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Umfrage: Patienten wollen häufig kein Antibiotikum

Freitag, 20. April 2018

/Andy Dean, stockadobecom

Berlin – Patienten mit einer Infektionserkrankung erwarten nicht unbedingt, dass sie zur Behandlung ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung des Forschungsprojektes „Antibiotika-Resistenz-Entwicklung nachhaltig abwenden“ (ARena) von mehr als 1.600 Patienten. Weiteres Ergebnis der Studie: Das Wissen der Patienten über Antibiotika ist insgesamt gut. Beides widerspricht allerdings anderen Erhebungen.

„Der von Ärzten oft wahrgenommene Verordnungsdruck von Patientenseite konnte durch die Ergebnisse unserer Befragung nicht bestätigt werden“, sagte Veit Wambach, Allgemeinmediziner aus Nürnberg und Vorsitzender der Agentur deutscher Arztnetze, die als Konsortialpartner an dem Projekt beteiligt ist. Das gelte insbesondere in Fällen, in denen die Entscheidung, kein Antibiotikum zu verordnen, mit den Patienten besprochen wird. „Dann sind diese meistens damit einverstanden“, so Wambach.

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Zudem stimmten mehr als 80 Prozent aller Befragten der Aussage zu, dass die meisten Erkältungen beziehungsweise grippalen Infekte auch ohne Antibiotika heilen. Mehr als 80 Prozent waren darüber hinaus über die Resistenzentwicklung bei zu häufiger Anwendung informiert. „Hier haben die verschiedenen Kommunikationsmittel anscheinend bereits einen Effekt erzielen können. Der Frage, welcher Weg der Wissensvermittlung der effektivste ist, werden wir im Projekt weiter nachgehen“, sagte Wambach.

Die Ergebnisse der Befragung stehen nicht im Einklang mit anderen Umfragen und Erfahrungen von Ärzten. Erst Anfang April hatte eine Umfrage der DAK-Gesundheit auf der Basis einer Umfrage des Forsa-Instituts unter rund 3.000 Deutschen über 18 Jahren gezeigt, dass Patienten eine Verordnung von Antibtiotika erwarten. 72 Prozent der Befragten erwarteten laut der Umfrage eine Antibiotika-Verordnung, wenn ihre Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden (2014: 76 Prozent). Vor allem die jungen Erwachsenen setzen laut der Umfrage auf diese Wirkstoffe, bei den Menschen ab 60 Jahren sind es nur 67 Prozent.

ARena war im vergangenen Jahr gestartet und nach einer Vorbereitungsphase ab Oktober 2017 in 195 Praxen in 14 Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfalen angelaufen. Es wurde im Rahmen der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) der Bundesregierung konzipiert und soll helfen, den Antibiotikaeinsatz in der ambulanten Versorgung bei Patienten mit unkomplizierten Infektionen wie Erkältungskrankheiten zu optimieren. Um das zu erreichen, sollen im Rahmen von ARena verschiedene Maßnahmen in der Routineversorgung erprobt werden, die zu einem rationalen Einsatz von Antibiotika führen.

Seit Anfang des Jahres werden die Projektthemen nun auch über soziale Medien kommuniziert. „Über unseren Blog antibiotika-alternativen.de sowie über die dazugehörigen Facebook-, Twitter-, Youtube- und Pinterest-Kanäle informieren wir in regelmäßigen Abständen in für medizinische Laien verständlicher Sprache über Wissenswertes rund um das Thema Antibiotika und Resistenzbildung“, erklärte Wambach.

Neben dem aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH und der Agentur deutscher Arztnetze beteiligen sich die AOK Bayern und die AOK Rheinland/Hamburg sowie die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) als Projektpartner an ARena. Das Projekt wird aus Mitteln des Innovationsfonds finanziert. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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