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Politik

15 Minuten zum Hausarzt, 30 Minuten zum Facharzt

Donnerstag, 3. Mai 2018

/dpa

Berlin – Mit einer vielschichtigen Mischung aus Vorschlägen haben mehrere Universitäten ein Gutachten zur künftigen Bedarfsplanung vorgelegt. Die vom Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) in Auftrag gegebene Untersuchung, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, stellt auf 722 Seiten verschiedene Berechnungen und Analysen dar, wie künftig eine genauere Bedarfsplanung von niedergelassenen Ärzten funktionieren könnte.

Zentrale Aussage ist die Erreichbarkeit von niedergelassenen Ärzten: So sollten künftig mehr als 99 Prozent der Bevölkerung ihren Hausarzt innerhalb von 15 Minuten erreichen können, einen Facharzt innerhalb von 30 Minuten. Zu diesen Fachärzten gehören Urologen, Augenärzte, HNO-Ärzte, Chirurgen, Hautärzte, Orthopäden, Nervenärzte sowie Psychotherapeuten.

Dies sei laut den erstellen Erreichbarkeitsanalysen auch realisierbar, erklärten die Gutachter rund um Leonie Sundmacher aus München. Eine Ausnahme bilden dabei Pädiater und Gynäkologen. „Diese beiden Arztgruppen haben eine besondere wohnort­nahe Relevanz, da große Bevölkerungsgruppen weniger mobil sind, aber eine relativ häufige Frequentierung erfolgt“, hießt es in dem Gutachten.

Längere Wegstrecken auf dem Land

In ländlichen Regionen kommt es allerdings zu längeren Wegstrecken. Laut Gutachten gibt es in ländlichen Räumen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, im Grenzgebiet von Bayern, Thüringen und Hessen sowie im südwestlichen Grenzgebiet von Niedersachsen und im Westen von Rheinland-Pfalz „Schwächen in der Erreichbarkeit.“

Laut den Analysen werde von den Patienten eine Versorgung am Wohnort gegenüber dem Arbeitsort präferiert. Vor allem für spezialisierte Fachärzte müsse aber bei den Berechnungen die Quote der Berufspendler berücksichtigt werden, sodass Mitversor­gungseffekte durch die angrenzenden Planungsbezirke eingerechnet werden können.

Basisleistungen definieren

Um Ärzte besser verteilen zu können, sollte „stärker als bisher“ definiert werden, „welche Basisleistungen ein Arzt einer Arztgruppe in der Grundversorgung abdecken sollte“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Dabei könnten Quotenregelungen helfen, „unterschiedlichen Versorgungsangeboten und Subspezialisierungen auch bei anderen Arztgruppen Rechnung zu tragen.“

Die Gutachter plädieren auch für Subspezialisierungen bei den Internisten – ein Vorschlag, der auch der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken vor einiger Zeit äußerte, bislang beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium aber auf Ablehnung gestoßen ist. In dem Gutachten wird vorgeschlagen, Subspezialisierungen nicht kleinräumig vorzunehmen, sondern eher „eine Planung auf Ebene der Raumordnungsregionen für größere Spezialisierungen der Fachinternisten und auf Ebene der KVen für kleinere Fächer“ anzustreben.

Ermessenspielraum einräumen

Dazu gehört auch, dass die Gutachter dafür plädieren, den Versorgungsaufwand von niedergelassenen Ärzten besser berechnen zu können. Da „keine allgemeingültigen Richtlinien für die Codierung von Krankheiten existieren, muss der dokumentierende Vertragsarzt Entscheidungen innerhalb seines Ermessenspielraums treffen.“ Dies sei so abhängig „von Gewohnheiten und Erfahrungen“ und variiere so auch regional.

Daher das Plädoyer: „Zur Stärkung der Datengrundlage zur Berechnung bedarfs­gerechter Verhältniszahlen empfehlen die Gutachter Richtlinien, welche die Codierqualität ambulanter Diagnosen verbessern.“ In den bislang vorliegenden Abrechnungsdaten von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie auch Daten von Krankenkassen sind keine sozioökonomischen Informationen der Patienten erfasst.

Kritik am fehlenden übergreifenden Monitoring

Um auch mit diesen Daten besser den Bedarf an Ärzten feststellen zu können, empfehlen die Gutachter ähnlich den Daten im Risiko­struk­tur­aus­gleich „samt georeferenzierter Diagnosedaten mit Bezug zum Patientenwohnort und Angaben zum Betätigungsstatus der Mitglieder für die Zwecke der Bedarfsplanung zu verwenden.“ Bislang werden die Daten aus dem Risiko­struk­tur­aus­gleich nur für die Finanzströme zwischen den einzelnen Krankenkassen verwendet.

Die Gutachter kritisieren, dass es bundesweit kein „übergreifendes Monitoring“ über die Anwendung der Instrumente der Bedarfsplanung gibt. Offenbar gibt es auch keinen Austausch zwischen den regionalen Planern sowie den beteiligten Akteuren, welche Möglichkeiten der Bedarfsplanung sinnvoll sind. Insgesamt plädieren die Gutachter dafür, dass es neben den regionalen Besonderheiten auch „bundesweit erfassbare Indikatoren“ geben sollte, „um deutschlandweit ungleichen Standards im Zugang zur Versorgung zu vermeiden“.

Bewerbung auf 1,25 Sitze

Dabei fordern sie auch, dass in Regionen, die aufgrund der demografischen Entwick­lung einen Rückgang der Bevölkerung verzeichnen und somit keine stabile Planung erfolgen kann, „alternative Modelle oder zeitlich befristetet Versorgungsaufträge“ erteilt werden. Dazu gehört auch die „Delegation von Leistungen und Kompensation von Leistungen zwischen Arztgruppen“, wie ein weiteres Kapitel überschrieben ist. Darin wird empfohlen: „Hausärzte sollen sich in unterversorgten oder von Unter­versorgung bedrohten Regionen statt nur auf einen Sitz künftig auf 1,25 Sitze bewerben können, wenn sie durch mindestens einen Anteil von 0,5 Vollzeitkraft nichtärztliche Praxisassistenten unterstützt werden.“

Das Gutachten ist Teil der aktuellen Reformphase der Bedarfsplanung. Bereits 2012 hatte der Gesetzgeber dem G-BA den Auftrag erteilt, bei der Festlegung der Verhältnis­zahlen von Bevölkerung und Ärzten neben den demografischen Entwicklungen auch die Sozial- und Morbiditätsstruktur zu berücksichtigen. Eigentlich hätte ein Beschluss zum 1. Januar 2017 vorliegen sollen. Dieser hatte sich aber verzögert – das jetzt vorgelegte Gutachten soll die fehlende Methodik empfehlen. Bislang sei geplant, bis Ende 2018 die Ergebnisse des Gutachtens in den Gremien des G-BA zu beraten. © bee/aerzteblatt.de

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lampros
am Sonntag, 13. Mai 2018, 22:32

Gutachten online stellen

Sehr geehrte Redaktion,

könnten Sie bitte das Gutachten online stellen?
Vielen Dank.
Grüße
Kampouridis, Kinderarzt Baldham

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