NewsVermischtesExperte fordert Offenlegung geheimer Pestizidstudien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Experte fordert Offenlegung geheimer Pestizidstudien

Mittwoch, 2. Mai 2018

/dpa

Wien – Ein Experte fordert im Streit um die Wirkung von Pestiziden auf den Menschen mehr Offenheit von der Industrie. Fast alle Studien der Konzerne seien geheim und nur den Behörden im Genehmigungsverfahren zugänglich, kritisierte der Pestizidexperte an der Universität für Bodenkultur in Wien, Johann Zaller.

„Der unabhängigen Überprüfung durch die Wissenschaft und durch die allgemeine Öffentlichkeit bleiben sie verborgen“, sagte er. Beim höchst umstrittenen Herbizid Glyphosat behaupteten die im Detail geheimen Studien dessen Ungefährlichkeit, sonstige Forschungen sähen aber eine krebserregende Wirkung. „Wenn der Stoff schon unschädlich ist, sollte die Industrie ihre Studien offenlegen“, erklärte Zaller.

Beimischungen im Produkt problematisch

Die Industrie verweist demgegenüber auf neue Möglichkeiten, Studien einzusehen. So sei im Zusammenhang mit der Diskussion um Glyphosat ein „virtueller Leseraum“ mit Zugang zu Studien eingerichtet worden, sagt der Sprecher des Industrieverbands Agrar, Martin May. „Die großen führenden Unternehmen bemühen sich um weitgehende Transparenz, auch über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.“ Es gebe aber Rücksichten auf schützenswerte Betriebsgeheimnisse und den Datenschutz.

Anzeige

Aus Sicht von Zaller ist es generell ein großes Problem, dass nur der Wirkstoff, aber nicht dessen Beimischungen im Produkt auf Gefährlichkeit untersucht würden. „Die Beistoffe, die zum Beispiel die Haftfähigkeit auf Pflanzen verbessern sollen, sind möglicherweise schädlicher als der Wirkstoff selber“, mahnte er. Überhaupt nicht getestet würden die Wechselwirkungen mit anderen Stoffen, so Zaller. In der EU seien 270 Wirkstoffe in Pestiziden zugelassen. Von den in Deutschland erhältlichen 1.200 Pflanzenschutzmitteln enthielten mehr als 100 Glyphosat.

Angesichts der wachsenden Resistenzprobleme bei der Bekämpfung sogenannter Unkräuter gebe es erste Tendenzen, alte Mittel wieder aus der Schublade zu holen. In den USA, wo Glyphosat nicht mehr wie erhofft wirke, werde nun ein Bestandteil des aus dem Vietnamkrieg bekannten Entlaubungsmittels Agent Orange einem Produkt beigemischt. Die von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angestoßene Debatte um Pestizide sei ein wichtiger erster Schritt, meinte Zaller.

Ein Glyphosatverbot in Parks und Gärten dürfe aber nicht an der grundsätzlichen Frage vorbeiführen, ob man wirklich so weitermachen wolle. Zaller zufolge gibt es Alternativen zum Einsatz der Chemie. So werde in der Schweiz nun ein Roboter auf Kartoffelfeldern getestet, der autonom rund um die Uhr Unkraut jäte. „Das ist so ähnlich wie der autonome Rasenmäher“, so der Experte.

Von Grenzwerten bei Pestiziden und deren Einhaltung sollten sich die Verbraucher nicht täuschen lassen. „In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Rückstands­grenzwerte in vielen Fällen sukzessive angehoben.“ Beim Anbau gentechnisch veränderten Sojas sei inzwischen die 200-fache Menge an Glyphosatrückständen in den Bohnen erlaubt. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. August 2018
Leverkusen/St. Louis – Bayer hat Medienberichten über neue drohende US-Klagen gegen Monsanto wegen dessen Unkrautvernichters Dicamba widersprochen. „Bayer stellt klar, dass es sich bei diesen Klagen –
Bayer: US-Klagen gegen Dicamba bekannt
17. August 2018
New York – Obwohl der Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan, bekannter als DDT, in den 1970er-Jahren stark eingeschränkt und später ganz verboten wurde, sind Schwangere auch heute noch mit
Autismus: Studie sieht Verbindung mit verbotenem Insektizid DDT
14. August 2018
Berlin – Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat die Bundesregierung zu einem schnellen Anwendungsstopp des Pflanzengifts Glyphosat aufgefordert. Als Konsequenz aus der Verurteilung des von Bayer
Baerbock fordert schnellen Anwendungsstopp von Glyphosat
13. August 2018
Leverkusen – Bayer hat das Urteil eines US-Gerichts gegen den Monsanto wegen einer möglichen Krebserkrankung durch das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup kritisiert. „Das Urteil des
Bayer kritisiert Glyphosaturteil gegen Monsanto
10. August 2018
Wiesbaden – Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) hat ein Ende des Glyphosateinsatzes in Hessen angekündigt. Die Ausstiegsstrategie des Landes bündele verschiedene Maßnahmen mit dem Ziel,
Hessens Landwirtschaftsministerin kündigt Glyphosatausstieg an
27. Juli 2018
Berlin – Berechnungen zufolge kann die Agrarwirtschaft unter bestimmten Bedingungen auf den Einsatz des Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat verzichten, ohne dass den Betrieben dadurch Mehrkosten
Regierung will Einsatz von Glyphosat einschränken
20. Juli 2018
São Paulo – Der massive Einsatz von Pestiziden in der brasilianischen Landwirtschaft schadet laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) den Anwohnern. Immer wieder
NEWSLETTER