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Medizin

Lamotrigin kann lebensgefährlichen Zytokinsturm verursachen

Freitag, 27. April 2018

/agnieszka_marcinska, stockadobecom

Silver Spring/Maryland – Bei der Behandlung mit dem Antiepileptikum Lamotrigin, das auch bei bipolaren Störungen eingesetzt wird, kann in seltenen Fällen zu einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose kommen, einer Störung der Immunabwehr, die rasch zum Tode führen kann. Darauf macht die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication aufmerksam.

Die hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Sie ist gekennzeichnet durch einen Anstieg von aktivierten Lymphozyten und Makrophagen. Diese Zellen versuchen dann einen „Zytokinsturm“, der ein sepsisartiges Krankheitsbild auslöst. Den Patienten droht ein Tod an einem Multiorganversagen.

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Zu den möglichen Auslösern der HLH gehören Medikamente, vor allem Immun­suppressiva. Ein Zusammenhang mit Lamotrigin ist ungewöhnlich. Laut der FDA sind in den 24 Jahren seit der Zulassung von Lamotrigin im Jahr 1994 jedoch 8 Zwischenfälle bekannt geworden, darunter 2 in den USA, die anderen 6 in anderen Ländern.

5 der Fälle erfüllten 5 von 8 Kriterien, die für die Diagnose einer HLH gefordert werden. Bei den anderen 3 Patienten waren 4 Kriterien erfüllt. Die 8 Kriterien sind: Fieber, Splenomegalie, Zytopenie in mindestens 2 Zelllinien, Hypertriglyzeridämie und/oder Hypofibrinogenämie, erhöhtes Ferritin, erhöhte lösliche CD25, verminderte NK-Zellaktivität, Hämophagozytose in Knochenmark, Liquor oder Lymphknoten.

Alle 8 Patienten mussten hospitalisiert werden, einer starb vermutlich an den Folgen der HLH. Bei allen 8 Patienten bestand nach Einschätzung der FDA eine plausible zeitliche Beziehung zur Behandlung mit Lamotrigin: Die Symptome waren innerhalb von 24 Tagen nach Beginn der Lamotrigin-Behandlung aufgetreten. Die Patienten hatten Dosierungen von 25 mg alle 2 Tage bis zu 250 mg einmal täglich erhalten. 

In 7 Fällen verbesserte sich die HLH nach dem Absetzen von Lamotrigin. Der 8. Patient starb, obwohl das Medikament abgesetzt worden war. Die Behandlung bestand in der Gabe von Steroiden, intravenösen Immunglobulinen, Blutprodukten oder einer Chemotherapie. Eine erneute Exposition wurde in keinem Fall versucht.

Die FDA rät den Ärzten, bei jedem Verdacht auf eine HLH das Medikament abzusetzen, eine Untersuchung einzuleiten und einen Hämatologen zu konsultieren. © rme/aerzteblatt.de

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