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Ärztetag fordert einheitliches Prüfverfahren für ausländische Ärzte aus Drittstaaten

Donnerstag, 10. Mai 2018

/Gebhardt

Erfurt – Der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt hat den Gesetzgeber aufgefordert zu regeln, dass alle Ärzte aus Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union einen Kenntnisstand nachweisen, über den auch Ärzte verfügen, die in Deutschland ihre Ausbildung absolviert haben. „Der Nachweis, dass entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten vorliegen, kann für einen sicheren Patientenschutz durch erfolgreiches Ablegen einer bundeseinheitlichen Prüfung analog dem 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung gewährleistet werden“, erklärten die Delegierten. 

Eine Berufserlaubnis dürfe erst erteilt werden, wenn die berufliche Qualifikation feststehe und die ausländischen Ärzte zudem über gute Fähigkeiten der sprachlichen Kommunikation auf dem Niveau C1 verfügten und diese auch nachgewiesen hätten. Nach dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen ist C1 das zweithöchste von insgesamt sechs Sprachniveaus. Wer über dieses Sprachniveau verfügt, muss sich „klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten“ äußern können, wie es in den entsprechenden Vorgaben heißt.

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Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe zu zentraler Antragstelle ausbauen  

Zudem forderte der Ärztetag die Bundesländer dazu auf, die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) auszubauen und mit der Annahme und Bescheidung von Anträgen auf Gleichwertigkeitsprüfung im Rahmen von Anerkennungsverfahren zu beauftragen. Die GfG solle so ausgebaut werden, dass sie alle Anträge auf Anerkennung ärztlicher Grundausbildung vollständig bearbeiten und fristgerecht bescheiden könne. Insbesondere solle sie dabei die Echtheit der eingereichten Unterlagen prüfen.

Heute prüfen die Approbationsbehörden der Bundesländer im Rahmen von Gleich­wertig­keitsprüfungen, ob die im Ausland erworbenen Abschlüsse den deutschen gleichzusetzen sind. 54 solcher Stellen gebe es aktuell in Deutschland, erklärte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery.

Zentrale Antragstelle könnte gefälschte Zeugnisse besser erkennen 

Die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, Heidrun Gitter, bemängelte, dass die Gleichwertigkeit der ärztlichen Grundausbildung dabei von Sachbearbeitern aufgrund der Aktenlage entschieden werde. Und sei die Gleichwertigkeit einmal auf diese Weise anerkannt, gebe es keine Möglichkeit mehr, eine Kenntnisprüfung zu verlangen, in der die Ärzte ihre medizinischen Kenntnisse im Rahmen einer Prüfung vor dem Landesprüfungsamt nachweisen müssen. Eine zentrale Antragstelle sei auch deshalb gut, weil sie die Echtheit der Unterlagen in einem einheitlichen Verfahren prüfen könne, sagte Gitter. 

Wenn man die GfG zu einer zentralen Antragstelle ausbaue, könne man auch die Expertise erhöhen, mit der gefälschte Zeugnisse erkannt werden können, meinte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. 

„Will Deutschland ausländische Ärzte gewinnen und langfristig binden, muss endlich ein einheitliches, effizientes und transparentes Prüfsystem etabliert werden, das eine gute medizinische Versorgung durch ausländische Ärzte sicherstellt und ihnen mehr Rechtssicherheit bietet“, erklärten die Delegierten zusammenfassend.

Zweiter Teil des Staatsexamens als Kenntnisprüfung ungeeignet  

Zuvor hatten die Delegierten lange über dieses Thema diskutiert. Dabei bestand Einigkeit, dass Ärzte aus Drittstaaten in Deutschland willkommen seien und dass sie auch gebraucht würden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Einigkeit bestand aber auch darin, dass sowohl die sprachlichen als auch die medizinischen Kenntnisse dieser Ärzte gewährleistet sein müssten. Karsten Thiemann von der Ärztekammer Mecklen­burg-Vorpommern verwies darauf, dass es in deutschen Krankenhäusern heute teil­weise Visiten gebe, die nicht auf Deutsch gehalten würden. Der Patient habe aber ein Recht darauf, seine Ärzte zu verstehen. 

In der Diskussion sprachen sich viele Delegierte dafür aus, die Anforderungen an eine Prüfung der medizinischen Kenntnisse nicht zu hoch zu hängen. „Wenn wir die Kenntnisse der ausländischen Kollegen prüfen wollen, brauchen wir ein kluges und adäquates Prüfungsverfahren“, sagte Katharina Thiede aus Berlin. Der zweite Teil des Staatsexamens sei dafür ungeeignet, da es darin oftmals um sprachliche Feinheiten gehe, die selbst Muttersprachler zweimal lesen müssten. 

„Die Kenntnisprüfung zur Erteilung der Approbation, der sich Ärztinnen und Ärzte mit absolvierter ärztlicher Ausbildung aus Drittstaaten unterziehen, muss umfassendes und für den medizinischen Alltag relevantes medizinisches Wissen abprüfen und unter Aspekten der Patientensicherheit konzipiert sein“, betonten die Delegierten schließlich. Der zweite Abschnitt der ärztlichen Prüfung nutze das für diese Zielsetzung wenig geeignete Prüfungsformat der Multiple-Choice-Fragen.

Approbationsbehörden der Länder sollen ihre Daten austauschen 

Die Delegierten forderten den Vorstand der BÄK außerdem dazu auf, einen Daten­austausch zwischen den Approbationsbehörden der Bundesländer bezüglich nicht bestandener Kenntnisprüfungen von Ärzten aus Drittstaaten zu unterstützen. Denn da es heute keinen Austausch zwischen den Behörden der Länder gebe, könnten Antragsteller in einem Bundesland eine Kenntnisprüfung erneut ablegen, wenn sie in einem anderen Bundesland bereits abgelehnt wurden. © fos/aerzteblatt.de

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