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Medizin

Malaria-Übertragung im Krankenhaus in Europa möglich

Donnerstag, 3. Mai 2018

/dpa

Stockholm – Seit Januar 2016 haben sich in Europa mindestens 6 Menschen im Krankenhaus mit den Erregern der Malaria infiziert. Eine Untersuchung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) konnte zwar in keinem Fall den Übertragungsweg ermitteln, mahnt aber bei der Betreuung von Malariapatienten eine strikte Einhaltung der Hygieneregeln an.

Zum ersten der 6 nosokomialen Malariafälle kam es im Februar 2016 in einer Klinik in Deutschland. Der betroffene Patient hatte sich für weniger als 24 Stunden das Zimmer mit einem anderen Patienten geteilt, der wegen einer schweren Malariaerkrankung behandelt wurde. Dass er sich bei seinem Bettnachbarn angesteckt hat, steht außer Zweifel, da die Plasmodien aus dem Blut der beiden Patienten den gleichen genetischen Fingerabdruck (Mikrosatellit PfRRM und Gen für das Merozoiten-spezifische Protein 1) hatten. Eine Übertragung durch eine Malariamücke lässt sich angesichts der Jahreszeit (Winter) ausschließen.  

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Der Modus der Krankenhausübertragung konnte nicht geklärt werden. Bei beiden Patienten sind für den betreffenden Tag keine Blutabnahmen dokumentiert. Nur einer der beiden Patienten hatte eine subkutane Injektion erhalten. Beide Patienten waren parenteral mit verschiedenen Antibiotika behandelt worden.

Auch bei 4 weiteren Erkrankungen, zu denen es in Spanien (März 2016 und Februar 2018) und Italien (September und Dezember 2017) kam, lässt sich die Übertragung durch Mücken weitgehend ausschließen. In allen 4 Fällen ließ sich ein mögliches Zusammentreffen mit einem anderen an Malaria erkrankten Patienten rekonstruieren. Für einen der 4 Patienten, ein 4 Jahre altes Mädchen, endete die Malaria tödlich. Wie sich die Patienten infizierten, konnte nicht geklärt werden.

Nur bei dem sechsten Fall, der im August 2017 in der Region Epirus im Nordwesten Griechenlands auftrat, lässt sich die Übertragung durch eine Stechmücke nicht ausschließen. Zwar wurden trotz intensiver Suche keine Anophelesmücken gefunden. Aufgrund der Jahreszeit und der ländlichen Umgebung der Klinik lässt sich nicht ausschließen, dass eine Mücke zuerst den mit einer importierten Malaria in der Klinik behandelten Patienten stach und dann die Parasiten bei einem weiteren Stich an den anderen Patienten weitergab. Beide Patienten wurden mehrere Tage auf der gleichen Station behandelt.

Auch wenn in keinem Fall der Übertragungsmodus geklärt werden konnte, rät die ECDC zur strikten Einhaltung von Hygieneregeln. Vorsicht geboten sei bei allen Materialien, die mit Blut in Berührung kommen. Dazu gehören Spritzen, Mehrdosis-Ampullen, Blutzuckermessgeräte und Insulin-Injektoren. Dass in 5 von 6 Fällen Plasmodium falciparum übertragen wurde, sei möglicherweise kein Zufall. Bei der Malaria tropica komme es häufig zu einer ausgeprägten Parasitämie. © rme/aerzteblatt.de

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