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Medizin

Gesundheitskompetenz beeinflusst Erholung nach ambulanter Operation

Mittwoch, 2. Mai 2018

/contrastwerkstatt, stock.adobe.com

Örebro – Patienten mit geringer Gesundheitskompetenz, die dem Aufklärungsgespräch nur mühsam oder gar nicht folgen konnten, erholten sich in einer randomisierten Studie in JAMA Surgery (2018; doi: 10.1001/jamasurg.2018.0672) schlechter von einer ambulanten Operation und klagten nach 14 Tagen häufiger über Einschränkungen der Lebensqualität.

Die Zahl der ambulanten Operationen hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Gleichzeitig sind die Eingriffe komplizierter und die Aufklärung der Patienten schwieriger geworden. Eine ausreichende Gesundheitskompetenz ist jedoch nach ambulanten Operationen wichtig, da die Patienten in der postoperativen Phase bestimmte Regeln einhalten und wissen müssen, bei welchen Komplikationen sie einen Arzt aufsuchen müssen. 

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Nicht alle Patienten verfügen über die erforderliche Gesundheitskompetenz, wie Maria Hälleberg Nyman von der Universität Örebrö bei der Analyse von 704 Patienten ermittelte, die an einer Studie zum Nutzen von Smartphones in der postoperativen Betreuung teilgenommen hatten. Die Patienten hatten auf ihrer App unter anderem einen Fragebogen zu ihrer Gesundheitskompetenz ausgefüllt. Sie hatten dort ihre subjektive Einschätzung zu 5 Aspekten der Aufklärung abgegeben mit jeweils 5 Antwortmöglichkeiten.

Laut Nyman fühlten sich 61 % der Patienten gut aufgeklärt (ausreichende Gesundheits­kompetenz), 32 % meinten, sie hätten Schwierigkeiten gehabt, die Informationen zu verstehen (problematische Gesundheitskompetenz), 7 % fühlten sich überfordert (fehlende Gesundheitskompetenz). Nyman hat diese Gesundheits­kompetenz der Patienten mit den Angaben in einem weiteren Fragebogen zur Erholung nach opera­tiven Eingriffen in Beziehung gesetzt, die die Patienten 14 Tage nach der ambulanten Operation ausgefüllt hatten. Die schwedische Internetversion des „Quality of Recovery“-Fragebogens (SwQoR) erkundigt sich nach 24 Symptomen der Patienten in den letzten 24 Stunden.

Die Analyse von Nyman zeigt nun, dass Patienten, die die Aufklärung nicht oder schlecht verstanden hatten, häufiger über gesundheitliche Probleme klagten: Patienten mit fehlender Gesundheitskompetenz erzielten 37,4 Punkte auf dem SwQoR, der von 0 bis 240 Punkten reicht, wobei eine höhere Punktzahl eine schlechtere Erholung bedeutet. Patienten mit problematischer Gesundheitskompetenz erreichten 22,9 Punkte, während Patienten mit ausreichender Gesundheitskompetenz mit 17,7 Punkten am besten abschnitten.

In einem weiteren Fragebogen schätzten die Patienten ihre Lebensqualität auf einer visuellen Analogskala ein, die von 0 bis 100 reicht (EuroQol). Auch hier stuften sich die Patienten mit fehlender Gesundheitskompetenz in den meisten Aspekten der Lebensqualität schlechter ein. Das mangelnde Verständnis der Aufklärung war mit einer schlechteren körperlichen Funktion, stärkeren Schmerzen, einer verminderten Vitalität, einer schlechteren sozialen Funktion, einer verminderten psychischen Gesundheit und generell mit einem schlechteren körperlichen Zustand assoziiert. 

Die Studie zeigt demnach, dass die Gesundheitskompetenz die Erholung der Patienten nach einer ambulanten Operation beeinflusst. Die Auswirkungen auf „harte“ Parameter wie Wundheilungsstörungen, Krankheitstage oder die Notwendigkeit einer Rehos­pitalisierung wurden dagegen nicht untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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