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Ärzteschaft

Ärztetag diskutiert über neue Anforderungen für Ärzte aus Drittstaaten

Dienstag, 8. Mai 2018

Erfurt – Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat heute engagiert und kontrovers darüber diskutiert, ob Ärztinnen und Ärzte mit absolvierter ärztlicher Ausbildung, die aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union nach Deutschland kommen, ihren medizinischen Kenntnisstand künftig besser als heute unter Beweis stellen müssen.

In einem Entschließungsantrag des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) wird dafür die Teilnahme am medizinischen Staatsexamen, also das „Ablegen einer Prüfung analog dem 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ und die „Teilnahme am 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ vorgeschlagen.

In seiner Rede bei der Eröffnungsveranstaltung des Ärztetags forderte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery, dass Ärzte aus Drittstaaten neben einer intensiven Sprach­prüfung auch eine sehr intensive Prüfung der medizinischen Kenntnisse absolvieren müssen. Diese Kollegen seien sehr willkommen, betonte Montgomery. Aber der Patientenschutz gebiete Qualitätsnachweise zum Kenntnisstand.

Medizinische Kenntnisse zu fordern, hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Tilman Kaethner, nieder­gelassener Arzt aus Nieder­sachsen

Martina Wenker /Gebhardt

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, unterstützte diese Forderung. „Wir Ärzte­kammern stehen für die Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung, wir stehen für den Patientenschutz“, sagte sie während der Diskussion. Die Ärztekammern dürften aber nur die Fachsprache der ausländischen Ärzte prüfen, nicht die Fachkenntnisse. „Und in Niedersachsen fallen 50 Prozent der geprüften Ärzte durch die Fachsprachenprüfung“, berichtete Wenker. Das liege nicht nur an Sprachdefiziten.

Auf Entgegnungen, das Staatsexamen sei als Prüfung für die ausländischen Ärzte zu anspruchsvoll, erwiderte sie: „Es gibt ein Mindestmaß an ärztlichen Fähigkeiten, das ich von jedem Arzt erwarte – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Tausende Medizinstudierende beständen das Staatsexamen in Deutschland. Das sei die ärztliche Versorgung auf dem in Deutschland gewohnten Niveau. Hier dürften keine Abstriche gemacht werden.

Tilman Kaethner, nieder­gelassener Arzt aus Nieder­sachsen, berichtete, dass manche seiner Patienten nicht mehr in die nächst­gelegene Klinik überwiesen werden wollten, weil sie den Arzt, der sie dort behandelt hatte, nicht verstanden hätten. Sprachliche und medizinische Kenntnisse von den Ärzten zu fordern, die in Deutschland arbeiten, habe nichts mit Diskriminierung und Ausgrenzung zu tun, betonte er.

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, gab zu bedenken, dass es Schatten auf all jene bislang aus Drittstaaten nach Deutschland gekommenen Ärzte werfe, die heute in Deutschland arbeiten, wenn man die bisherige Praxis die Sicherstellung der Versorgungsqualität anzweifle.

Rudolf Henke /Gebhardt

Auch die Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bundes, dem Henke vorsitzt, hatte sich am Wochenende dagegen ausgesprochen, dass Ärzte aus Drittstaaten das Staatsexamen ablegen müssen. Henke schlug hingegen die Einrichtung einer zentralen Gutachterstelle vor, die sich auf die Prüfung der Echtheit der von den ausländischen Ärzten vorgelegten Zeugnisse konzentriere.

Joachim Grifka, Delegierter aus Bayern, betonte, dass Deutschland die ausländischen Kollegen brauche: „Ohne sie wäre die heutige Versorgung nicht mehr durchführbar.“ Auch Grifka forderte eine Prüfung der medizinischen Fachkenntnisse ausländischer Ärzte. „Ich möchte aber davor warnen, das Staatsexamen von ihnen einzufordern“, sagte er.

Schließlich würden auch die meisten deutschen Ärzte mit Facharztstandard aus seiner Sicht das Staatsexamen heute nicht mehr bestehen. Stattdessen forderte er Prüfungen, die unter anderem die praktischen Fähigkeiten der Ärzte in ihrer jeweiligen Fachrichtung beinhalten.

Die Delegierten werden innerhalb der kommenden Tage über den Antrag des BÄK-Vorstands abstimmen. © fos/aerzteblatt.de

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jpink
am Donnerstag, 10. Mai 2018, 10:08

Gesundheitsmangel >> Ärztemangel

"Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft. Und Politik ist nichts anderes als Medizin im Großen."
R. Virchow

Wenn ich die Sache also ganzheitlich angehe, dann sollten wir Druck ausüben, damit Krankheit gar nicht entsteht. Das ginge! Das entartete System, das sich seit 100 Jahren geschwürartig über den Planeten ausbreitet, insbesondere auch in Mitteleuropa, müßte überwunden werden. In unser aller Interesse übrigens, auch wenn sich einige auf der rosa Wolke wähnen sollten. Und man könnte das relativ leicht. Denn es ist nicht naturgesetzlich verankert, sondern von ein paar Durchgeknallten lanciert.

Das versteht hier nun wieder kaum jemand. Und warum? Nun, hier greift der Ärztmangel. Wir haben keinen Medizinermangel. Wir haben tatsächlich einen Ärztemangel.
Janet Menkis
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 21:43

Statistik

Wieso, wenn bei ausländischen Ärzten alles schlecht ist, zeigt die Statik das Gegenteil.
Es ist sehr enttäuschend, wenn der Chef der Ärztekammer nicht nach Fakten, sondern nur nach Emotionen arbeitet. Sie haben Angst vor Zahlen, denn in den entwickelten Ländern operieren Ärzte nach Statistiken und nicht nach Klatsch und Tratsch.
Die Schlichtungsstellen und Gutachter der Bundesärztekammer (BÄK) haben im vorigen Jahr 2213 Behandlungsfehler gezählt. Im Vergleich zu 2016 mit 2245 Fällen blieb die Gesamtzahl damit beinahe gleich.
Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern bestätigten demnach 2132 Behandlungsfehler fürs Jahr 2015. In 1774 Fällen haben Patienten dadurch einen Gesundheitsschaden erlitten, der einen Anspruch auf Entschädigung begründet. 2014 waren rund 2250 Behandlungsfehler registriert worden.
Docmacher
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 21:19

Ärztemangel?

Es gibt keinen Ärztemangel. Wir haben jetzt Fachkräfte.
astridschulze@massai.dk
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 02:06

Mit vs ohne Staatsexamen

Der sogenannte Aerztemangel kann leicht behoben werden, wenn man sich erinnern wuerde, dassdeutsche Aerztinnen in Deutschland Arbeit suchen und nicht finden. Viele moechten nicht in 19 Stunden/Woche Stellen oder 2 Tage die Woche Jobs arbeiten - das uebliche was Frauen angeboten wird in Deutschland. Saetze wie "Wenn ich Sie einstellen wuerde, ja dann wuessten Sie ja mehr als meine Oberaerzte!" - es ging um eine Assistenzarztstelle, weil es keine vakante Oberarztstelle gab.Das war nicht wie man annehmen koennte einer Theaterkomoedie entnommen - es ist deutsche Realitaet vom Herbst 2017. Diese Angst beim Chef erzeugt ein neuangekommenen syrischen Arzt sicherlich nicht. Also gut - als Aerztin nach 6 Monaten Jobsuche wieder zurueck ins europaeische Ausland bevor die Schulden noch groesser werden - trotz fliessendem Deutsch in Sprache, Schrift fuer Computer, Diktat und Gutachten. Die VAE habe 2014 aufgehoert, den deutschen Facharzt einem britischen, irischen, australischem, amerikansichen, canadischen, suedafrikanischen und neuseelaendischen gleichzustellen. Der deutsche Facharzt entspricht dort nun dem den man in Indien oder Belarus erwerben kann - wenige Jahre nach dem Examen und man ist specialist. Syrien hat  frueher ihre Aerzte nach Frankreich geschickt zur Weiterbildung/Facharztqualifikation. Das war einmal. Und wer als syrischer Arzt in Frankreich eine Zeit lang studiert oder gearbeitet und gelebt hat, ist fortgeschrittenen Alters und wird lieber franzoesisch sprechen als deutsch lernen. Der syrische Arzt ohne Facharzt hat es schwer in MENA Laendern Arbeit zu finden, trotz fliessender Sprache. Fuer diese Aerzte ist es ein Segen, dass Deutschland sie in wenigen Jahren zum Hausarzt macht. Das gibt es nicht nochmal in Europa. Die Aerztegeneration, um die es geht fuer die Arztpraxen in ruralen Gegeneden Deutschlands haben ihr Medizinstudium ja auf Arabisch absolviert, sind ohne westliche medizinische Litteratur "aufgewachsen". In Schweden findet man es am besten, wenn alle Aerzte dieselben Vorraussetzungen mitbringen - um zu kommunizieren, wegen Beruf- und Karrierchancen. Daher kommt man dort um das Examen nicht herum, wenn man als Kliniker arbeiten moechte. Sicher lassen sich wegen der so viel  guenstigeren Arbeitsbedingungen viele syrische Aerzte aus dem europaeischen Ausland nach Deutschland rekrutierien. Ein deutscher Sprachkurs mag ueberschaubarer sein als ein z.B. .schwedisches Staatsexamen. Wir deutsche Aerztinnen bedauern den Brexit.
astridschulze@massai.dk
am Mittwoch, 9. Mai 2018, 02:05

