NewsMedizinWarum in England die Kindersterblichkeit höher ist als in Schweden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Warum in England die Kindersterblichkeit höher ist als in Schweden

Mittwoch, 9. Mai 2018

/dpa

London – Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren treten in England eineinhalb Mal häufiger auf als in Schweden. Das ergab ein Ländervergleich der Kindersterblichkeit mit mehr als 3,9 Millionen englischen Geburten und einer Million schwedischen Geburten, veröffentlicht in The Lancet (2018; doi: 10.1016/S0140-6736(18)30670-6).

Der Unterschied sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Kinder in England typischerweise bei der Geburt weniger wiegen, früher geboren werden und mehr Geburtsanomalien wie angeborene Herzfehler haben als in Schweden, berichten die Wissenschaftler um Hauptautorin Ania Zylbersztejn vom Institute of Child Health, London. 

Anzeige

Daten des NHS und schwedischen Gesundheitsdienstes

Die Studie verwendete routinemäßig gesammelte medizinische Daten des englischen National Health Service und des schwedischen Gesundheitsdienstes, um Geburten von 2003 bis 2012 zu vergleichen und die Gesundheits- und Sterberegister der Kinder bis zu ihrem 5. Geburtstag zu verfolgen.

Diese Aufzeichnungen enthielten Informationen über das Alter der Mutter, die sozioökonomische Lage der Familie, die Dauer der Schwangerschaft, das Geburtsgewicht des Kindes, das Geschlecht und ob sie Geburtsanomalien hatten. Insgesamt umfasste die Studie mehr als 3,9 Millionen englische Geburten, darunter 11.392 Todesfälle, und mehr als eine Million schwedische Geburten und 1.927 Todesfälle.

Ungleicher Wohlstand

Im Alter zwischen zwei Tagen und vier Jahren war die Kindersterblichkeitsrate in England eineinhalb Mal höher als in Schweden. Sie lag bei 29 Todesfälle pro 10.000 Kinder in England, gegenüber 19 Todesfällen pro 10.000 Kinder in Schweden.

Da das Vereinigte Königreich und Schweden ein ähnliches Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung und der allgemeinen Gesundheitsversorgung aufwiesen, meinen die Autoren, dass Schwedens niedrigere Sterblichkeitsraten innerhalb des Vereinigten Königreichs erreichbar sein sollten. Die ungleiche Verteilung des Wohlstands im Vereinigten Königreich führe jedoch zu einer schlechteren Gesundheit der Mütter während der Schwangerschaft, was wiederum dazu führe, dass mehr Babys vorzeitig und mit einem geringen Geburtsgewicht geboren würden.

Das Vereinigte Königreich hat laut den Autoren eine der ungleichsten Wohlstands­verteilungen aller westlichen Länder. In den Jahren 2003–2005 hatten die am stärksten benachteiligten 20 % der britischen Bevölkerung ein 7-mal niedrigeres Einkommen als die wohlhabendsten 20 %, während der Abstand in Schweden nur 4-mal so groß war. Dies deute darauf hin, dass mehr Menschen in England sozio­ökonomisch benachteiligt seien, was mit Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht, Geburtsanomalien und schlechter Gesundheit der Mütter einhergehe. 

Um diesen Problemen zu begegnen, schlagen die Autoren vor, bevölkerungsweite Programme zur Verbesserung der Gesundheit und der sozioökonomischen Situation von Frauen vor und während der Schwangerschaft zu entwickeln. 

„Diese Studie zeigt, dass die wichtigsten Erklärungen für die Unterschiede in der Kindersterblichkeit zwischen England und Schweden systemisch und außerhalb der Reichweite von Gesundheitsdiensten liegen. Zu den wichtigsten Faktoren zählen die umfassenderen Wohlfahrtsprogramme Schwedens, die den Familien seit über 50 Jahren ein wirtschaftliches Sicherheitsnetz bieten, das freie und zugängliche Bildungssystem, einschließlich der frühkindlichen Betreuung, und die öffentliche Gesundheitspolitik für viele Lebensstilfragen wie Fettleibigkeit, Rauchen und Alkoholkonsum“, sagte Anders Hjern, vom Karolinska Institute, Schweden. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #111366
simplicissimus500
am Freitag, 22. Juni 2018, 04:38

Wer hätte das auch gedacht?

"Um diesen Problemen zu begegnen, schlagen die Autoren vor, bevölkerungsweite Programme zur Verbesserung der Gesundheit und der sozioökonomischen Situation von Frauen vor und während der Schwangerschaft zu entwickeln."
Und wie sollte das gehen? Eine frau, die sich entschließt schwanger zu werden, bekäme Essensmarken vom Staat? Dass die Gier Einzelner den Wohlstand der Habenichtse schwächt, ist doch wohl eine Binsenweisheit.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Hamburg – Nach zweijähriger Arbeit hat eine Enquetekommission der Hamburgischen Bürgerschaft die Stärkung der Kinderrechte gefordert. Die Wahrung der Rechte von Kindern und Jugendlichen müsse die
Enquetekommission in Hamburg legt Bericht zu Kinderrechten vor
16. Januar 2019
Schwerin – Scheidungskinder leiden nach Datenerhebungen der Kaufmännischen Krankenkasse KKH häufiger unter Stresssymptomen als ihre Altersgefährten in intakten Familien. So klagten 26 Prozent der
Trennung der Eltern stresst Kinder erheblich
14. Januar 2019
Düsseldorf – Haben Kinder, die in der Nähe eines Atomkraftwerkes aufwachsen, ein höhere Risiko, an Leukämie zu erkranken? Das Bundesamt für Strahlenschutz unterstützt jetzt mit mehr als 850.000 Euro
Onkologen untersuchen Zusammenhang zwischen Atomkraftwerken und Leukämierisiko bei Kindern
11. Januar 2019
Mainz – Die Universitätsklinik Mainz erhält von den Krankenkassen nach eigenen Angaben deutlich zu wenig Mittel für die Versorgung von Kindern mit seltenen lysosomalen Speichererkrankungen. Die
Universitätsklinik Mainz kritisiert Unterfinanzierung bei Versorgung von Kindern mit seltenen Erkrankungen
9. Januar 2019
Leipzig – Wenn die Mutter gestresst ist, kann das zu Übergewicht bei den Kindern führen. Der empfundene Stress im ersten Lebensjahr des Kinds sei ein Risikofaktor für eine Übergewichtsentwicklung,
Stress bei Müttern kann zu Übergewicht bei Kindern führen
7. Januar 2019
Aarhus/Dänemark – Das als teratogen eingestufte Antikonvulsivum Valproinsäure erhöht offenbar auch das Risiko auf die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), wie eine
Valproinsäure in der Schwangerschaft kann ADHS beim Kind auslösen
3. Januar 2019
Köln – Zweisprachig aufwachsende Kinder brauchen länger, bis sie eine Sprache gut sprechen können, als Kinder, die nur mit einer Sprache aufwachsen. Darauf hat der Berufsverband der Kinder- und
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER