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Politik

Sachsen-Anhalt will Teil der Medizin­studienplätze an Landärzte vergeben

Mittwoch, 25. April 2018

/dpa

Magdeburg – Sachsen-Anhalt will künftig einen Teil seiner Medizinstudienplätze speziell an künftige Landärzte vergeben. Das kündigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gestern nach einer Sonderkabinettssitzung an. Fünf Prozent der 450 Medizinstudienplätze an den Universitäten in Magdeburg und Halle sollen künftig unter diesem Aspekt vergeben werden. Das entspräche 22 Plätzen.

Die Studenten, die dieses Angebot nutzen, sollen verpflichtet werden, nach ihrem Abschluss eine gewisse Zeit im ländlichen Raum zu arbeiten. Sachsen-Anhalt bilde derzeit im Vergleich zu anderen Bundesländern überdurch­schnittlich viele Mediziner aus, doch mehr als die Hälfte verlasse das Land nach dem Abschluss, sagte Haseloff. Eine Idee, um mehr junge Ärzte zu halten, ist jetzt die Landarztquote.

Konkretes im Sommer

Im Herbst 2019 sollen die ersten Bewerber mit der Verpflichtung zum Landarzt ihr Studium starten können. Dazu müssten eine Reihe rechtlicher Fragen geklärt werden, sagte die zuständige Sozialministerin Petra Grimm-Benne. Im Sommer will sie zusammen mit Wissenschaftsminister Armin Willingmann (beide SPD) ein Konzept vorlegen, wie die Quotenregelung umgesetzt werden kann. Die Auswahl geeigneter Bewerber soll die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt übernehmen. „Bei der Landarztquote gibt es viele Klippen, die man umgehen muss.“

Hintergrund der Neuregelungen ist eine Entscheidung des Bundesverfassungs­gerichts. Dies hatte im Dezember 2017 entschieden, dass die Vergabe in der Medizin neu geregelt werden muss, zum Beispiel weil die Abiturnote, der Numerus Clausus, nicht das alleinige Auswahlkriterium sein darf. Die Länder wollen daher den Staatsvertrag ändern. Das gebe Raum, um eine Landarztquote zu etablieren, sagte Willingmann. Wunder dürfe man jedoch nicht erwarten. Ein Studium samt Facharztausbildung dauere im Schnitt elf Jahre und damit sehr lange.

Ministerin Grimm-Benne verwies vor diesem Hintergrund auf viele weitere Aktivitäten, um aktuelle Studierende für einen Job in Sachsen-Anhalt zu gewinnen. Das reiche von Stipendien über Patenmodelle mit praktizierenden Hausärzten bis hin zu Angeboten, in regionalen Gesundheitszentren als angestellter Arzt zu arbeiten – statt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Gerade für Ärztinnen sei dieses Modell attraktiv, weil es sich besser mit Familie vereinbaren lasse, so Ministerpräsident Haseloff.

Bis 2032 scheiden mehr als 900 Hausärzte aus

Bereits jetzt sind nach Angaben des Sozialministeriums 132 Hausarztstellen im Land nicht besetzt. Und das, obwohl bereits heute jeder achte Allgemeinmediziner das Rentenalter erreicht habe und immer noch weiter praktiziere, rechnete Regierungschef Haseloff vor.

Bis 2032 scheiden nach aktuellen Prognosen mehr als 900 Hausärzte aus. Die gleiche Vorhersage bescheinigt dem Land, dass mehr als 260 Stellen bis dahin nicht besetzt werden können. Dem will die Landesregierung begegnen, indem sie unter anderem mehr in Sachsen-Anhalt verwurzelte Bewerber zum Studium an den dortigen Universitäten zulässt. © dpa/may/aerzteblatt.de

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