab es mit der „Kocobox Med Plus“ lediglich einen von der Betriebsgesellschaft gematik zugelassenen Konnektor, der als zentrales Gerät den sicheren Anschluss der Arztpraxen an das Gesundheitsnetz ermöglicht. Da viele Softwarehäuser auf eine Alternative zum Gerät der Compugroup-Medical-(CGM-)Tochter warten, besteht derzeit ein Engpass beim bundesweiten Rollout der TI. Die CGM, derzeit noch einziger Anbieter von TI-Anschlüssen, hat nach eigenen Angaben inzwischen 15.000 Arztpraxen angeschlossen.

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Jetzt könnte etwa Mitte Mai mit dem Konnektor von T-Systems ein weiteres Gerät hinzukommen – nach Angaben der Deutschen Telekom befindet es sich im Zulassungsprozess auf der Zielgeraden. Zwei weitere Anbieter sind noch im Rennen: Der Konnektor des österreichischen Anbieters Rise soll dem Vernehmen nach voraussichtlich Ende des zweiten Quartals und das Gerät von Arvato/Secunet im Juli verfügbar sein. Mit entsprechenden Produkten im Markt ist somit in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Starterpaket der Telekom

Die Deutsche Telekom hat zudem die Zulassung für weitere Technikkomponenten erhalten. Dazu zählen der sogenannte Intermediär, der für die Kommunikation zwischen Konnektor und Kartenlesegeräten mit dem Fachdienst Versichertenstammdatenmanagement der Krankenkassen sorgt, sowie der VPN-Zugangsdienst, der die verschlüsselte Verbindung zur TI herstellt.

Zugelassen ist die Telekom darüber hinaus auch als Anbieter für den elektronischen Praxisausweis (SMC-B), allerdings vorerst nur von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Die Zulassung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung dürfte in Kürze folgen, sodass dann neben der Bundesdruckerei ein zweiter Anbieter am Markt verfügbar ist.

Auf der Messe präsentierte das Unternehmen vor diesem Hintergrund sein „Medical Access Port Bundle“. Das Starterpaket umfasst neben dem Konnektor ein stationäres Kartenterminal, den VPN-Zugangsdienst, Servicedienste wie die Konfiguration der Geräte vor Ort und die Einweisung des Praxispersonals.

Als stationäres Kartenlesegerät ist neben dem „Orga 6141“ der Firma Ingenico inzwischen auch die Cherry-eGK-Tastatur mit eingebautem Kartenleser für die TI zugelassen. Ein für die TI verfügbares mobiles Kartenlesegericht gibt es derzeit immer noch nicht.

TI-Rollout in Berlin und Brandenburg

Wie die Anbindung der Ärzte an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur in den Bundesländern Berlin und Brandenburg verläuft, skizzierten Vertreter der beiden Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in einer Informationsveranstaltung während der Messe. In Berlin und in Brandenburg sind bis Mitte April inzwischen jeweils etwa 370 Praxen an das Gesundheitsnetz angeschlossen worden. In Brandenburg wurden hierfür 1,39 Millionen Euro Förderung ausgezahlt, in der KV Berlin 1,35 Millionen Euro. Das berichtete Andreas Mahling, KV Berlin.

Die KV Berlin habe frühzeitig mit der Information der Ärzte begonnen, erklärte Margret Stennes, Vorstandsvorsitzende der KV Berlin. Der Informationsbedarf sei riesig. So seien etwa bei einer Infoveranstaltung im Haus der KV Berlin Anfang Januar 1.200 teilnehmende Ärzte gezählt worden. Beide KVen wollen daher Anfang Mai einen gemeinsamen weiteren Workshop zur TI für Ärzte veranstalten. Zudem wollen sie dafür sorgen, dass die im Rahmen der Finanzierungsvereinbarung vorgesehenen Erstattungsbeträge möglichst rasch an die Ärzte überwiesen werden und sich insbesondere auch dafür einsetzen, dass die Anbindung der Praxen finanziell nicht zulasten der Ärzte geht, betonte die KV-Chefin.

Der Hintergrund: Die geltende Vereinbarung zur Kostenerstattung von Krankenkassen und Kassenärzten sieht eine Staffelung vor, bei der ab dem dritten Quartal die Pauschalen zur Refinanzierung deutlich sinken und nicht mehr kostendeckend sind. Bei den Verhandlungen war man indessen von einem erheblich früheren Geräte- und Preiswettbewerb im Markt und entsprechend früherem Rolloutbeginn ausgegangen. Beide Erwartungen sind nicht eingetreten, sodass die Ärzte eine Anpassung der Finanzierungsvereinbarung für erforderlich halten. © KBr/aerzteblatt.de

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