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Politik

Alterung der Gesellschaft beeinflusst Gesundheitskosten nur gering

Dienstag, 24. April 2018

/Glamourpixel, stock.adobe.com

Hannover – Die demografische Entwicklung ist nicht der häufig propagierte Kosten­treiber im Gesundheitswesen – andere Faktoren hatten in den vergangenen Jahren einen wesentlich größeren Einfluss. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der AOK Niedersachsen und der Medizinischen Hochschule Hannover. 

Die Wissenschaftler haben für die Jahre 2004 bis 2015 die mittleren jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben anhand der Kostendaten des Bundesversicherungsamtes berechnet. Grundlage der Altersverteilung der Bevölkerung waren offizielle Statistiken. Zur Ermittlung des Anteils der demografischen Entwicklung wurde die Altersstruktur der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) konstant gehalten und die so ermittelten fiktiven Gesundheitsausgaben mit den tatsächlichen Ausgaben ver­glichen. Zusätzlich wurde der Anteil der Inflation und sonstiger Faktoren berück­sichtigt.

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Demografie macht 17,3 Prozent aus

Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg der durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben von 1.722 Euro im Jahr 2004 auf 2.656 Euro in 2015 (plus 54,2 Prozent). Bei einer gleich­bleibenden Altersstruktur wären die Pro-Kopf-Ausgaben laut der Studie nur um 44,9 Prozent gestiegen. Der relative Anteil der demografischen Entwicklung an den Ausgabensteigerungen beträgt damit 17,3 Prozent. 32,3 Prozent lassen sich laut den Wissenschaftlern auf die allgemeine Inflation und 50,5 Prozent auf andere Faktoren zurückführen. 

„Wir konnten nachweisen, dass die demografische Entwicklung nicht wie so häufig vermutet der große Kostentreiber im Gesundheitswesen ist. Der medizinische Fortschritt und insbesondere neue, teure Produkte sind der dominierende Faktor für den Kostenanstieg“, erläuterte Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Nieder­sachsen.

Laut Peter wird der demografische Wandel aber in den kommenden 15 Jahren zu Finanzierungslücken bei den Krankenkassen führen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation aus dem Berufsleben ausschieden, zahlten sie als Rentner weniger Geld in die GKV ein. Diese Einnahmen fehlten dann, um die Versorgung zu finanzieren.

Peter fordert daher Entlastung an anderer Stelle, um die Beitragssätze stabil zu halten. Eine Regulierung der oft extrem hohen Preise für neue Arzneimittel, neue Medizin­produkte oder andere technische Neuerungen im Gesundheitswesen sei unbedingt erforderlich. „Entscheidend ist an dieser Stelle eine konsequente Kosten-Nutzen-Bewertung“, so Peter. © hil/aerzteblatt.de

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