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Medizin

Schlaganfall: Tenecteplase erreicht häufiger Reperfusion

Sonntag, 29. April 2018

/hywards, stockadobecom

Melbourne – Der modifizierte Plasminogenaktivator Tenecteplase hat in einer randomisierten Vergleichsstudie im New England Journal of Medicine (2018; 378: 1573-1582) bei Schlaganfall-Patienten, bei denen eine Thrombektomie vorgesehen war, doppelt so häufig eine Rekanalisierung erreicht wie das Standardmedikament Alteplase.

Tenecteplase ist eine genetisch modifizierte Variante von Alteplase. Durch drei Änderungen am Molekül wurde die Fibrinspezifität erhöht und die Plasma-Halbwertzeit verlängert. Tenecteplase kann als Bolus injiziert werden, während Alteplase über eine einstündige Infusion verabreicht werden muss. Der dadurch erzielte Zeitgewinn könnte bei der Behandlung des Schlaganfalls von großer Bedeutung sein, vor allem wenn eine Thrombektomie vorgesehen ist. 

Die EXTEND-IA TNK-Studie hat beide Thrombolytika miteinander verglichen. 201 Patienten, bei denen aufgrund des Verschlusses einer großen Hirnarterie eine Thrombektomie vorgesehen war, erhielten innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptom­beginn eine Bolus-Injektion von Tenecteplase (in einer Dosis von 0,25 mg/kg Körpergewicht, Höchstdosis 25 mg) oder eine Alteplase-Infusion (in einer Dosis von 0,9 mg/kg, Höchstdosis 90 mg). Primärer Endpunkt war eine Wiedereröffnung der blockierten Hirnarterien um mehr als 50 Prozent. 

Wie Bruce Campbell vom Royal Melbourne Hospital und Mitarbeiter berichten, erreich­ten in der Tenecteplase-Gruppe 22 Prozent der Patienten dieses Ziel gegenüber 10 Prozent unter der Behandlung mit Alteplase: Die Differenz von 12 Prozentpunkten war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2 bis 21 Prozentpunkten ebenso signifikant wie die relative Inzidenzrate von 2,2 (1,1-4,4). Tenecteplase erfüllte das vorgegebene Kriterium der Non-Inferiorität. Eine Überlegenheit, obwohl offensichtlich, ließ sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahl der von den Untersuchern ohne Pharma-Sponsoring durchgeführten Studie nicht mit statistischer Sicherheit belegen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war die Gruppe vor sechs Jahren in einer Phase 2b-Studie gekommen. Damals hatte bereits die Dosis von 0,1 mg/kg tendenziell häufiger eine Reperfusion erzielt als Alteplase, die bei einer Dosis von 0,25 mg/kg signifikant war (NEJM 2012; 366: 1099-107). Die Studie war jedoch mit 75 Teilnehmern noch kleiner als die aktuelle Studie und hat deshalb die Leitlinien bisher nicht beeinflussen können. 

Ob Tenecteplase eine gleichwertige oder sogar überlegene Variante zu Alteplase ist, wird derzeit in zwei randomisierten Studien an Patienten untersucht, bei denen keine Thrombektomie vorgesehen ist (TASTE, ATTEST 2). Eine weitere Studie (EXTEND-IA TNK Part 2) untersucht derweil, ob die Dosis von Tenecteplase auf 0,4 mg/kg erhöht werden kann. Dass ein Erfolg nicht garantiert ist, zeigen die Erfahrungen der NOR-TEST-Studie aus Norwegen an 1.107 Patienten mit einem milden Schlaganfall. Die Thrombolyse mit Tenecteplase in der hohen Dosierung von 0,4 mg/kg erreichte keine klinisch besseren Ergebnisse als die konventionelle Behandlung mit Alteplase (Lancet Neurology 2017; 16: 781-788). © rme/aerzteblatt.de

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