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Verbraucher­zentralen: Nahrungs­ergänzungsmittel für Kinder meist überdosiert

Dienstag, 15. Mai 2018

/dpa

Erfurt – Nahrungsergänzungsmittel für Kinder sind nach Einschätzung von Verbraucherexperten nicht nur überflüssig, sondern meist auch zu hoch dosiert. Das könne zu unerwünschten Wirkungen führen, wie eine heute von den Verbraucherzentralen veröffentlichte Untersuchung von 26 Nahrungsergänzungen im Rahmen des Projekts Klartext zeigt. Der  Marktcheck  wurde im Zeitraum Dezember 2017 bis Januar 2018 durchgeführt.

Bei 85 Prozent der Produkte lag demnach selbst bei bestimmungsgemäßer Verzehrempfehlung mindestens eines der Vitamine oder Mineralstoffe über dem Referenzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Vier- bis Siebenjährige. Am häufigsten waren Vitamin C, Vitamin B6 sowie Biotin und Vitamin E überdosiert. Ein Produkt überschritt sämtliche Vitamin- und Mineralstoff-Referenzwerte (Mulgatol Junior Gelee).

BfR-Referenzwerte überschritten:

  • Centrum Frisch & Fruchtig Lutschtabletten
  • Centrum Vita Soft Gums

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  • Das Originale Möllers Omega-3 Kids

  • Doppelherzsystem IMMUN MULTI-VITAMINE family

  • Doppelherzsystem ENERGIE Multivitamine family

  • GSE Kinder Vital Complex

  • MensSana Vitaldrink Kinder

  • naturafit Kinder vitamine mit Calcium

  • Orthomol junior C plus

  • Orthomol junior Omega plus

  • sanostol Lutschtabletten

Fast die Hälfte der Produkte überschritt zudem die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgeschlagenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, jedes fünfte lag an der Grenze.

Diese Überschreitung sehen die Verbraucherexperten besonders kritisch, weil die BfR-Höchstmengen erst für Menschen ab 15 Jahren vorgesehen sind. Die fettlöslichen Vitamine A oder D könnten sich so im Körper anreichern und Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit auslösen.

Bei dem Produkt „sanostol Lutschtabletten“ lag die Vitamin A-Zufuhr beispielsweise bei Einhaltung der Verzehrangaben fast um das 2,5-fache höher als die vom BfR für Nahrungsergänzungsmittel maximal empfohlene Tagesdosis von 200 μg.

Jedes zehnte Kind bekommt täglich Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel. Die Produkte vermitteln den Verbraucherschützern zufolge den Eindruck, dass sie die Abwehrkräfte stärken oder die Konzentrationsfähigkeit erhöhen.

„Getrieben durch die Werbung der Hersteller sind Eltern schnell in Sorge, dass der Nachwuchs zu wenig Nährstoffe aufnimmt, kränkelt oder in der Schule nicht mitkommt“, erklärte Ernährungsexpertin Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen. Deshalb griffen viele Eltern ungeachtet der Nachteile zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Die gesundheitsbezogenen Angaben auf den Verpackungen seien zwar überwiegend zulässig, dennoch vermittelten sie oft ein falsches Bild. Denn eine übermäßige Zufuhr von Nährstoffen führe nicht zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit oder Gehirnfunktion.

Die Verbraucherzentralen fordern vom Gesetzgeber verbindliche Höchstmengen für Nährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Vor allem Produkte in Form von Bonbons oder Bärchen bergen demnach „die Gefahr, mit Süßigkeiten verwechselt und in größeren Mengen verzehrt zu werden“. Außerdem schlagen die untersuchten Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 500 Euro pro Kind im Jahr zu Buche – ohne erwiesenen Nutzen, wie es weiter heißt.

„Kinder benötigen in der Regel keine Nahrungsergänzungen“, erklärte Müller. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft blieben Voraussetzung für eine gute Entwicklung. © afp/gie/aerzteblatt.de

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