NewsÄrzteschaftÄrztetag fordert besseren Schutz von Ärzten vor Gewalt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärztetag fordert besseren Schutz von Ärzten vor Gewalt

Donnerstag, 10. Mai 2018

/Gebhardt

Erfurt – Der 121. Ärztetag in Erfurt hat an Politik und Gesellschaft appelliert, mehr Anstrengungen zu unternehmen, Ärztinnen und Ärzte, medizinisches Personal und Rettungskräfte vor Gewalt und Aggressionen zu schützen. Derzeit nehme die Aggressivität in der Gesellschaft zu und der Respekt ab, meinten die Delegierten. So hätten neun von zehn Allgemeinmedizinern in ihrer Praxis schon einmal Aggression erleben müssen.

Konkret forderten die Delegierten den Gesetzgeber dazu auf, auch Ärzte und medi­zinisches Personal in den § 115 Strafgesetzbuch aufzunehmen. Bei einer Novellierung des Strafgesetzbuches im vergangenen Jahr sei das Strafmaß für tätliche Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungsdienstmitarbeiter erhöht worden. Ärzte und medizinisches Personal würden hingegen nicht berücksichtigt.

Anzeige

Johannes Grundmann von der Ärztekammer Bremen nannte Gründe für die zuneh­mende Gewaltbereitschaft: „Patienten und Angehörige haben eine zunehmende allgemeine Anspruchshaltung, sie haben hohe Erwartungen an Serviceleistungen im Gesundheitswesen. Denn der Patient versteht sich immer mehr als Kunde.“ Bei langen Wartezeiten reagiere er deshalb mit Ungeduld und Unverständnis. Probleme gebe es auch, wenn Ärzte den Patientenansturm nicht bewältigen und manche Patienten nicht behandeln könnten. Unverständnis führe dann in manchen Fällen zu Aggression.

Die Delegierten forderten darüber hinaus, dass die Berichts- und Meldekultur bei Gewalt gegen Ärzte verbessert werden müsse. Denn da heute nur jeder vierte tätliche Angriff zur Anzeige gebracht werde, kämen bislang viele Täter ungeschoren davon.

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 11. Mai 2018, 11:49

Dem DÄT ist offenbar entgangen,

dass nach § 114 StGB und § 115 StGB auch Ersthelfern ebenso wie Ärzten bei Angriffen der Schutz durch das Strafrecht verwehrt bleibt!

Bundesregierung, Bundesrat und Parlamentsabgeordnete haben bei ihren Abstimmungen offensichtlich gezielt Ärztinnen und Ärzte bzw. ärztliches Begleit- und Assistenzpersonal als Rettungshelfer in ihrem beruflichen Alltag und im zentralen ärztlichen Notdienst im Stich lassen wollen.

Damit bleiben aber auch alle strafrechtlich zu unmittelbarer und zumutbarer Hilfeleistung verpflichteten Laien-Ersthelfer in jeglichen Notfall-Situationen den möglichen Angriffen Dritter ohne Strafrechtsandrohungen schutzlos ausgeliefert.

Völlig absurd: Beim strafrechtlichen und ideellen Schutz aller Helfer in Notsituationen lässt man sich verleugnen, fordert aber zugleich strafrechtliche Sanktionen gegen Bürgerinnen und Bürger bei unterlassener Hilfeleistung?

Aus dem verbesserten strafrechtlichen Schutz nach § 114 Strafgesetzbuch StGB (Regelung für Polizei- und Vollzugsbeamte) und dem eigentlich neuen Paragrafen § 115 StGB (Angriffe auf Rettungsdienste, Feuerwehr und andere Einsatzkräfte) werden m. E. verfassungswidrig ausgegrenzt:

– Ersthelfer (mit gesetzlicher Pflicht zur Hilfeleistung),
– Ärzte im organisier­ten ärztlichen Notfall- und Bereitschaftsdienst,
– Begleit- und Hilfspersonen im Notfall- und Bereitschaftsdienst,
– technische Helfer (Handwerk, Technik, Ver- und Entsorger)
– Hilfe-Leister bei Katastrophen, Unglücksfällen, Gefahren-/Notsituationen
– Pflege- und Logistik-Personal
– erst- und weiterbehandelnde Ärzte/Assistenz in Klinik und Praxis.

Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag haben sich mit diesem im April 2017 verabschiedeten Gesetzesbeschluss m.E. bis auf die Knochen blamiert!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

21. Januar 2019
Berlin – Der kommende 122. Deutsche Ärztetag in Münster (28. bis 31. Mai 2019) wird sich in einem Schwerpunkt mit dem Thema Arztgesundheit befassen. Das hat jetzt der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer
122. Deutscher Ärztetag wird sich mit Arztgesundheit befassen
5. Dezember 2018
Mainz – In Rheinland-Pfalz ist mittlerweile rund jeder vierte Arzt und Psychotherapeut in der ambulanten Versorgung als Angestellter beschäftigt. Tendenz steigend. Das berichtet die Kassenärztliche
Anstellung in Praxis oder MVZ in Rheinland-Pfalz immer beliebter
19. November 2018
Berlin – Ein Wandel im ärztlichen Berufsalltag und ein neues Arztbild fordert das Bündnis Junge Ärzte (BJÄ) – ein fachgebietsübergreifender Zusammenschluss von Nachwuchsmedizinern aus aktuell 22
Bündnis Junger Ärzte unterstützt Aufruf für neues Arztbild
26. Oktober 2018
München/Zürich – Klinikärzte in Deutschland und weiten Teilen Europas sind ausgesprochen unzufrieden mit Arbeitsbedingungen und Behandlungsqualität in ihren Krankenhäusern. Das hat eine Untersuchung
Unzufriedenheit von Klinikärzten steigt
13. September 2018
Hannover – Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hat eine Broschüre für frisch approbierte Ärzte veröffentlicht. Sie soll dem ärztlichen Nachwuchs den Berufseinstieg erleichtern. „Die neue Broschüre
Ärztekammer Niedersachsen veröffentlicht Broschüre für frisch approbierte Ärzte
5. September 2018
Manchester – Nur ein ausgeruhter und zufriedener Arzt kann seine volle Leistung erbringen. Unter einem Burnout leidet nach einer Metaanalyse in JAMA Internal Medicine (2018; doi:
Burnout des Arztes kann Sicherheit der Patienten gefährden
11. Juli 2018
New York – Niedergelassene Ärzte, die eine eigene Praxis betreiben oder mit weniger als 5 Kollegen zusammenarbeiten, klagten in einer Studie im Journal of the American Board of Family Medicine (2018;
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER