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Medizin

Ulcus cruris: Frühzeitige endovaskuläre Therapie beschleunigt Abheilung

Mittwoch, 25. April 2018

Ulcus cruris /dpa

London – Venöse Ulzerationen an den Beinen heilen schneller, wenn die varikösen Venen frühzeitig verödet werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMoa1801214).

Die übliche Behandlung eines Ulcus cruris besteht in einer Kompressionstherapie, eventuell kombiniert mit lokalen Maßnahmen zur Förderung der Wundheilung. Die Beseitigung der Ursache, die häufig in einem venösen Hochdruck als Folge von zerstörten Venenklappen besteht, wird in der Regel auf die Zeit nach der Abheilung verschoben. Bis dahin können jedoch Wochen, wenn nicht Monate vergehen, in denen die Patienten durch schmerzhafte, riechende und häufig als peinlich empfundene „offene Beine“ in der Lebensqualität eingeschränkt sind. 

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Die „Early Venous Reflux Ablation“ oder EVRA-Studie hat untersucht, ob die Abheilung des Ulcus cruris durch eine frühzeitige endovaskuläre Therapie beschleunigt werden kann. Die endovaskuläre Therapie ist gegenüber der chirurgischen Entfernung der Krampfadern, etwa durch Stripping, die schonendere Therapie. Es gibt verschiedene Methoden: Die Ärzte können durch Injektion eines Detergenz die Venen „veröden“ (Schaumsklerosierung) oder etwas moderner, die Venen über einen Katheter mittels Radiofrequenz- oder Laser-Energie durch Erwärmung „verschweißen“.

Die EVRA-Studie hat untersucht, ob diese endovaskulären Therapien bereits vor der Abheilung des Ulkus durchgeführt werden können. Zu den Einschlusskriterien gehörte der Nachweis eines venösen Refluxes, um die zu behandelnden Venen zu identifizieren. Die Ulzerationen durften außerdem nicht länger als 6 Monate bestehen (sollten aber wenigstens 6 Wochen alt sein). Diese Bedingungen führten dazu, dass ingesamt 6.500 Patienten gescreent werden mussten, um die 450 Teilnehmer für die Studien zu finden. Der häufigste Grund für einen Ausschluss war laut Studienleiter Alun Davies vom Imperial College London, dass die Ulzerationen schon länger bestanden. Auch in Großbritannien wenden sich die Patienten häufig erst sehr spät an einen Arzt.

An der Studie beteiligten sich 20 Zentren in Großbritannien. Die 450 Patienten wurden auf eine sofortige endovaskuläre Therapie oder auf eine spätere Behandlung nach Abheilung des Ulcus cruris randomisiert. Die Methode der endovaskulären Therapie blieb in der pragmatischen Studie den einzelnen Ärzten überlassen. In beiden Gruppen wurde zusätzlich eine Kompressionstherapie durchgeführt. 

Der primäre Endpunkt war die Dauer bis zur Abheilung des Ulcus cruris. Dieses Ziel wurde nach der sofortigen endovaskulären Therapie nach median 56 Tagen (95-%-Konfidenzintervall 49 bis 66 Tage) und nach der verzögerten endovaskulären Therapie nach 82 Tagen (69 bis 92 Tage) erreicht. Nach 24 Wochen waren in der Frühinter­ventionsgruppe 85,6 % und in der Spätinterventionsgruppe 76,3 % der Ulzera abgeheilt.

Im ersten Jahr nach Studienbeginn waren die Teilnehmer nach der frühen Behandlung ingesamt 306 Tage ohne Ulcus gegenüber 278 Tage nach der verzögerten Behandlung. Davies ermittelt eine Hazard Ratio für die Abheilung der Hautläsionen von 1,38 (1,13 bis 1,68), die der verzögerten Therapie ein signifikant schlechteres Ergebnis bescheinigt. © rme/aerzteblatt.de

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