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Politik

Liposuktion bei Lipödem: Bundessozialgericht weist Klage auf Kostenerstattung ab

Dienstag, 24. April 2018

/hin255, stock.adobe.com

Kassel – Eine Liposuktion bei Lipödem ist keine Leistung der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV). Die dauerhafte Wirksamkeit der Methode sei nicht ausreichend gesichert, befand heute das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel. (Az: B 1 KR 10/17 R).

Die Klägerin aus Baden-Württemberg leidet an Lipödemen. Eine erfolgreiche Behandlung ist mit den bislang zugelassenen Methoden oft nicht möglich. Deshalb beantragte die Frau bei ihrer Krankenkasse eine Liposuktion. Dies lehnte die Krankenkasse jedoch ab.

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Dennoch ging die Patientin für eine Liposuktion ins Krankenhaus. Die Ärzte saugten aus jedem Bein nahezu acht Liter Fett ab. Danach klagte die Frau auf Erstattung ihrer Kosten von zunächst 4.416 Euro. Inzwischen ließ sie zwei Folgeoperationen vornehmen und fordert von ihrer Krankenkasse insgesamt 11.364 Euro.

Ihre Klage hatte durch alle Instanzen keinen Erfolg. Die Methode entspreche nicht den Anforderungen für Qualität und Wirtschaftlichkeit der GKV. Dies sei aber „im Interesse des Patientenschutzes und des effektiven Einsatzes der Mittel der Beitragszahler zu gewährleisten“, betonte das BSG.

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA), der über den Leistungskatalog der GKV entscheidet, habe zwar eine Erprobung der Liposuktion veranlasst. Dass die Methode möglicherweise „das Potenzial einer Behandlungsalternative“ habe, reiche für eine Kostenerstattungspflicht der Kassen aber nicht aus, so das BSG. © afp/may/aerzteblatt.de

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Avatar #754583
Freexoxo
am Montag, 29. Oktober 2018, 13:09

Es ist ein Krankheit...

Bei einem Lipödem handelt es sich um krankhafte Fettzellen, welche sich im Bereich der Oberschenkel oder anderen Körperteilen ungebremst vergrößern. Patienten berichten oftmals von Schwellungen und Einlagerungen von Flüssigkeit. Die Ursachen sind weitestgehend ungeklärt. Quelle:

Es handelt sich also ohne zweifel um eine Krankheit, welche mit krankhaften Fettzellen einhergeht, welche entfernt werden müssen, um diese Krankheit zu behandeln. Ich finde, solche Entscheidngen sollten denen überlassenw erden, welche SICH DAMIT AUSKENNEN und nicht denen, die einfach am meisten sparen wollen....
Avatar #747495
JohnR
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 14:55

Welche Alternativen zu Liposuktionen werden von den Krankenkassen bezahlt ?

Wenn zwei Professoren in einem Gutachten bescheinigen, dass nach allen erfolglosen Behandlungsversuchen nur eine Liposuktion zum wahrscheinlichen Erfolg führt,sollten die Krankenkassen bezahlen MÜSSEN. Was schlägt denn das BSG als wahrscheinlich erfolgreiche Behandlung vor ??? Die Patientinnen können nicht ohne Behandlung bleiben. Stufe 2 bei Lipödemen sind schmerzhaft.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 25. April 2018, 22:45

Kostenerstattung

nach 13/3 hat die Patientin ja versucht und ist damit gescheitert. §13.3 greift nur, wenn die Krankenkasse eine unaufschiebbar notwendige Leistung "nicht zur Verfügung stellen konnte". die Dame hätte sich allenfalls auf das Nikolausurteilmit seinem "letzten Strohalm" berufen können - aber für Krankenkassen und Sozialgerichte ist ja nicht einmal Schwerstabhängigkeit von Alkohol eine "nachhaltig lebensbedrohliche Erkrankung", geschweige denn ein als "kosmetisches Problem" disqualifiziertes Krankheitsbild wie ein Lipödem...
Avatar #746127
timcwerner
am Mittwoch, 25. April 2018, 12:47

Hintertürchen § 13 Absatz 3a SGB V

Die Entscheidung des BSG ist hart für die Betroffenen, im Ergebnis aber vertretbar, da der Gesetzgeber mit der Änderung des § 137c absatz 3 SGB V auch § 2 absatz 1 SGB V hätte entsprechend anpassen müssen. Das Hintertürchen § 13 Absatz 3a SGB V steht aber weiterhin offen.
LNS

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