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Politik

Karlsruhe stimmt für ersten Drogenkonsumraum

Mittwoch, 25. April 2018

/dpa

Karlsruhe – Die Stadt Karlsruhe will den ersten Drogenkonsumraum in Baden-Württemberg einrichten. Der Gemeinderat stimmte gestern für eine solche Anlaufstelle. In ihr sollen schwerst Drogenabhängige mitgebrachte Drogen wie Heroin und Kokain unter hygienischen Bedingungen konsumieren können.

Sie soll Schwerstabhängigen helfen und zugleich den Karlsruher Werderplatz wieder attraktiv machen. Der Platz ist seit geraumer Zeit Drogen- und Trinkertreff. Anwohner und Geschäftsleute fühlen sich nicht mehr wohl – und auch nicht mehr sicher. Sie drängen auf Abhilfe.

Landesregierung uneins

Damit das Vorhaben ab 2019 für zunächst drei Jahre realisiert werden kann, braucht Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) noch grünes Licht vom Land. Die „Fixerstube“ ist in der grün-schwarzen Landesregierung umstritten: Während Sozialminister Manne Lucha (Grüne) das Vorhaben unterstützt, hat das CDU-geführte Innenministerium Bedenken. Justizminister Guido Wolf (CDU) hatte angekündigt, nicht gegen den Willen der Stadt entscheiden zu wollen.

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Der drogenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion begrüßte die Entscheidung der Stadt. „Diese Entscheidung wird Leben retten. Die Einrichtung eines Drogenkonsum­raums wird spürbar die medizinische Versorgung von schwer suchtkranken Menschen verbessern“, sagte Josha Frey. Rainer Hinderer, suchtpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, forderte die Landesregierung auf, „endlich ihre ideologischen Differenzen zu überwinden“ und solche Räume auch in Baden-Württemberg zuzulassen.

Um Anwohner am Werderplatz von Schmutz, Lärm und Belästigungen durch die Szene zu entlasten, ist neben dem Drogenkonsumraum auch ein Alkoholraum geplant, in dem mitgebrachtes Bier oder Wein getrunken werden können. Die Kosten für beide Räume werden jährlich auf insgesamt rund 350.000 Euro geschätzt.

Bundesweit gibt es bereits 23 Drogenkonsumräume. Erfahrungen zeigen Sucht­experten zufolge, dass sie beim Ausstieg aus der Sucht helfen können. Auch würden durch das Spritzen unter Aufsicht lebensbedrohliche Überdosierungen und Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV vermieden. © dpa/aerzteblatt.de

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har88271
am Donnerstag, 26. April 2018, 11:02

das hat mit psychosozialer gesundheit nichts mehr zu tun

...das sind reine ordnungspolitische maßnahmen, die immer billiger sind als eine qualifizierte versorgung mit ausstiegsziel.

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