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Medizin

COPD: Weniger Exazerbationen unter einer inhalativen Triple-Therapie

Montag, 23. April 2018

/Orawan, stock.adobe.com

Collegeville/Pennsylvania – Eine Triple-Therapie mit einem inhalativen Glukokortikoid, einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) und einem langwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) hat in einer internationalen Studie die Zahl der Exazerbationen von Patienten mit COPD deutlich gesenkt. Laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1713901) kam es jedoch zu einem leichten Anstieg der Pneumonien.

Die Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sollte nach den Leitlinien mit einem LABA oder mit einem LAMA als Monotherapie begonnen werden. Wenn dies den Krankheitsverlauf nicht aufhält, es also zu weiteren Exazerbationen oder zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion kommt, sollen LABA und LAMA kombiniert werden. Der Einsatz eines inhalativen Glukokortikoids als dritte Kompo­nente ist umstritten, da es Zweifel am Zusatznutzen gibt und das Steroid das Risiko von Infektionen, sprich einer Pneumonie erhöht. Die Therapie ist auch schwer umzusetzen, da der Patient eventuell drei verschiedene Sprays benötigt.

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Dreifachinhalator seit 2017 zugelassen

Dieses technische Problem ist inzwischen gelöst. Seit dem letzten Jahr ist ein Dreifach-Inhalator zugelassen, der ein inhalatives Glukokortikoid (Fluticasonfuroat) mit einem LABA (Vilanterol) und einem LAMA (Umeclidinium) kombiniert. Die einmal tägliche Anwendung dürfte den Patienten sehr entgegenkommen, die ja für die Akutbehandlung meist einen weiteren Inhalator benötigen.

Der Hersteller hat den Triple-Inhaler in der weltweiten IMPACT-Studie (mit deutscher Beteiligung) an 10.355 Patienten mit COPD testen lassen. Die Patienten wurden zu gleichen Teilen auf eine Triple-Therapie oder eine Zweierkombination aus inhalativem Glukokortikoid plus LABA (Fluticasonfuroat-Vilanterol) oder einer Kombination aus LAMA plus LABA (Umeclidinium-Vilanterol) randomisiert. Primärer Endpunkt war die Zahl der COPD-Exazerbationen im Verlauf der Studiendauer von 52 Wochen.

15 % weniger Exzerbationen unter Triple Therapie

Wie David Lipson von GlaxoSmithKline in Collegeville/Pennsylvania und Mitarbeiter jetzt mitteilen, kam es unter der Triple-Therapie zu 0,91 Exazerbationen pro Jahr und Patient verglichen mit 1,07 pro Jahr und Patient in der Fluticasonfuroat-Vilanterol-Gruppe und zu 1,21 Exazerbationen pro Jahr und Patient in der Umeclidinium-Vilanterol-Gruppe.

Die Rate Ratio für den Vergleich der Triple-Therapie zur Kombination aus inhalativem Glukokortikoid plus LABA betrug 0,85 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 0,90 signifikant. Unter der Triple-Therapie kam es demnach zu 15 % weniger Exazerbationen.

Die Rate Ratio für den Vergleich der Triple-Therapie zur Kombination aus LAMA plus LABA betrug 0,75 (0,70-0,81), was einen Rückgang der Exazerbationen um 25 Prozent bedeutet.

Am deutlichsten waren die Unterschiede bei den Patienten mit erhöhten Eosinophilen im Blutbild (über 150 Zellen/µl), was der Verdienst des inhalativen Glukokortikoids sein dürfte. Allerdings erhöhte Fluticasonfuroat auch die Inzidenz der Pneumonien, die unter der Triple-Therapie bei 96,6 Patienten pro 1.000 Patientenjahre auftraten gegenüber einer Rate von 61,2 pro 1.000 Patientenjahre in der LAMA plus LABA-Gruppe.

Vorteil der Triple-Therapie könnte in der Praxis geringer ausfallen

Die Stärken der Studie liegen laut dem Editorialisten Samy Suissa von der McGill Universität in Montreal darin, dass in den drei Gruppen LABA, LAMA und inhalatives Glukokortikoid identisch waren. Die Studie zeichne deshalb die Eskalierung von einer dualen zu einer Triple-Therapie nach, wie dies die Leitlinien vorsehen.

Allerdings könnte der Vorteil in der Praxis geringer ausfallen als in der Studie. Etwa 40 % der Teilnehmer hatten vor Studienbeginn eine Triple-Therapie erhalten. Sie wurden in den beiden Kontrollgruppen auf eine duale Therapie zurückgestuft. Dies könnte nach Einschätzung von Suissa erklären, warum es in den ersten Wochen in den Kontrollgruppen zu einem Anstieg der Exazerbationen kam. Ohne diesen Anstieg wäre der Vorteil der Triple-Therapie geringer ausgefallen, vermutet Suissa. © rme/aerzteblatt.de

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OFreudenthaler
am Donnerstag, 3. Mai 2018, 08:48

COPD TripleTherapie

DÄ Mai 2018
LNS

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