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Medizin

Neurodermitis: Populäre Badeöle in klinischer Studie ohne Wirkung

Donnerstag, 3. Mai 2018

/kreativ1, stock.adobe.com

Southampton – Die Verwendung von Badezusätzen, zu denen die Leitlinien im Rahmen einer Basistherapie der Atopischen Dermatitis (Neurodermitis) raten, hat sich in einer randomisierten Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 361: k1332) als weitgehend wirkungslos erwiesen.

Die Atopische Dermatitis, an der ein Fünftel aller Kleinkinder leidet, ist gekennzeichnet durch eine Störung der epidermalen Barrierefunktion, die nicht nur auf die ekzematöse Haut beschränkt ist. Zu den Maßnahmen, die den Flüssigkeitsverlust begrenzen und damit eine Austrocknung der Haut verhindern sollen, gehören Emollentien (Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Emulsionen), die dem Badewasser zugesetzt werden. Sie sollen während des Bades in die Haut einziehen und dort nach dem Bad die epidermale Barrierefunktion verbessern. Belege für die Wirksamkeit gibt es anders als bei Cremes und Seifen mit Emollentien bisher nicht.

An 96 Allgemeinpraxen in England und Wales wurde in den letzten Jahren die erste größere randomisierte kontrollierte Studie zur Effektivität von Badezusätzen durchgeführt. 482 Kinder (244 Mädchen und 238 Jungen) im Alter von 1 bis 11 Jahren, die an einer Atopischen Dermatitis litten, wurden 2 Gruppen zugeteilt. Der ersten Gruppe verschrieben die Hausärzte für ein Jahr Badezusätze. Die Eltern hatten dabei die freie Wahl zwischen 3 populären Präparaten (mit unterschiedlicher Konzentration von Paraffin- oder Sojaöl). Der zweiten Gruppe wurde dagegen grundsätzlich von der Verwendung von Badezusätzen abgeraten. Andere Externa zur Pflege der Haut und rückfettende Seifen wurden in beiden Gruppen weiter verwendet. Auch Kortikoid-Externa waren, soweit notwendig, erlaubt.

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Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung der Haut nach 16 Wochen. Die Bewertung erfolgte mit dem krankheitsspezifischen Fragebogen POEM („Patient Oriented Eczema Measure). Er bewertet 7 Aspekte der Erkrankung mit 0 bis 4 Punkten. Ein POEM-Score von 0 bis 7 Punkten beschreibt eine milde Neurodermitis. Bei 8 bis 16 Punkten liegt eine mäßig starke und bei 17 bis 28 Punkten eine starke Neurodermitis vor.

Vor Studienbeginn hatte der POEM-Score in der Interventions-Gruppe bei 9,5 Punkten und in der Kontrollgruppe bei 10,1 Punkten gelegen. Nach 16 Wochen war er auf 7,5 beziehungsweise 8,4 Punkte abgefallen. Unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in ethnischer Herkunft, der topischen Anwendung von Kortikoiden und der Verwendung von rückfettenden Seifen ermitteln Miriam Santer von der Universität Southampton und Mitarbeiter einen Vorteil für die Interventionsgruppe von 0,41 Punkten, der mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,27 bis 1,10 Punkten nicht signifikant war.

Auch in einigen sekundären Endpunkten wie der Zahl der Ekzemschübe, der Lebensqualität oder der Zahl der Verordnungen von topischen Steroiden oder topischen Calcineurinhemmern gab es keine signifikanten Unterschiede.

Die Subgruppen-Analysen zeigten, dass Kinder im Alter unter 5 Jahren möglicherweise einen leichten Vorteil durch die Badezusätze haben (plus 1,29 Punkte; 0,33 bis 2,25). Auch wenn die Kinder häufiger als fünfmal die Woche gebadet wurden, war ein leichter Vorteil erkennbar (plus 2,27; 0,63–3,91). Die Überzeugung der Eltern, dass Badezusätze helfen, steigerte den Nutzen ebenfalls ein wenig (plus 1,80; 0,04-3,56).

Insgesamt blieben die Vorteile jedoch unter der Schwelle einer klinischen Relevanz, die vor Beginn der Studie mit einem Anstieg des POEM-Scores um mindestens 3 Punkte festgelegt worden war.

Das Fazit von Santer fällt deshalb negativ aus. Angesichts der hohen Kosten – der National Health Service wendet jedes Jahr 23 Millionen Pfund für die Behandlung auf – und der Unannehmlichkeiten und Risiken – fettige Handtücher, rutschige Fliesen – könnte den Eltern nicht dazu geraten werden, Badezusätze zu verwenden. © rme/aerzteblatt.de

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Docmacher
am Sonntag, 13. Mai 2018, 11:44

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soll auch krankheitsfördernd wirken. Oder verwechsele ich gerade Neurodermitis mit Krätze?
Feldner
am Sonntag, 13. Mai 2018, 10:27

Therapieverbote helfen auch.

Patienten/Probanden von einer Therapie abzuraten stellt eine starke Intervention dar. Mithin ist die Kontrollgruppen hier keine Nichtinterventionsgruppe. Der Effekt in der Badetherapie dürfte daher unterinterpretiert sein.
klausenwächter
am Dienstag, 8. Mai 2018, 04:42

Zu Prenzeler: Eigene Erfahrung mit Neurodermitits

"Neben einer zumeist ererbten atopischen Veranlagung bei etwa 80% der Betroffenen scheinen weitere Faktoren wie Allergene (z.B. Hausstaubmilbenkot, Tierhaare), physikalisch-chemische Noxen (trockene Luft, mechanische Irritation u.a.) oder Nahrungsmittel bei der Auslösung und/oder Ausprägung der Hauterscheinungen eine Rolle zu spielen. Gehobener sozialer Status, kleine Familien und häufiger Antibiotikagebrauch(so genannter "western lifestyle") sollen das Erkrankungsrisiko erhöhen"

[a-t 2003; 34: 35-8]
klausenwächter
am Dienstag, 8. Mai 2018, 04:35

Wirkungslos und billig ersetzbar

Auf fehlende Belege der Wirksamkeit von Badezusätzen wies das Arzneimitteltelegramm bereits 2003 hin: "Randomisierte Studien, in denen der Nutzen im Sinne einer Einsparung Kortikoid-haltiger Externa oder Reduzierung von Rückfällen bzw. eine Überlegenheit bestimmter wirkstofffreier Präparate geprüft wird, gibt es nicht.(7)" [a-t 2003; 34: 35-8]
Ebenso fehlen Wirknachweise der als "Basistherapie" propagierten wirkstofffreien Salben.
Wer die Effekte schätzt kann kostengünstig Pflegemittel vergleichbarer Qualität herstellen.
prenzeler
am Freitag, 4. Mai 2018, 13:16

Eigene Erfahrung mit Neurodermitis:

Vor einigen Jahren wurde bei meinem Sohn (damals 5 Jahre alt) Neurodermitis diagnostiziert. Daraufhin bekam er jeden Tag einen
Joghurt mit etwas Leinöl. Nach einigen Wochen verschwanden die Symptome.
Kann es sein, dass die heutigen Nahrungsmittel insgesamt zu wenig Fette enthalten und so Neurodermitis fördern/verursachen?

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