NewsMedizinStudie: Häufiger Saunabesuch schützt Finnen vor Schlaganfall
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Häufiger Saunabesuch schützt Finnen vor Schlaganfall

Freitag, 4. Mai 2018

/Kzenon, stockadobecom

Kuopio – Finnische Männer und Frauen, die mehrmals in der Woche in die Sauna gehen, erleiden einer prospektiven Kohortenstudie in Neurology (2018; doi: 10.1212/WNL.0000000000005606) zufolge seltener einen Schlaganfall.

Der Besuch einer finnischen Sauna kann durchaus Herz und Kreislauf beanspruchen. Der Körper reagiert auf die Hitze mit einer vermehrten Hautdurchblutung, die durch eine Erhöhung des kardialen Schlagvolumens sichergestellt wird. Während eines Saunagangs kann der Puls deutlich ansteigen. Beim Blutdruck ist sowohl ein Anstieg als auch ein Abfall möglich.

Anzeige

Nach dem Abkühlen normalisieren sich Puls und Herzfrequenz rasch wieder. Bei Menschen mit vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System kommt es nach dem Saunagang sogar zu einer vorübergehenden Senkung des Blutdrucks und einer Entspannung der Blutgefäße, wie ein Team um Jari Laukkanen von der Universität von Ost-Finnland in Kuopio kürzlich in einer experimentellen Studie an 102 Teilnehmern mit einem oder mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren zeigen konnte.

Nach einem 30-minütigen relativ milden Saunagang (Dauer: 30 Minuten, Temperatur: 73 °C, Luftfeuchtigkeit: 10 bis 20 %) verminderte sich die Pulswellengeschwindigkeit von 9,8 auf 8,6 m/s, der mittlere systolische Blutdruck sank von 137 auf 130 mmHg und der diastolische Blutdruck sank von 82 auf 75 mmHg (Journal of Human Hypertension 2018; 32: 129–138).

Diese Effekte könnten erklären, warum der häufige Besuch der finnischen Sauna bei den Teilnehmern der Kuopio-Ischaemic-Heart-Disease-Risk-Factor-Studie mit einer niedrigeren Rate von Hochdruckerkrankungen und kardiovaskulären Todesfällen verbunden war, wie Laukkanen in früheren Studien zeigen konnte (JAMA Internal Medicine 2015; 175: 542–548).

Jetzt hat der Epidemiologe den langfristigen Einfluss von Saunagängen auf die Häufigkeit von Schlaganfällen untersucht. Die Analyse umfasst 1.628 Männer und Frauen, die zu Beginn der Studie zwischen 53 und 74 Jahre alt waren. In den 14,9 Jahren der Nachbeobachtung ist es zu 155 Schlaganfällen gekommen.

Bei den Finnen, die nur einmal in der Woche die Sauna besuchten, kam es zu 8,1 Schlaganfällen pro 1.000 Personenjahre. Unter den Finnen, die2- bis 3-mal pro Woche saunierten, kam es zu 7,4 Schlaganfällen pro 1.000 Personenjahre und bei den Finnen, die auf 4 bis 7 Saunagänge die Woche kamen, waren es nur 2,8 Schlaganfälle pro 1.000 Personenjahre.

Für die häufigsten Saunabesucher ermittelt Laukkanen eine Hazard Ratio von 0,38 (95-%-Konfidenzintervall 0,18 bis 0,81). Das Risiko war also um 62 % vermindert. Die Analyse berücksichtigt eine Reihe von Störgrößen wie Alter, Geschlecht, Diabetes, Body-Mass-Index, Blutfette, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und sozioökonomischen Status. Die Assoziation war bei Männern und Frauen gleich stark.

In der Gruppe mit 2 bis 3 Saunagängen pro Woche war das Risiko nur leicht um 12 % gesenkt. Für eine protektive Wirkung wären demnach häufigere, wenn nicht sogar tägliche Saunabesuche erforderlich. Es ist durchaus möglich, dass eine niedrigere „Dosis“ ausreichen könnte. In der Studie fehlte eine Vergleichsgruppe ohne Saunabesuch. Eine solche Gruppe gab es nicht, da in Ostfinnland praktisch alle erwachsenen Finnen regelmäßig die Sauna besuchen. Der Besuch der Sauna ist dort ein fester Bestandteil des Lebensstils. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Dezember 2018
Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr 8,1 Millionen Menschen mit präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen erreicht. Das sind so viele wie nie zuvor, wie es im
GKV-Spitzenverband mit Rekordausgaben für präventive Maßnahmen
4. Dezember 2018
Magdeburg – Die IKK gesund plus übernimmt künftig für Aphasiepatienten die Kosten für eine neue digitale Unterstützung. Mit einer durch das Unternehmen Neolexon entwickelten App für Logopädie können
IKK gesund plus setzt auf Sprachtherapie-App für Aphasie-Patienten
3. Dezember 2018
Dresden – Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet Schlaganfallpatienten und deren Angehörigen ein neues Beratungsangebot zu sozialrechtlichen und psychosozialen Fragen. Dabei handelt
Beratungsangebot für Schlaganfallpatienten in Dresden
29. November 2018
Erfurt – Barmer, AOK Plus und das Thüringer Ge­sund­heits­mi­nis­terium wollen die Prävention und die betriebliche Gesund­heits­förder­ung besonders in kleinen und mittleren Unternehmen verbessern. Eine
Betriebliche Gesundheitsförderung soll in Thüringen ausgebaut werden
26. November 2018
Helsinki – Das Screening mit einem Guajak-basierten Stuhlbluttest hat in Finnland zur häufigeren Diagnose von Darmkrebserkrankungen im linken Kolon geführt. Der Vorteil war laut einer randomisierten
Darmkrebs-Screening: Stuhltest senkt Sterberate nur bei Männern mit linksseitigem Darmkrebs
23. November 2018
Seoul – Nach Krebserkrankungen und Todesfällen unter hunderten Arbeitern in seinen Chip- und Display-Fabriken hat sich der Technologieriese Samsung heute offiziell entschuldigt. Firmenpräsident Kim Ki
Samsung entschuldigt sich für Todes- und Krankheitsfälle
21. November 2018
Berlin – Auf die große Bedeutung der Prävention von Lebererkrankungen hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hingewiesen. „Viele Leberkrankheiten sind im Frühstadium gut behandelbar. Wer seine Leberwerte
VG WortLNS LNS
Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER