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Typ-1-Diabetes: Very-Low-Carb-Diät verbessert HbA1c-Werte

Dienstag, 8. Mai 2018

/luckybusiness, stockadobecom

Boston – Eine Gruppe von Typ-1-Diabetikern, die sich einer extrem kohlenhydratarmen Diät verschrieben hat, erreicht nach einer Studie in Pediatrics (2018; doi: 10.1542/peds.2017-3349) extrem günstige HbA1c-Werte. Die Patienten konnten die notwendige Insulindosis deutlich senken und Komplikationen vermeiden.

Die intensivierte Insulintherapie erlaubt Patienten mit Typ-1-Diabetes große Freiheiten in der Ernährung. Die Patienten dürfen heute so oft Pizza, Nudeln und Brot essen wie sie möchten, solange sie sich vor den Mahlzeiten die notwendige Menge Insulin injizieren. Der Diabetologe Richard Bernstein aus New York, der selbst als Kind am Typ-1-Diabetes erkrankt ist, propagiert in seinem Buch „Diabetes Solution“ einen radikalen Gegenentwurf. Er rät Typ-1-Diabetikern zu einer extrem kohlenhydratarmen Diät.

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Die Diät hat zahlreiche Anhänger, die sich unter anderem in der Facebookgruppe „TypeOneGrit“ austauschen. Die Endokrinologin Belinda Lennerz und der Ernährungs­wissenschaftler David Ludwig vom Boston Children's Hospital haben 493 Mitglieder von „TypeOneGrit“ kontaktiert. Insgesamt 316 Patienten, bei 130 Kindern die Eltern, füllten den Onlinefragebogen aus. Die Fragen betrafen die aktuelle Blutzucker­einstellung und die Ernährung.

Laut den Berechnungen von Ludwig verzehren die Teilnehmer im Durchschnitt nur 36 Gramm Kohlenhydrate am Tag. Das entspricht einem Anteil von 5 % und damit deutlich weniger als der Anteil von 45 %, den die American Diabetes Association derzeit empfiehlt. Der Fachverband betrachtet eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr für notwendig für die Entwicklung der Kinder.

Nach den Angaben der Teilnehmer der Facebookgruppe scheint die kohlenhydratarme Ernährung den jungen und erwachsenen Patienten jedoch nicht zu schaden. Die von den Patienten (oder Eltern) selbst mitgeteilten Parameter deuten auf eine sehr gute Stoffwechseleinstellung hin. Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c lag bei den Patienten, die im Durchschnitt seit 11 Jahren am Typ-1-Diabetes litten, bei durchschnittlich 5,67 % und damit deutlich unter der „Diabetesschwelle“ von 6,5 %. In den USA erreichen Menschen mit Typ-1-Diabetes und „normaler“ Ernährung in der Regel nur einen HbA1c-Wert von 8,2 %.

Da sie wenig Kohlenhydrate mit der Nahrung zu sich nehmen, müssen die Patienten relativ wenig Insulin spritzen. Die durchschnittliche Tagesmenge lag laut der Umfrage bei 0,40 U/kg (völlig auf Insulin verzichten können Menschen mit Typ-1-Diabetes natürlich nicht, da das Hormon zur Verteilung der Glucose auf die Zellen benötigt wird).

Die Risiken der extremen Diät scheinen überschaubar zu sein. Nur 7 der Befragten (2 %) waren im letzten Jahr wegen Diabeteskomplikationen im Krankenhaus behandelt worden, darunter waren 4 Patienten (1 %) mit Ketoazidose und 2 Patienten (1 %) mit Hypoglykämie.

Diese Zahlen beruhen allerdings sämtlich auf den Angaben der Patienten (oder ihrer Eltern), die bei ihrem (in den USA häufig von einem religiösen Sendungsbewusstsein geprägten) Enthusiasmus nicht unbedingt zutreffen müssen. Die Ergebnisse der Befragung sind aber so vielversprechend, dass die Autoren zu einer Überprüfung in einer klinischen Studie raten. © rme/aerzteblatt.de

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