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Alkoholkonsum in Deutschland sinkt langsamer als in anderen Ländern

Mittwoch, 9. Mai 2018

/styleuneed, stockadobecom

Genf – Der Alkoholkonsum pro Kopf ist in Deutschland höher als im Durchschnitt der europäischen Länder und sinkt langsamer als bei vielen Nachbarn. Auch in den neuesten noch unveröffentlichten Erhebungen sei kein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen. Das hat Vladimir Poznyak von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) anlässlich des Vatertags in Deutschland erklärt.

Poznyak koordiniert das WHO-Programm für Suchtmittelmissbrauch. Die neuen Zahlen sollen im Herbst im „WHO-Statusreport Alkohol“ veröffentlicht werden. „Deutschland entwickelt sich nicht gemäß dem allgemeinen europäischen Abwärtstrend, und der Alkoholkonsum liegt über dem Durchschnitt“, sagte Poznyak. Er empfahl Maßnahmen wie: Mindestpreise festlegen, Reklame verbieten, wie bei Zigaretten auf Etiketten vor Gesundheitsschäden warnen und den Verkauf einschränken. „Ich halte Mindestpreise für eine sehr gute Idee“, sagte Poznyak.

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Beispiel Schottland

Er empfahl Schottland als Beispiel, das Alkohol zu Schleuderpreisen am 1. Mai per Gesetz verboten hat. Studien hätten gezeigt, dass der Alkoholkonsum tatsächlich dadurch sinke. Schottland sei die erste größere Region, die das flächendeckend eingeführt habe. In Schottland gilt nun ein Mindestpreis pro Alkoholeinheit (zehn Milliliter reinen Alkohols). Eine 0,7-Liter-Flasche Whiskey mit 40 Prozent Alkohol kostet nun umgerechnet mindestens 16 Euro, ein halber Liter Bier mit vier Prozent Alkohol mindestens 1,13 Euro.

Nach dem WHO-Statusreport Alkohol von 2014 tranken Deutsche über 15 Jahren 2010 noch durchschnittlich 11,8 Liter reinen Alkohols. Der Durchschnitt in Europa lag bei 10,9. Zehn Liter reinen Alkohols entsprechen etwa 200 Litern Bier, 90 Litern Wein oder 25 Litern Whisky.

In ihrer allgemeinen Gesundheitsstatistik verzeichnet die WHO bis 2016 für Deutsch­land einen Rückgang auf 11,4 Liter. Der Rückgang betrug damit in Deutschland zwischen 2010 und 2016 nur 3,4 Prozent. Höher war der Rückgang in Spanien (minus 17 Prozent), den Niederlanden (minus zwölf Prozent), Dänemark (minus elf Prozent), Irland (minus 8,5 Prozent), Russland (minus acht Prozent) und Frankreich (minus 4,1 Prozent).

In absoluten Zahlen tranken die Menschen in fast allen genannten Ländern weniger als die Deutschen: Die Spanier 9,2 Liter, die Niederländer 8,7, die Dänen 10,1 und die Iren 10,9 Liter. Die Franzosen lagen mit 11,7 Litern höher und auch die Russen mit 13,9 Litern. In einigen Ländern ging der Alkoholkonsum nach den WHO-Zahlen von 2010 bis 2016 nach oben: etwa in Österreich von 10,3 auf 10,6 Liter und in Großbritannien von 11,6 auf 12,3 Liter. © dpa/aerzteblatt.de

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