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Ärzteschaft

220 Arztpraxen wurden in Hessen in Regress genommen

Montag, 30. April 2018

/stadtratte, stockadobecom

Frankfurt am Main – Weniger als zwei Prozent der Arztpraxen in Hessen müssen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen Regress leisten. Eine Landarztpraxis in Nordhessen hatte öffentlich gemacht, dass sie rund 50.000 Euro zurückzahlen muss – wegen zu vieler Hausbesuche. Solche Fälle seien selten, wie es von der Prüfungsstelle der Ärzte und Krankenkassen in Hessen dazu hieß.

Da die Prüfungen erst im Nachhinein stattfinden, stammen die jüngsten Zahlen aus den Jahren 2013/14. Damals waren von den 12.500 Arztpraxen in Hessen 2.015 Praxen wegen Überschreitungen aufgefallen. In 286 Fällen wurde ein Verfahren eröffnet, 220 Praxen mussten am Ende zahlen. „Das entspricht 1,76 Prozent der Praxen in Hessen“, teilte die Prüfungsstelle mit.

Die Prüfungsstelle wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und den Krankenkassen gemeinsam betrieben. Sie kontrolliert, dass das, was Ärzte in Rechnung stellen, „das Maß des Notwendigen nicht überschreitet“. Wie viele Hausbesuche, Medikamente oder Massagen eine Praxis abrechnen darf, hängt von einem hessenweiten Durchschnittswert ab. Können die Mediziner die Abweichungen mit „Praxisbesonderheiten“ erklären, wird kein Verfahren eröffnet. © dpa/aerzteblatt.de

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fjmvw
am Dienstag, 1. Mai 2018, 17:15

Statistik und Regress oder "man hätte es wissen können"

16,2% aller Praxen waren wegen Überschreiten eines Durchschnittswertes aufgefallen.
2,3% aller Praxen erhielten einen Regressbescheid.

"So what?" fragt man sich aus statistischer Sicht. Legt man eine Normalverteilung zu Grunde, dann liegen rund 16% aller Praxen oberhalb von plus einem Sigma. Und 2,25% aller Praxen liegen oberhalb von zwei Sigma.

Damit sieht es so aus, als ob man (aus rein statistischen Gründen - denn sachliche Gründe wurden ja nicht angeführt) 16% aller Praxen erst einmal mit einem entsprechenden Prüfbescheid "bedroht". Jeder einzelne Prüfbescheid führt in einer davon betroffenen Praxis dazu, dass der Blutdruck der Inhaber sofort steigt - und ein sehr hoher Aufwand betrieben wird, um die Abweichung vom Durchschnitt zu begründen.

All den Praxen, die oberhalb von zwei Sigma liegen, gelingt das nicht. Aus rein statischer Sicht ist es quasi vorhersagbar, dass bei einer normalverteilten Grundgesamtheit immer 2,25% aller Praxen einen Regressbescheid bekommen werden / müssen. Denn wenn die Grundgesamtheit normalverteilt ist, muss genau dieser Prozentsatz so weit vom Mittelwert entfernt sein, dass er oberhalb der "Regresseinleitungsgrenze" liegt.

Bei dieser Vorgehensweise könnte man Regresse nur dann vermeiden, wenn ALLE Praxen genau so wenig Hausbesuche machen würden, wie die Praxis, die am wenigsten Hausbesuche macht. Da es Praxen gibt, die quasi keine Hausbesuche machen, weil sie beispielsweise zwar "hausärztlich" geführt werden, de facto aber nur Psychosomatik machen, oder weil sie in so hochverdichteten urbanen Regionen praktizieren, dass die Patienten gleich in ein Krhs gehen, oder .... würde (rein statistisch betrachtet) ein entsprechendes Vorgehen ALLER Ärzte dazu führen, dass es nicht einen Hausbesuch gibt. Denn die Praxis von den 12.500, die dann noch 4 Hausbesuche macht, ist statistisch sofort hochauffällig. Und wer so weit von der Norm abweicht, zwei Sigma scheint die Grenze zu sein, der zahlt einen Regress.

isnydoc
am Dienstag, 1. Mai 2018, 16:02

Hessen ist eines von wievielen Bundesländern mit einer KV?

Was hört man aus Sachsen beispielsweise?
https://www.facebook.com/groups/arzt.berufspolitik/permalink/1698211483598423/
popert
am Dienstag, 1. Mai 2018, 00:25

Absurdes Verfahren

Hausbesuche werden so schlecht vergütet, dass man diese sicherlich nicht aus Gewinnstreben macht. Und es ist offensichtlich, dass einige ländliche Bereiche mit schlechter Nahverkehrsanbindung eben nicht mit anderen Regionen über einen Kamm geschoren werden dürfen. Sonst gefährdet man die Basisversorgung.
Das deutsche Regressunwesen ist absurd muss weg!

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