Mit vs ohne Staatsexamen

Der sogenannte Aerztemangel kann leicht behoben werden, wenn man sich erinnern wuerde, dassdeutsche Aerztinnen in Deutschland Arbeit suchen und nicht finden. Viele moechten nicht in 19 Stunden/Woche Stellen oder 2 Tage die Woche Jobs arbeiten - das uebliche was Frauen angeboten wird in Deutschland. Saetze wie "Wenn ich Sie einstellen wuerde, ja dann wuessten Sie ja mehr als meine Oberaerzte!" - es ging um eine Assistenzarztstelle, weil es keine vakante Oberarztstelle gab.Das war nicht wie man annehmen koennte einer Theaterkomoedie entnommen - es ist deutsche Realitaet vom Herbst 2017. Diese Angst beim Chef erzeugt ein neuangekommenen syrischen Arzt sicherlich nicht. Also gut - als Aerztin nach 6 Monaten Jobsuche wieder zurueck ins europaeische Ausland bevor die Schulden noch groesser werden - trotz fliessendem Deutsch in Sprache, Schrift fuer Computer, Diktat und Gutachten. Die VAE habe 2014 aufgehoert, den deutschen Facharzt einem britischen, irischen, australischem, amerikansichen, canadischen, suedafrikanischen und neuseelaendischen gleichzustellen. Der deutsche Facharzt entspricht dort nun dem den man in Indien oder Belarus erwerben kann - wenige Jahre nach dem Examen und man ist specialist. Syrien hat  frueher ihre Aerzte nach Frankreich geschickt zur Weiterbildung/Facharztqualifikation. Das war einmal. Und wer als syrischer Arzt in Frankreich eine Zeit lang studiert oder gearbeitet und gelebt hat, ist fortgeschrittenen Alters und wird lieber franzoesisch sprechen als deutsch lernen. Der syrische Arzt ohne Facharzt hat es schwer in MENA Laendern Arbeit zu finden, trotz fliessender Sprache. Fuer diese Aerzte ist es ein Segen, dass Deutschland sie in wenigen Jahren zum Hausarzt macht. Das gibt es nicht nochmal in Europa. Die Aerztegeneration, um die es geht fuer die Arztpraxen in ruralen Gegeneden Deutschlands haben ihr Medizinstudium ja auf Arabisch absolviert, sind ohne westliche medizinische Litteratur "aufgewachsen". In Schweden findet man es am besten, wenn alle Aerzte dieselben Vorraussetzungen mitbringen - um zu kommunizieren, wegen Beruf- und Karrierchancen. Daher kommt man dort um das Examen nicht herum, wenn man als Kliniker arbeiten moechte. Sicher lassen sich wegen der so viel  guenstigeren Arbeitsbedingungen viele syrische Aerzte aus dem europaeischen Ausland nach Deutschland rekrutierien. Ein deutscher Sprachkurs mag ueberschaubarer sein als ein z.B. .schwedisches Staatsexamen. Wir deutsche Aerztinnen bedauern den Brexit.

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