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Ärzteschaft

Marburger Bund lehnt Staatsexamen für Ärzte aus Drittstaaten ab

Montag, 7. Mai 2018

/Robert Kneschke, stock.adobe.com

Erfurt – Die Forderung, dass Ärztinnen und Ärzte aus Staaten außerhalb der Euro­päischen Union (EU) das medizinische Staatsexamen ablegen müssen, bevor sie in Deutschland ärztlich tätig werden dürfen, lehnt der Marburger Bund (MB) ab. Es sei nicht verhältnismäßig, die Qualifikation von ausländischen Ärzten generell infrage zu stellen, hieß es gestern bei der Haupt­ver­samm­lung des MB von den Gegnern dieses Vorschlags.

Die Delegierten forderten stattdessen nach kontroverser Diskussion die Bundesländer auf, die zentrale Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) auszubauen. Die GfG solle künftig alle Anträge ausländischer Ärzte auf Anerkennung der Gleichwertigkeit ihrer Berufsqualifikation aus sogenannten Drittstaaten annehmen und bescheiden. Dies soll insbesondere die Prüfung der Echtheit der eingereichten Unterlagen und die Bewertung der Berufserfahrung umfassen.

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Einheitliches Prüfsystem gefordert

Die derzeitige Verfahrenspraxis bei den zuständigen Länderbehörden sei zu unein­heitlich und zu bürokratisch. „Will Deutschland ausländische Ärzte gewinnen und langfristig binden, muss endlich ein einheitliches, effizientes und transparentes Prüfsystem etabliert werden, das eine gute medizinische Versorgung durch ausländische Ärztinnen und Ärzte sicherstellt und ihnen mehr Rechtssicherheit bietet“, heißt es in dem Beschluss der Haupt­ver­samm­lung.

Außerdem forderte der MB die Länder auf, dafür zu sorgen, dass ausländische Ärzte, die zum Nachweis ihrer Qualifikation eine Kenntnisprüfung ablegen müssten, einen Termin innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von sechs Monaten erhalten. Zurzeit müssten viele bis zu einem Jahr auf einen Prüfungstermin warten.

MB stellt sich gegen Forderungen der Bundes­ärzte­kammer

Der MB stellt sich mit seinem Beschluss gegen Forderungen der Bundes­ärzte­kammer. Deren Vorstand wird dem Deutschen Ärztetag, der morgen in Erfurt beginnt, einen Antrag vorlegen, in dem der Gesetzgeber aufgefordert wird zu regeln, dass alle Ärzte aus Drittstaaten das medizinische Staatsexamen ablegen müssen, wenn sie in Deutschland tätig werden wollen.

Das derzeitige Anerkennungsverfahren stelle nicht sicher, dass diese über dieselben Kompetenzen verfügten wie Ärzte, die in Deutschland ausgebildet wurden, heißt es zur Begründung. Insbesondere sei die Echtheit der vorgelegten Zeugnisse häufig schwer zu bestimmen.

Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker bekräftigte den Vorstoß heute. „Wir reden hier über Patientensicherheit und Patientenschutz, da lasse ich keine Abstriche zu“, sagte Wenker, die auch Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer ist. „Wir fordern eine theoretische und praktische Prüfung analog zum zweiten und dritten Teil des Staatsexamens.“

Aktuelle Zahlen

Bundesweit hat sich die Zahl der ausländischen Ärzte binnen sieben Jahren mehr als verdoppelt. 2016 zählte die Bundes­ärzte­kammer 41.658 berufstätige ausländische Ärzte. Wer innerhalb der EU ein Medizinstudium absolviert hat oder als Arzt anerkannt wurde, bekommt die Approbation in Deutschland automatisch.

Bisher sind die Approbationsbehörden der Bundesländer für die Zulassung von Ärzten aus Nicht-EU-Ländern zuständig. Beim derzeitigen Verfahren seien die Echtheit vorgelegter Diplome und Zeugnisse und ihre Beweiskraft vielfach nicht abschließend zu bestimmen, heißt es dem Antrag. Dennoch werde überwiegend allein nach Papierform über die Zulassung entschieden, kritisierte Wenker. „Das ist ein echter Anerkennungstourismus inzwischen.“ Manche ausländischen Ärzte reichten mit Hilfe von Agenturen ihre Papiere gleich in mehreren Bundesländern ein.

Der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung (Nizza) sei zu schwerfällig, sagte der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhaus­gesellschaft, Helge Engelke. Die Prüfung dauere zu lange. Grundsätzlich sei es richtig, auf die Qualität der Ärzte zu achten. Allerdings dürfe mit dem deutschen Staatsexamen keine zusätzliche Hürde für ausländische Ärzte eingebaut werden. „Es ist hinter­fragenswürdig, wenn jemand, der schon 20 Jahre Chefarzt in Dubai gewesen ist, hier noch einmal die Schulbank drücken soll.“

Bei der MB-Haupt­ver­samm­lung hatte dagegen gestern MB-Vorstand Hans Albert Gehle zu bedenken gegeben, dass es Probleme mit gefälschten Zeugnissen vor allem bei Angehörigen aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien gebe. Deren Diplome würden aufgrund europarechtlicher Regelungen automatisch anerkannt. © HK/dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #747686
Janet Menkis
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 21:40

Statistik

Wieso, wenn bei ausländischen Ärzten alles schlecht ist, zeigt die Statik das Gegenteil.
Es ist sehr enttäuschend, wenn der Chef der Ärztekammer nicht nach Fakten, sondern nur nach Emotionen arbeitet. Sie haben Angst vor Zahlen, denn in den entwickelten Ländern operieren Ärzte nach Statistiken und nicht nach Klatsch und Tratsch.

Die Schlichtungsstellen und Gutachter der Bundesärztekammer (BÄK) haben im vorigen Jahr 2213 Behandlungsfehler gezählt. Im Vergleich zu 2016 mit 2245 Fällen blieb die Gesamtzahl damit beinahe gleich.
Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern bestätigten demnach 2132 Behandlungsfehler fürs Jahr 2015. In 1774 Fällen haben Patienten dadurch einen Gesundheitsschaden erlitten, der einen Anspruch auf Entschädigung begründet. 2014 waren rund 2250 Behandlungsfehler registriert worden.

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