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Ärzteschaft

Einführung der Telematik­infra­struktur hakt weiterhin

Montag, 7. Mai 2018

Thomas Kriedel /Gebhardt

Erfurt – Die Einführung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) in den Praxen geht nur langsam voran. „Ich kann Ihnen berichten, dass sich bisher circa 15.000 Praxen an die TI angeschlossen haben. Das sind ausnahmslos Kunden des Marktführers für Praxisverwaltungssysteme“, erläuterte Thomas Kriedel aus dem Vorstand der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung (KBV) heute auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Organisation in Erfurt.

Der Grund dafür sei technischer Natur, denn „nur der Marktführer kann überhaupt Konnektoren für die TI anbieten“, so Kriedel. „Die anderen Hersteller stehen in den Startlöchern und beabsichtigen in den nächsten Wochen beziehungsweise Monaten an den Markt zu gehen. So zumindest die Verlautbarungen“, betonte er. Wie der Markt ab dem dritten Quartal tatsächlich aussehen werde, könne man nicht vorhersagen. Fakt sei, dass über die Hälfte der Mitglieder – Stand heute – keine TI-Komponenten kaufen, geschweige denn installieren lassen kann.

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Finanzierungssituation weiterhin unklar
Ein weiteres Problem ist Kriedel zufolge die noch immer unklare Finanzierungssituation. „Nach heutigem Kenntnisstand werden die Erstattungsbeträge ab dem dritten Quartal nicht kostendeckend sein. Das bedeutet, dass die Preise der TI-Konnektoren nicht in dem Maße fallen, wie in der Finanzierungsvereinbarung angenommen“, so der KBV-Vorstand.

Damit die Praxen nicht auf den Kosten sitzenbleiben, hat die KBV bereits im April das Schiedsamt angerufen. „Mein Standpunkt ist klar: Unsere Mitglieder dürfen keine finanziellen Nachteile haben. Denn das Gesetz sagt ausdrücklich, dass den Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten die Kosten für die TI-Ausstattung von den Kassen zu ersetzen sind“, betonte Kriedel. Den Praxen rät er: „Unterschreiben Sie nur Angebote, die Ihnen Preise garantieren, die von der Finanzierungsvereinbarung gedeckt sind!“

Industrie und die Kassen in der Verantwortung

Kriedel betonte, „am KV-System und auch an den Praxen liegt es nicht, dass die TI so schwer ans Laufen kommt!“ Hier seien „eindeutig die Industrie und die Kassen in der Verantwortung. Und auch die Politik. Der Minister sollte die Sanktionsfrist um ein halbes Jahr verlängern“, so seine Forderung.

Zu dem Thema elektronische Patientenakte (ePA) betonte Kriedel: „Interoperabilität ist das A und O einer digitalen Vernetzung im Gesundheitsbereich!“ Daher sollte die Selbstverwaltung die Schnittstellen und Standards definieren, „am besten durch die KBV und GKV-Spitzenverband im Bundesmantelvertrag“, so Kriedel. „Ich meine damit unter anderem die Standards für den Arztbrief, die bildgebenden Verfahren oder die Labordaten“, sagte er.

Auch bei den Inhalten wolle die KBV mitreden. Dafür habe man eine Arbeitsgruppe gegründet, für die die KVen Mitglieder benennen sollen. „Dort werden wir uns intensiv abstimmen, um die Realitäten des Praxisalltags besser aufgreifen zu können", erklärte Kriedel. "Wesentlich ist, dass die ePA eine revisionssicher geführte Akte sein muss." Damit der Patient eine Zugriffsberechtigung ohne den Arzt hat, sowie Inhalte ergänzen und verbergen kann, müsse klar geklärt werden, dass der Arzt dafür nicht in Haftung genommen wird.

Insellösungen darf es nicht geben

Nötig seien auch Vorgaben, wie künftige Anwendungen eingebunden werden: e-Impfpass, e-Entlassbrief und andere. „Dafür wollen wir direkt mit dem GKV-Spitzenverband verhandeln und weitere Partner der gemeinsamen Selbstverwaltung ins Benehmen setzen“, so der KBV-Vorstand. Er betonte, „um das tun zu können, braucht die KBV vom Gesetzgeber die Kompetenz. Und zwar die primäre Kompetenz, die Standards an den Schnittstellen zu definieren.“

Kriedel erteilte Forderungen, die gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der elektronischen Gesundheitskarte aufzulösen und das Projekt „elektronische Gesundheitskarte“ (eGK) einzustampfen ein klare Absage. „Mit der eGK haben wir einen Sicherheitsanker für die digitale Kommunikation, um den uns viele andere Branchen und Länder beneiden. Einfach deswegen, weil sich jeder mit jedem sicher miteinander vernetzen kann“, betonte er.

Kriedel kündigte an, dass die nächsten Entwicklungsschritte nun mobile Anwendungen seien. Da die gematik keine Lösungen dafür parat habe, „entwickeln wir, bis es soweit ist, mit KV-Connect Mobile eine gängige Alternative", so das KBV-Vorstandsmitglied. Dabei sollen beispielsweise elektronische Arztbriefe aus dem Softwaresystem der Praxis an mobile Endgeräte gesendet werden. „So können Ärzte untereinander, Ärzte mit einer nichtärztliche Praxisassistentin und Ärzte mit ihren Patienten sicher kommunizieren." 

Qualitätsmanagement erfolgreich

In seiner Rede vor der VV ging Kriedel auch auf die Ergebnisse einer Stichproben­prüfung zum Qualitätsmanagement (QM) ein. „Die allermeisten Praxen setzen die QM-Methoden und Instrumente ein, da gibt es keinerlei Unterschiede zwischen den KV-Regionen“, so sein Fazit. 

Die Stichprobenprüfung zum Umsetzung von QM in den Praxen hatten die KVen für das Berichtsjahr 2017 durchgeführt. 2,5 Prozent der Mitglieder wurden zufällig ausgewählt und gebeten, entsprechende Fragebögen zu beantworten. Der Rücklauf lag bei 97 Prozent. „Ich finde, das sind hervorragende Ergebnisse. Wir sollten diese Stärke des ambulanten Systems mehr zeigen und kommunizieren“, sagte Kriedel. „Das KV-System ist besser, als es sich darstellt“, so sein Fazit. 

Die VV der KBV fand heute am Vortag der Eröffnung des Deutschen Ärztetages in Erfurt statt. © hil/bee/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Dienstag, 8. Mai 2018, 15:15

Es ist ja nicht politisch korrekt, andere Zeitschriften zu zitieren, aber...

in der änd stand ein bericht über Jens Spahns Aussage, die Chip
karte sei nicht mehr zeitgemäß.

https://www.aend.de/article/186952?utm_source=Abendnachrichten_2018-05-07&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Politiknachrichten

Und dann wollen uns unsere Standesvertreter und die Leihmäuiler in der Gematik weiter erzählen, man soll sich an Konnektoren mit einer archaischen Zwei-Schlüssel-Lösung beteiligen, die nur dazu dient, monatliche Gebühren für Ausweise und Zertifikate zu bezahlen?
Meine Patienten bekommen längst ihre Daten auf einen USB-Stick oder nach alter Väter Sitte als Fotokopie. Aber mal ehrlich, wieviele Patienten sind das denn? Ich kann ihre Zahl nur in Promill ausdrücken, weit weg von auch nur einem Prozent.

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