NewsAuslandEU-Kommission will sich für höhere Impfquoten in Europa einsetzen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

EU-Kommission will sich für höhere Impfquoten in Europa einsetzen

Donnerstag, 26. April 2018

/dpa

Brüssel – Um der Impfskepsis vieler Europäer entgegenzuwirken und die Impfquoten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zu erhöhen, hat die EU-Kommission heute in Brüssel und Berlin eine Reihe von Empfehlungen vorgelegt. So schlägt sie unter anderem vor, bis 2019 ein europäisches Informationsportal zum Thema Impfungen einzurichten, das die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Nutzen und Sicherheit von Impfstoffen aufbereitet.

Damit könne man auch Fehlinformationen von zum Teil militanten Impfgegnern entgegentreten und die Impfbereitschaft der Bevölkerung fördern, sagte Michael Sulzner, Experte für Impfschutz bei der Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission, heute bei der Vorstellung der Pläne in Berlin. Darüber hinaus müssten die Angehörigen der Gesundheitsberufe angemessen geschult werden, damit sie die Bevölkerung fachkundig über Impfungen beraten könnten, „denn sie haben das Vertrauen ihrer Patientinnen und Patienten“, betonte Sulzner.

Anzeige

Impfdaten sammeln und auswerten

Die Kommission schlage deshalb vor, dass sich die europäischen Verbände der Gesundheitsberufe und deren Studierendenverbände in einer Impfkoalition zusammenschließen. Über ein europäisches Informationsaustausch-System will die EU-Kommission zudem Impfdaten sammeln und auswerten. Auf dieser Basis könnten dann unter Federführung der Mitgliedstaaten Leitlinien für einen einheitlichen Impfkalender entwickelt werden, der mindestens Angaben über Impfdosen und das Lebensalter der zu impfenden Personen enthalten sollte.

In diesem Zusammenhang regt die Brüsseler Behörde auch einen einheitlichen Impfpass für alle EU-Bürger an. Außerdem schlägt die EU-Kommission vor, ein europaweites Register über Impfstoffbestände und Impfstoffbedarf zu schaffen. Damit soll dem Risiko von Versorgungsengpässen entgegengewirkt werden.

Positive Signale aus den Mitgliedstaaten

Die Kommission wolle die Empfehlungen zur Förderung der Impfbereitschaft noch im ersten Halbjahr den Mitgliedstaaten zur Beratung vorlegen, erklärte Sulzner. Von der derzeitigen bulgarischen Ratspräsidentschaft habe man ebenso positive Reaktionen erhalten wie aus Österreich, das im zweiten Halbjahr 2018 dem Rat vorstehen wird. Zur Finanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen stehen Sulzner zufolge Mittel aus dem Europäischen Sozialfond und dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung zur Verfügung.

Flankierend wird mit 3,5 Millionen Euro aus dem europäischen Gesundheitsprogramm ab Herbst 2018 für drei Jahre eine Gemeinsame Aktion (Joint Action) für Impfungen gefördert. 20 Staaten, darunter Deutschland, hätten ihre Beteiligung zugesagt, erklärte Sulzner. Ziel sei es auch hier, Impfskepsis zu überwinden und die Impfbereitschaft zu fördern. Außerdem soll innerhalb des Projekts die technische Infrastruktur dafür geschaffen werden, dass die Impfkommissionen der Mitgliedstaaten ihre Impf­empfehlungen besser aufeinander abstimmen können.

Etwa 60 Maserntote in zwei Jahren

Hintergrund des Vorstoßes der EU-Kommission sind die jüngsten Masernausbrüche in einigen EU-Staaten. Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge wurden zwischen März 2017 und Februar 2018 europaweit rund 14.800 Masernfälle gemeldet. 60 Menschen starben an den Folgen der Erkrankung. 85 Prozent der Erkrankten, deren Impfstatus bekannt war, waren nicht geimpft. In 22 der 27 EU-Mitgliedstaaten liegt zudem die Impfrate für die zweite Dosis der Masernimpfung unter 95 Prozent, dem erforderlichen Schwellenwert für eine Eliminierung.

„In der Bevölkerung ist das Bewusstsein für die Risiken von Infektionskrankheiten verloren gegangen“, sagte Sulzner. Dazu kämen Missverständnisse über den Wert und den Nutzen von Impfungen – auch bei medizinischem Fachpersonal. „Auch der Nutzen von Impfungen, der über den individuellen hinausgeht, wird nicht verstanden. Zurzeit exportiert die EU Masern“, warnte der EU-Beamte.

„Impfungen sind eine der wirksamsten und kostengünstigsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit“, betonte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis bei der Vorstellung der Empfehlungen in Brüssel. Er sei bestürzt darüber, dass Kinder sterben, weil das Impfangebot schlecht angenommen werde oder es an Impfstoffen fehle, erklärte der Arzt. Infektionskrankheiten machten zudem nicht an Ländergrenzen halt. Wenn die Menschen in einem EU-Land nicht ausreichend immunisiert seien, bedeute dies eine Gefahr für die Gesundheit aller Bürger in der EU. Ein gemeinsames europäisches Vorgehen sei deshalb sinnvoll, so Andriukaitis. © HK/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Berlin – Die Bundesländer haben bei der geplanten Masernimpfpflicht noch Änderungsbedarf angemeldet. Im Bundesrat bemängelten sie in einer heute beschlossenen Stellungnahme unter anderem, dass
Länder sehen Nachbesserungsbedarf bei geplanter Masernimpfpflicht
19. September 2019
Abidjan/Cotonou – Die Elfenbeinküste schreibt künftig Routineimpfungen für Säuglinge bis elf Monate und Schwangere vor. Wer nicht geimpft ist, dem drohen Sanktionen. Das beschloss der Ministerrat, wie
Elfenbeinküste führt Impfpflicht ein
12. September 2019
Brüssel – Sinkende Impfraten bedrohen nach Ansicht der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) und der Europäischen Union (EU) das Leben von Kindern in zahlreichen Ländern. Das zeigte heute ein Impfgipfel
Europäische Union will stärker gegen Impfskepsis kämpfen
11. September 2019
Berlin – Der Gesundheitsausschuss und weitere Ausschüsse des Bundesrats haben bei der von der Bundesregierung geplanten Masernimpfpflicht in der bisherigen Ausformulierung des Gesetzes
Bundesratsausschüsse halten Masernimpfpflicht für verfassungsrechtlich bedenklich
10. September 2019
Sacramento – Kalifornien will mit einem neuen Gesetz die Impfpflicht im US-Westküstenstaat verschärfen. Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete gestern einen Entwurf, der Ausnahmen
Kalifornien verschärft Impfpflicht für Kinder
6. September 2019
Berlin – Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) hat sich heute anlässlich des 12. Deutschen Internistentages in Berlin für die Einführung von Personaluntergrenzen auch für den ärztlichen
Internisten plädieren für Arztuntergrenzen
4. September 2019
Kopenhagen – Eine Grippeimpfung kann bei Patienten mit einer arteriellen Hypertonie das Sterberisiko während der Grippesaison senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie,
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Archiv

NEWSLETTER