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Die meisten Drogentoten sterben an Überdosierung von Opioiden

Dienstag, 15. Mai 2018

/dpa

Berlin – Die Zahl der an illegalen Drogen verstorbenen Menschen ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig: sie sank von 1.333 auf 1.272. In den Jahren 2012 bis 2016 waren die Zahlen noch angestiegen. „Erstmals sehen wir einen leichten Rückgang der Drogentodeszahlen – wir brauchen aber weiterhin eine engagierte Suchtprävention, passgenaue Hilfe und ein entschlossenes Vorgehen gegen Drogenkriminalität“, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, heute bei der Präsentation der neuen Drogentodeszahlen vor der Presse in Berlin.

Den Zahlen liegt eine Auswertung von Daten des Bundeskriminalamtes (BKA) von 2012 bis 2017 zugrunde. Wie in den Vorjahren waren auch 2017 die meisten an Drogen Verstorbenen männlich (85 Prozent), das Durchschnittsalter betrug 39 Jahre. 83 Prozent bis 85 Prozent starben an einer Überdosierung, gefolgt von Langzeitfolgen (7 Prozent), Suizid (7 Prozent) und Unfällen (3 Prozent).

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Ursachen für Todesfälle

„Nach wie vor sind es Opioide, die die überwiegende Mehrheit tödlicher Überdosierungen verursachen“, sagte Ludwig Kraus, Leiter des IFT Instituts für Therapieforschung in München, der erste Ergebnisse einer Begleitstudie zur „Analyse drogeninduzierter Todesfälle in Deutschland“ vorstellte.

An erster Stelle der Opioide stehen Heroin/Morphin, opioidhaltige Substitutionsmittel,  Fentanyl, und auf niedrigem Nivau opioidhaltige Arzneimittel und synthetische Opioide. Überdosierungen durch Neue psychoaktive Substanzen (NPS) sind der IFT-Studie zufolge nach einem Anstieg zwischen 2012 und 2016 im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Auch für einige der Todesfälle verantwortlich sind Kokain (leichter Anstieg im Jahr 2017), Crystal Meth und Amphetamine. Die Zahl der Überdosierungen bei Drogenabhängigen in Substitutionsbehandlung liegt bei 10 Prozent.

Mortler fordert Zulassung von Naloxon zur nasalen Anwendung

Bei 17 Prozent der Todesfälle aufgrund von Überdosierung waren Dritte anwesend. Die Zahl der Rettungsversuche bezifferte Kraus dabei auf 30 Prozent mit steigender Tendenz. „Abhängige und Angehörige sollten deshalb in der Anwendung des Opioidantagonisten Naloxon zur Ersthilfe trainiert werden“, forderte der IFT-Leiter. Dafür sprach sich auch die Drogenbeauftragte Mortler aus. „Wir müssen die Hindernisse bei Naloxon ausräumen und es zur nasalen Anwendung zulassen“, forderte sie. In Bayern gebe es bereits ein Modellprojekt. © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 15. Mai 2018, 21:15

Entschlossenes Vorgehen

gegen Drogenkriminalität ist ganz einfach: Entkriminalisierung der Konsumenten und ein regulierter, kontrollierter und LEGALER Zugang zu den Drogen für Erwachsene. Die Todesfälle - bemerkenwerterweise meist in Bayern - sind FOLGEN der polizeilichen Verfolgung der Konsumenten - richtige "Pusher", die das Zeug tonnenweise verschieben, werden ja so gut wie nie erischt... zu eng sind die Verflechtungen der OK mit der Geschäftswelt und der Politik...
Konkrete Vorschläge? "Nach dem Krieg gegen die Drogen - Modelle zur Regulierung" (Hrsg. Akzept e.V., britisches Original: "After the ar on Drugs - Blueprint for Regulation")
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