NewsPolitikHebammen plädieren für Personal­untergrenze und Akademisierung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Hebammen plädieren für Personal­untergrenze und Akademisierung

Donnerstag, 3. Mai 2018

/RioPatuca Images, stockadobecom

Berlin – Der Deutsche Hebammenverband beklagt schlechte Zustände in der Geburtshilfe. Geburtsstationen würden mangels Personal geschlossen, Frauen wegen Überfüllung der Kreißsäle abgewiesen und es fehlten freiberufliche Hebammen für das Wochenbett, sagte die Präsidentin des Hebammenverbands, Ulrike Geppert-Orthofer, heute in Berlin anlässlich des morgigen Internationalen Hebammentags.

Im Klinikalltag seien Hebammen teils für drei und mehr Frauen gleichzeitig zuständig, sagte Geppert-Orthofer. Daher brauche es dringend eine Personaluntergrenze für Kreißsäle. Zudem müssten Hebammen mehr Einflussmöglichkeiten erhalten und weniger vom Arzt abhängig sein.

Anzeige

Verweildauer im Beruf zu gering

Nach Ansicht von Geppert-Orthofer sollte der Hebammenberuf vor diesem Hintergrund weiter akademisiert werden, wie es in anderen Ländern längst die Regel sei. Zwar gebe es derzeit noch genügen Bewerber für die vorhandenen Ausbildungsplätze, aber die Zahl sinke – vor allem unter Abiturientinnen – und die Verweildauer im Beruf liege im Schnitt bei nur sieben Jahren. Hebammen bräuchten dringend eine bessere berufliche Perspektive.

Ursula Jahn-Zöhrens, freiberufliche Hebamme und Mitglied im Verbandspräsidium, ergänzte, dass die Tätigkeit eine große Verantwortung beinhalte und dafür viel zu schlecht bezahlt werde. Daher sollte die Berufshaftpflicht für Freiberuflerinnen neu geregelt und die Haftpflichtsumme gedeckelt werden. Jahn-Zöhrens beklagte zudem den wachsenden bürokratischen Aufwand für Hebammen. „Wenn der Schreibtisch mehr Zeit verlangt als der Hausbesuch, ist etwas falsch.“ Auch dürften Frauen nicht länger als 30 Minuten bis zur nächsten Geburtsklinik benötigen.

Laut einer aktuellen Umfrage des Vereins Deutsche Hebammenhilfe unter 100 Experten an Geburtskliniken kennen die Häuser die Nöte von Hebammen in der klinischen Geburtshilfe. Demnach sind es aus Sicht der Kliniken vor allem familienunfreundliche Arbeitszeiten (69 Prozent) und eine geringe Entlohnung (64 Prozent), die potenzielle Bewerber von der Arbeit in der Klinik abhalten.

Als weitere Gründe werden in der Umfrage eine hohe emotionale Belastung sowie hohe Verantwortung genannt. Die hohen Haftpflichtprämien tragen aus Sicht der Experten indes weniger zum Hebammenmangel bei. „Es stimmt uns zuversichtlich, wie deutlich die Kliniken die drängendsten Herausforderungen auf dem Schirm haben“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Hebammenhilfe, Florian Schwarz.

Fallpauschalen anpassen

Aus Sicht der Krankenhäuser sollten die Fallpauschalen für eine spontane Geburt angepasst werden. Ebenso sei eine direkte Betreuung einer Patientin durch eine Hebamme wünschenswert. Auch das Arbeiten auf Augenhöhe mit dem anderen medizinischen Personal nennen die Experten. Und grundsätzlich müsse die Zahl der Hebammen erhöht werden.

73 Prozent der befragten Geburtskliniken arbeiten bevorzugt mit angestellten Hebammen. Der große Anteil der Hebammen ist jedoch freiberuflich tätig. „Entscheiden sich die Hebammen erstmal für die Selbstständigkeit, kehren sie der aktiven Geburtshilfe meist den Rücken“, so Schwarz. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER