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Ärzteschaft

219a-Debatte: Ärztetag will Werbeverbot erhalten

Dienstag, 15. Mai 2018

/Maybaum

Erfurt – Die Delegierten des 121. Deutschen Ärztetages haben sich in der Debatte um das Werbeverbot von Schwangerschaftsabbrüchen für eine Stärkung der neutralen Information, der individuellen Beratung und der Hilfeleistung für Frauen in Konfliktsituationen ausgesprochen.

In einer mit großer Mehrheit angenommenen Entschließung wird gefordert, dass Ärztinnen und Ärzte in Praxen und Kliniken Rahmenbedingungen benötigen, die es ihnen ermöglichen, Zeit für die individuelle Beratung ratsuchender Frauen zu nehmen. Auch die Beratungsstellen sollen dazu verpflichtet werden, Frauen, die sich nach einer Beratung zu einem Abbruch entschließen, darüber zu informieren, welche Ärzte in der Nähe einen Abbruch durchführen. Dazu gehöre nach Ansicht der Delegierten auch eine Erläuterung, welche Verfahren des Schwangerschaftsabbruchs bei diesen Ärzten erfolgen können.

Intensive Debatte

Nach einer intensiven Diskussion hat sich der Deutsche Ärztetag auch gegen eine Streichung oder Einschränkung des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch ausgesprochen. Er mahnt aber maßvolle Änderungen an, damit sichergestellt wird, dass Ärzte, die sich innerhalb eines gesetzten Rahmens über ihre Bereitschaft informieren, gesetzlich zulässige Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, nicht bestraft werden.

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In der sehr ernsthaften und zeitweise nachdenklichen Debatte – an der sich 17 Ärzte und neun Ärztinnen beteiligten – war es oft sehr still im Saal der Erfurter Messe: Vor allem die sehr persönlichen Erfahrungen von Ärzten, die Patientinnen beraten oder die Eingriffe vornehmen, sowie von betroffenen Vätern beeindruckten die Anwesenden.

Dabei herrschte große Einigkeit, dass die Kriminalisierung und strafrechtliche Verurteilung von Ärzten, wie in der Vergangenheit geschehen, nicht haltbar ist. Außerdem stellten die Delegierten fest, dass es einen allgemeinen Konsens gibt, den gesellschaftlichen Kompromiss zum Paragrafen 218 aus den 1990er-Jahren nicht infrage zu stellen. Ebenso betonten viele Redner die komplizierten Situationen, in denen sich viele Frauen befinden und sich die Entscheidung nicht leicht machten. Gleiches gelte für Ärzte, die einen Abbruch durchführten.

Einige Redner widmeten sich dem unterschiedlichen Begriff von Information, der im Gesetzestext zu Paragraf 219a angelegt ist. Dabei argumentierten einige, dass es laut Berufsordnung verboten sei, für ärztliche Leistungen zu werben, dies gelte auch, wenn es den Paragrafen nicht mehr gebe.

Den Vorschlag vom Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Frank-Ulrich Montgomery, eine zentrale Liste von Ärztinnen und Ärzten, die einen Abbruch durchführen, auf einer unabhängigen Internetplattform zu veröffentlichen, wurde in der Debatte von den meisten Rednern abgelehnt. Man wolle keine „Tourismusziele für Lebensschützer“, hieß es, dies sei auch „Wasser auf die Mühlen der Abtreibungsgegner“. Letztendlich, so die Delegierten des 121. Deutschen Ärztetages, muss der Lösungsweg über den Konflikt um den Paragrafen 219a vom Gesetzgeber vorgegeben werden. © bee/aerzteblatt.de

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