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Ärzteschaft

Nachwuchsärzte wollen Berufszufriedenheit nachhaltig verbessern

Montag, 7. Mai 2018

Hohe Beteiligung, rege Diskussionen beim Dialogforum der Bundes­ärzte­kammer. /DÄ

Erfurt – Junge Ärztinnen und Ärzte starten in den Beruf häufig mit idealistischen Vorstellungen, die dann in der Praxis teilweise nicht standhalten und zu Unzufrie­denheit führen. „Nach dem langen Studium ist man einfach zu wenig Arzt“, brachte es Katharina Thiede auf den Punkt. Die Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin in Berlin und Mitglied der Fraktion Gesundheit der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin analysierte beim „Dialog mit jungen Ärztinnen und Ärzten“ in Erfurt im Vorfeld des morgen beginnenden 121. Deutschen Ärztetages (DÄT) die Situation vieler junger Kollegen.

Ökonomische Restriktionen und bürokratische Vorgaben ließen diesen zu wenig Zeit für die Versorgung der Patienten, die entlassen oder „verschoben“ würden. „Man ist Teil der Drehtür. Das macht unzufrieden“, beklagte sie. Mit Sorge um die Zukunft der Medizin in den deutschen Kliniken verwies Thiede zudem auf die zunehmende Arbeitsverdichtung im Gesundheitssystem und die nach ihrer Ansicht „bedenklichen Auswirkungen“ auf die Patientenversorgung und den Arztberuf.

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Ärzte dürfen nicht zum Renditefaktor verkommen. Katharina Thiede, Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin

„Ärzte dürfen nicht zum Renditefaktor verkommen“, warnte die Ärztin. „Wir sind Leistungserbringer, nicht Diagnosesondierer und Kostenfaktoren!“ Neben einer zunehmenden Öko­nomi­sierung der Medizin seien aber auch eine unstrukturierte Weiterbildung sowie eine mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie Kritikpunkte der jungen Ärztegeneration, denen sich die Ärzteschaft widmen müsse, ergänzte Thiede.

Neu sind die Probleme nicht: Bereits bei einem Satellitensymposium im Vorfeld des 119. Deutschen Ärztetag (DÄT) in Hamburg vor zwei Jahren verwiesen Nachwuchsärzte vieler Fachgruppen auf sie hin. Mittlerweile sind sie durch verschiedene Studien, Befragungen und Erhebungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, des Marburger Bundes sowie des Hartmannbundes zur beruflichen Belastung belegt.

Der 120. DÄT in Freiburg beschloss deshalb, das Thema ausführlich in diesem Jahr in Erfurt zu diskutieren „Das Image des kurativ tätigen Arztes sinkt durch die Verschlechte­rung der Arbeitsbedingungen – dies macht sich unmittelbar durch mangelnden Ärztenachwuchs bemerkbar“, heißt es im Beschluss der Delegierten des vergangenen Jahres.

Interaktiven Dialog

Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen organisierten deshalb den Austausch mit jungen Ärztinnen und Ärzten im Rahmen eines interaktiven Dialogs. Nach Erfurt kamen Ärzte in Weiterbildung aus ganz Deutschland und beteiligten in einem übervollen Saal rege an den Diskussionen.

Man wolle den Austausch der Ärztekammern mit der jungen Ärztegeneration zu fördern, Perspektiven aufzuzeigen und gemeinsam berufspolitische Themen und Thesen zu diskutieren“, erklärte Ellen Lundershausen, Präsidentin der Ärztekammer Thüringen. „Wir brauchen den Kontakt in die jüngere Ärzteschaft. Denn wir haben in Deutschland über die Ärztekammern die einzigartige Möglichkeit, unseren Beruf mitzugestalten“, betonte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, zur Eröffnung der Dialogveranstaltung. „Dies wollen wir an Sie weitergeben.“

Dinosaurier diskutiert mit jungen Ärzten

In einem Streitgespräch diskutierte Thiede mit einem Vertreter der älteren Ärzte­generation, einem Dinosaurier, wie er sich selbst nannte:  Jakob R. Izbicki, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Eppendorf Hamburg. „Ich bin ein klarer Befürworter von hierarchischen Strukturen“, betonte dieser.

Gerade in der Chirurgie seien sie unersetzlich. Wenig hält Izbicki auch von einer reduzierten Wochenarbeitszeit: „Ich hasse Fließbandmedizin“, sagte er. Wenn er einen Patienten operiere, wolle er diesen auch über die gesamte Zeit betreuen und nicht an einen Kollegen übergeben. „Stellen sich Komplikationen ein, muss man eben auch nachts wieder selbst in die Klinik – das erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern.“

Lösung Subspezialisierungen

Dass eine solche Arbeitsweise nicht familienfreundlich ist, negierte der Chirurg nicht: „Man kann nicht ein exzellenter Arzt und gleichzeitig ein guter Vater oder eine gute Mutter sein“, sagte er. Die Lösung für diese Problematik sei aber möglicherweise die Tätigkeit in Subspezialisierungen. „Junge Ärzte müssen entscheiden, was sie für ihre Zufriedenheit brauchen.“ 

Darüber, wie sich die Berufszufriedenheit nachhaltig verbessern lässt, diskutierten am Nachmittag zwei Nachwuchsärzte. Florian Vollrath, Arzt in chirurgischer Weiterbildung am Helios Park-Klinikum Leipzig, berichtete von der Initiative der Arbeitsgemeinschaft Zukunft in der Chirurgie.

„Wir wollen optimale Arbeitsbedingungen, um den Ansprüchen der Hochleistungs­medizin gerecht zu werden“, sagte er. Mehr als die Hälfte der durch die Arbeits­gemeinschaft befragten Assistenzärzte habe noch immer keine strukturierte Weiterbildung. „Wir wünschen uns eine verbesserte Weiterbildungskultur auf allen Ebenen“, betonte er. Insbesondere nötig seien eine Ausbildungsverbesserung im OP, verlässliche Assistentenrotationen, Mentorenprogramme, flexible Arbeitszeiten sowie vernetzte Besprechungen.

Problem: Gewinnmaximierung

Momentan sei das Gesundheitswesen jedoch hauptsächlich von Gewinnmaximierung getrieben, konstatierte Leonor Heinz. „Damit identifizieren wir uns nicht“, betonte sie. Dies führe zu der zunehmenden Berufsunzufriedenheit und auch zu einer Lustlosigkeit, sich berufspolitisch zu engagieren.

Die Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin in Berlin und Sprecherin des Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband, nahm dabei auch auf die Bedingungen in der ambulanten Versorgung Bezug. Auch hier verursache der ökonomische Druck Ängste vor einer eigenen Niederlassung. Wie Nachwuchsärzte zu mehr Berufszu­friedenheit gelangen könnten – sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich – ist für sie klar: „Der Schlüssel liegt in der Identifikation mit unserer guten Arbeit.“ © ER/aerzteblatt.de

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