NewsPolitikKriminalstatistik: Rörig fordert zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz im Netz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kriminalstatistik: Rörig fordert zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz im Netz

Dienstag, 8. Mai 2018

/burdun, stock.adobe.com

Berlin – Die Kriminalität in Deutschland geht laut Statistik zurück. Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten – die niedrigste Zahl seit 1992. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren, wie das Bundesinnenministerium heute in Berlin bekanntgab.

Um 23,7 Prozent angestiegen sind dagegen Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung jugendpornografischer Schriften. 62,4 Prozent der Fälle „Verbreitung pornografischer Schriften“ erfolgt über das Internet. Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach von einem „erschütternden Ausmaß“ der Kinder- und Jugendpornografie. Auch Cybergrooming – das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte – stelle eine Gefahr dar.

Anzeige

Mehr Fälle von sexuellen Nötigungen

Die Zahl der erfassten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen lag 2017 bei 11.282 Fällen, 2016 waren es 7.919. Ein prozentualer Anstieg wird im Bericht aber nicht, wie bei fast allen anderen Straftaten, angegeben. Denn ein Vergleich ist aufgrund der Reform des Sexualstrafrechts, die im November 2016 in Kraft getreten ist, nur eingeschränkt möglich.

Seitdem machen sich nicht nur jene strafbar, die sexuelle Handlungen mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingen. Strafbar ist bereits, wenn sich der Täter über den „erkennbaren Willen“ des Opfers hinwegsetzt. Dieser Wille kann verbal oder auch durch Abwehr ausgedrückt werden. Somit wird vieles neu als sexueller Übergriff gewertet, was zuvor nicht als Straftat galt.

Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester, auch sadistischer Gewaltszenen, sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchs­abbildungen von Kleinkindern und Babys. Johannes-Wilhelm Rörig, Unabh. Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Rörig forderte die Bundesregierung auf, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche konsequent zu bekämpfen und für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz im Netz einzutreten. Der Freiburger Fall des neunjährigen Jungen, der jahrelang von seiner Mutter und ihrem Partner missbraucht und auch anderen Tätern im Internet angeboten wurde, sei kein Einzelfall, betonte Rörig.

„Immer öfter werden Missbrauchstaten gefilmt und im Darknet verbreitet und getauscht. Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester, auch sadistischer Gewaltszenen, sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys“, erklärte er.

Bei sexuellem Kindesmissbrauch sind die Fallzahlen mit 11.500 Straftaten für das Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren (rund 12.000 Fälle in 2016, rund 11.000 Fälle in 2015) weitgehend unverändert geblieben. „Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer“, warnte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindes­missbrauchs.

Rörig ist überzeugt: „Der Jugendmedienschutz muss dringend modernisiert und die IT-Wirtschaft auch gesetzlich verpflichtet werden, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu realisieren.“ Zusätzlich fordert er eine umfassende Qualifizierung und Aufstockung des Personals bei Justiz und Strafverfolgung und die rechtliche und technische Verbesserung der Ermittlungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Einführung einer Versuchsstrafbarkeit bei Cybergrooming. © gie/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Dezember 2018
Genf – Nach scharfer Kritik an seinem Managementstil hat der Chef des UN-Programms UNAIDS zur Bekämpfung der Aids-Seuche, Michel Sidibé, ein vorzeitiges Ende seiner Amtszeit angekündigt. „Die nächste
UNAIDS-Chef geht nach massiven Vorwürfen vorzeitig
13. Dezember 2018
Stockholm – Aus Protest gegen den umstrittenen Chef des UNAIDS-Programms legt Schweden seine finanzielle Unterstützung für die Organisation auf Eis. „Wir haben kein Vertrauen in ihn. Er muss umgehend
Schweden verlangt Rücktritt des UNAIDS-Chefs
12. Dezember 2018
Berlin – Deutschland bekommt dauerhaft einen Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Das hat heute das Bundeskabinett beschlossen. Es verabschiedete das von
Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs wird dauerhaft eingerichtet
10. Dezember 2018
Oslo – Die diesjährigen Friedensnobelpreisträger Nadia Murad und Denis Mukwege haben in ihren Dankesreden die weltweite Teilnahmslosigkeit gegenüber sexueller Gewalt in Konfliktregionen verurteilt.
Kritik an Gleichgültigkeit gegenüber sexueller Gewalt
28. November 2018
Berlin – Menschen, die in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik und der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe lebten, können sich nun voraussichtlich bis Ende 2020 an eine Stiftung
Heimkinder mit Behinderungen können länger entschädigt werden
28. November 2018
Hamburg/Kiel – Werbung für E-Zigaretten verführt Kinder und Jugendliche einer Untersuchung zufolge zum Rauchen – auch von herkömmlichen Zigaretten und Shishas. Der Kontakt mit Werbung für E-Zigaretten
DAK-Gesundheit für Werbeverbot von E-Zigaretten
27. November 2018
Berlin – Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat anlässlich des 60. Jubiläums der Spendenaktion Brot für die Welt das Ende von Kinderarbeit gefordert. „Wenn Freiwilligkeit nicht zum Ziel
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER