Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Risiko einer Campylobacter-In­fektion durch Eier geringer als durch Hühnerfleisch

Montag, 14. Mai 2018

Über fäkale Ausscheidungen von Legehennen können Campylobacter auf die Hühnereischale übertragen werden. /dima_pics, stock.adobe.com
Über fäkale Ausscheidungen von Legehennen können Campylobacter auf die Hühnereischale übertragen werden. /dima_pics, stock.adobe.com

Berlin – Frisches Geflügelfleisch ist die bedeutendste Quelle von humanen Campylobacter-Infektionen. Auch Hühnereier können Campylobacter auf den Menschen übertragen, insbesondere, wenn sie sichtbar mit Hühnerkot verunreinigt sind. Dieser häufigste bakterielle Erreger einer Lebensmittelinfektion auf Hühnereiern ist in der Bevölkerung kaum bekannt. Das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat jetzt das gesundheitliche Risiko berwertet (2018; doi: 10.17590/20180511-093846-0).

Campylobacter können sich zwar bei Temperaturen unter 30 °C nicht vermehren, allerdings ist die Infektionsdosis mit 500–800 Keimen relativ gering.

Die Ergebnisse des kürzlich veröffent­lichten BfR-Verbrauchermonitors haben gezeigt, wie wenig Sorgen sich die Bevölkerung um die Gefahren durch Campylobacter oder eine unzureichende Küchenhygiene macht. Campylobacter-Bakterien rufen eine mit Bauch­schmerzen, Fieber und mitunter blutigem Durchfall einhergehende Enteritis hervor.

Jedes Jahr werden dem Robert-Koch-Institut ungefähr 70.000 Fälle von Campylobacter-Enteritis gemeldet, Tendenz leicht steigend. Zudem gibt es eine erhebliche Dunkel­ziffer. In der Regel stammen die krankmachenden Bakterien von Hühnern, in deren Darm sie leben und denen sie nichts anhaben können. Häufig werden diese Bakterien über nicht ausreichend durchgegartes Hühnerfleisch auf den Menschen übertragen.

Fast 20 Milliarden Eier haben die Deutschen 2016 konsumiert, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 235 Eiern.

Eier sind nur selten die Quelle einer Campylobacter-Infektion

Auch auf Schalen von Hühnereiern werden immer wieder lebende Campylobacter nachgewiesen, nicht aber im Eiinhalt. Im Gegensatz zu Salmonellen sind Campylobacter jejuni nicht in der Lage, im Eiinneren lange zu überleben oder sich dort zu vermehren. Das Infektionsrisiko durch Hühnereier wird daher deutlich geringer eingeschätzt als bei frischen Geflügelfleisch. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass 1,3 % der Campylobacter-Ausbrüche auf Eier zurückzuführen sind. Über bakterienhaltigen Kot, der am Ei haftet, kann man sich anstecken. Deshalb sollten Lebensmittelunternehmer die Verun­reinigung von Hühnereiern mit Hühnerkot bei der Produktion und dem Verpacken durch Hygienemaßnahmen reduzieren.

So sollten Küchenutensilien und Hände nach Kontakt mit rohen Eiern gründlich gereinigt werden. Andreas Hensel, Präsident des BfR

„Mit guter Küchenhygiene kann man das Infektionsrisiko durch Hühnereier noch weiter senken“, sagt Andreas Hensel, Präsident des BfR. „So sollten Küchenutensilien und Hände nach Kontakt mit rohen Eiern gründlich gereinigt werden. Und wer mit Eiern zubereitete Speisen ausreichend erhitzt, tötet Campylobacter und andere Krankheits­erreger zuverlässig ab.“ Kommt der Eiinhalt mit der kontaminierten Schale beim Aufschlagen in Kontakt, können die Bakterien durch Erhitzen von mindestens 2 Minuten auf mehr als 70 °C inaktiviert werden.

© gie/EB/aerzteblatt.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2018
Kassel – Übergewicht könnte künftig Tabakmissbrauch als Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen ablösen. Das berichten Ernährungsmediziner und Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für
Übergewicht könnte Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen werden
22. Mai 2018
Hannover – Die niedersächsische Landesregierung ist gegen die Einführung eines Schulfachs Ernährung. „Nicht jede gesellschaftliche Fehlentwicklung lässt sich in der Schule und durch neue Schulfächer
Niedersachsen lehnt Schulfach Ernährung ab
22. Mai 2018
Beijing – Wer täglich ein Ei isst, könnte sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant um 26 % senken im Vergleich zu Menschen, die komplett auf Eier verzichten. Zu diesem Ergebnis kommen
Ein Ei pro Tag könnte das Schlaganfallrisiko reduzieren
22. Mai 2018
Potsdam – Sowohl die Mutter als auch der Vater beeinflussen über ihre Ernährung die Gesundheit ihres Kindes. Und zwar schon vor einer Schwangerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutsch-chinesisches
Ernährungsfehler des Vaters beeinflussen die Gesundheit seiner Kinder
22. Mai 2018
Kozhikode – Beim Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus in Indien sind inzwischen mindestens zehn Menschen gestorben. Zwei weitere Erkrankte lägen auf der Intensivstation, sagte heute eine Sprecherin
Tote bei Ausbruch von Nipah-Virus in Indien
17. Mai 2018
Heidelberg – Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben erstmals Antikörper entdeckt, die nicht nur ein Bakterium, sondern verschiedene Mikroorganismen zugleich unschädlich
„Universal-Antikörper“ macht verschiedene Erreger unschädlich
16. Mai 2018
Boston – Frauen, die sich gesund ernähren, erkranken einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of Nutrition (2018; doi: 10.1093/jn/nxy058) zufolge im Alter seltener an Hörstörungen.

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige