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Medizin

Neurodermitis: „Mikrobiom“-Spray lindert Ekzeme in Studie

Dienstag, 8. Mai 2018

/dpa

Bethesda/Maryland – Das Auftragen von Hautbakterien gesunder Spender auf die ekzematöse Haut hat in einer ersten klinischen Studie an Erwachsenen und Kindern mit Atopischer Dermatitis (Neurodermitis) zum Abklingen der Hautentzündung geführt, wie ein Forscherteam in JCI Insight (2018; 3: e120608) berichtet.

Die Ursachen der Atopischen Dermatitis (AD), an der jedes fünfte Kind erkrankt und von denen sich die meisten später von selbst erholen, sind nicht bekannt. Seit einigen Jahren wird jedoch vermutet, dass eine Störung der Hautflora, Dysbiose genannt, die Entzündungen anstoßen könnte. Die Folge ist eine Barrierestörung der Epidermis und eine Austrocknung der Haut. Sie löst einen heftigen Juckreiz aus, der wiederum die Betroffenen dazu verleitet, die Haut aufzukratzen.

Seit Längerem ist bekannt, dass es auf der Haut von Patienten mit AD zu einer Störung der Hautflora kommt. Ein Kennzeichen ist die Vermehrung von Staphylococcus aureus, die als ein möglicher Auslöser der AD gelten. Durch eine topische oder sogar systemische Behandlung mit Antibiotika lässt sich diese Dysbiose nicht dauerhaft kurieren. 

Ian Myles vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda/Maryland und Mitarbeiter sind überzeugt, dass die Vermehrung von St. aureus nicht das einzige Problem ist. Die Forscher haben deshalb die Hautflora von Patienten mit AD und Gesunden verglichen. In einer früheren Publikation haben sie bei vielen Patienten mit AD einen Mangel von gram-negativen Bakterien auf der Haut nachgewiesen. Vor allem eine Spezies, die erst vor wenigen Jahren charakterisierte Roseomonas mucosa, scheint auf der Haut von Patienten mit AD zu fehlen (JCI Insight 2016; 1: e86955).

Dies führte zu der Idee, Patienten mit AD mit einem Hautspray zu behandeln, um das fehlende Bakterium aufzutragen und die Hautflora zu normalisieren. Die Forscher isolierten zunächst R. mucosa von der Haut dreier gesunder Spender und vermehrten die Bakterien dann in Kulturen. Nachdem die FDA einer Studie zugestimmt hatte, wurden zunächst 10 Erwachsene behandelt. Die Probanden trugen die Bakterien zweimal pro Woche über 6 Wochen mit einem Spray auf ihre Ekzeme in der Ellenbeuge auf. Nachdem keine Sicherheitsprobleme auftraten, wurden auch 5 Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren behandelt. Diese sprühten die Bakterien zweimal die Woche über 12 Wochen auf alle entzündeten Hauptstellen.

Da die BACTERiAD-I/II-Studie keine Placebo-Gruppe hatte, lässt sich die Wirksamkeit der Therapie derzeit nicht beurteilen. Laut Myles ist es jedoch bei 4 der 5 Kinder und bei 6 der 10 Erwachsenen zu einer Verbesserung der atopischen Dermatitis um mehr als 50 Prozent im SCORAD (Score of Atopic Dermatitis) gekommen. Die Behandlung senkte den Bedarf an topischen Steroiden und auf der Haut ist es laut Myles zu einem Rückgang von St. aureus gekommen. Die Studie ist derzeit noch nicht abgeschlossen, und die Entscheidung über eine Anschlussstudie (mit Vergleichsgruppe) ist noch nicht gefallen.

Ein Erfolg der Behandlung in einer kontrollierten Studie wäre ein Beweis für die Hypothese, dass eine Dysbiose mit einem Mangel an R. mucosa ein Auslöser der Atopischen Dermatitis ist. Dies hätte unter Umständen Auswirkungen auf andere topische Behandlungen. Die Forscher konnten nämlich zeigen, dass einige Parabene das Wachstum von R. mucosa hemmen. Parabene sind ein häufig verwendetes Konservierungsmittel in Hautcremes und Emollienten (Feuchtigkeitscremes), die AD-Patienten anwenden. Auch hier dürften noch weitere Untersuchungen erforderlich sein, bevor die Empfehlungen überdacht und Behandlungsleitlinien überarbeitet werden müssen. © rme/aerzteblatt.de

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