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Öffentlicher Gesundheitsdienst sieht sich bei Nachwuchsgewinnung chancenlos

Montag, 30. April 2018

/dpa

Osnabrück – Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist bei der Nachwuchs­gewinnung „chancenlos“. Das hat die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Ute Teichert, auf dem 68. wissenschaftlichen Kongress ihres Verbandes betont.

„Fachärzte, die aus der Klinik in ein Gesundheitsamt wechseln möchten, werden dort auf das Gehaltsniveau eines Berufsanfängers zurückgestuft. Unterm Strich kann das einen Gehaltsverlust von mehr als 1.000 Euro pro Monat ausmachen“, sagte sie. Auch die aktuellen Tarifabschlüsse des Bundes und der Kommunen für den öffentlichen Dienst änderten an den Vergütungs­unterschieden zwischen Krankenhausärzten und den Ärzten in den Gesundheitsämtern nichts. Der Berufsverband fordert daher erneut, auch die ÖGD-Ärzte nach den Tarif­abschlüssen des Marburger Bundes (MB) für Klinikärzte zu bezahlen.

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ÖGD braucht mehr Beachtung

Die vergangenen Wochen, Monate und Jahre haben laut Teichert deutlich gemacht, mit welchen permanenten und wechselnden Herausforderungen der ÖGD konfrontiert wird. „Die Grippewelle in den ersten Monaten dieses Jahres und die immer wiederkehrenden Masernausbrüche erfordern von den Gesundheitsämtern verstärktes Engagement für Verbesserungen beim Impfschutz der Bevölkerung“, sagte sie.

Der ÖGD könne seine Beratungs- und Kontrollfunktionen aber nur dann adäquat wahrnehmen, wenn dafür die entsprechenden Ressourcen und Kapazitäten zur Verfügung stünden. Auch die Kontrolle des Infektionsschutzes in den Krankenhäusern, die Erhöhung der Impfbereitschaft der Bevölkerung oder die Gesund­heits­förder­ung und Prävention in den Lebenswelten wie Kindergärten und Schulen seien Daueraufgaben, die einen starken, qualitativ hochwertigen und personell wie finanziell gut ausgestatteten ÖGD erforderten, so die Verbandsvorsitzende.

Laut BVÖGD sind die vielfältigen Aufgaben der Gesundheitsämter für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung gefährdet, unter anderem Schuleingangs­untersuchungen, Kariesprophylaxe in Kindergärten und Schulen, sauberes Trinkwasser, aufsuchende Betreuung von psychisch Erkrankten, Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz und Untersuchungen auf ansteckende Erkrankungen.

Teichert forderte auch, der Bedeutung des ÖGD im Medizinstudium Rechnung zu tragen. „Die Absicherung eines qualitativ hochwertigen ÖGD erfordert auch, den Stellenwert in der medizinischen Ausbildung zu erhöhen, etwa durch die Etablierung von Lehrstühlen für öffentliches Gesundheitswesen an den medizinischen Fakultäten der Universitäten sowie Angebote für Medizinstudierende, Famulaturen und Praktisches Jahr in einem Gesundheitsamt zu absolvieren“, sagte sie.  © hil/aerzteblatt.de

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