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Medizin

„Universal-Anti­körper“ macht verschiedene Erreger unschädlich

Donnerstag, 17. Mai 2018

Klebsiella pneumoniae, ein häufiger Erreger von Krankenhausinfekten, unter dem Elektronenmikroskop. /dpa

Heidelberg – Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben erstmals Antikörper entdeckt, die nicht nur ein Bakterium, sondern verschiedene Mikroorganismen zugleich unschädlich machen können. Die monoklonalen Antikörper erkennen Lipopolysaccharide (LPS) auf der Oberfläche verschiedener Keime. So reicht eine begrenzte Zahl von Antikörpern aus, um eine große Vielfalt an Mikroorganismen in Mäusen zu kontrollieren. Die Ergebnisse wurden in Nature Immunology publiziert (2018, DOI: 10.1038/s41590-018-0106-2).

Mehr als ein Drittel aller Menschen sind mit Klebsiella pneumoniae besiedelt, die sich vor allem auf der Nasenschleimhaut und im Darm befinden. Bei Gesunden sind die Stäbchen­bakterien harmlos, nicht aber bei immun­geschwächten Menschen. Klebsiella pneumoniae ist ein häufiger Auslöser von Krankenhausinfektionen und zunehmend resistent gegen Antibiotika. Jedes Jahr erkranken etwa 400.000 bis 600.000 Menschen in Deutschland an einer Krankenhausinfektion, etwa 10.000 bis 15.000 sterben daran.

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Anhand der LPS lassen sich Bakterien in Untergruppen einteilen. Üblicherweise eliminiert ein Antikörper nur eine Untergruppe und bietet keinen Schutz vor anderen Mikroben. Doch bei Unter­suchungen mit dem Bakterium Kleb­siella pneumoniae stellten die Wissen­schaftler um Hedda Wardemann erstmals fest: Das Immunsystem bildet auch Antikörper, die verschiedene Mikroorganismen erkennen und neutralisieren.

Aus dem Blut von gesunden Personen gewannen die Wissenschaftler um Wardemann Antikörper gegen das Bakterium. „Diese Antikörper schützten vor verschiedenen Untergruppen von Klebsiella pneumoniae. Sie erkannten auch andere Bakterien und sogar bestimmte Hefen und Viren“, berichtet die DKFZ-Forscherin.

Der mögliche therapeutische Einsatz von Antikörpern gewinnt angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen an Bedeutung. Hedda Wardemann, DKFZ Heidelberg

Wie ihnen das gelingt, zeigte ein genauerer Blick auf die LPS-Strukturen. Alle Mikroorganismen trugen eine Struktur aus dem Zucker Mannose, an die sich die Klebsiella-Antikörper anheften konnten. Dass das Immunsystem diese „Universal-Antikörper“ gegen Klebsiella pneumoniae und andere Mikroorgansimen produzieren kann, war bislang unbekannt. „Der mögliche therapeutische Einsatz von Antikörpern gewinnt angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen an Bedeutung“, sagt Wardemann.

Krankenhausinfektionen werden nicht selten durch antibiotikaresistente Klebsiella pneumoniae verursacht. Bei Hochrisikogruppen, zum Beispiel Patienten mit geschwächtem Immunsystem, ließen sich Antikörper auch prophylaktisch einsetzen. Die Fähigkeit, verschiedene Erreger erkennen zu können, ist dabei entscheidend: „Bei einem Patienten mit akuter Sepsis – einer Blutvergiftung durch Bakterien – ist eine rasche Behandlung erforderlich“, erklärt Wardemann.

In ersten Untersuchungen haben sich die Klebsiella-Antikörper bereits als wirksam erwiesen: „Bei Mäusen waren die Antikörper in der Lage, verschiedene Untergruppen von Klebsiella zu neutralisieren und die Tiere zu schützen“, berichtet Wardemann. „Als nächstes sind weitere Tests notwendig, um den klinischen Nutzen der Antikörper auch bei Menschen zu zeigen.“ © gie/EB/aerzteblatt.de

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