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Hochschulen

Kunstprojekt „Erinnerungsweg“ an authentischen Orten

Donnerstag, 17. Mai 2018

/Petra Spielhagen

Berlin – Die Charité - Universitätsmedizin Berlin hat gestern den „Erinnerungsweg Remember“ auf dem Campus Mitte vorgestellt und eröffnet. Mit dem Kunstprojekt knüpft sie an ihre bereits bestehende Ausstellung „Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte“ an, die sich mit der institutseigenen Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt. Der Erinnerungsweg soll ein interaktives Denkmal setzen, das durch die Verknüpfung neuer Technologien mit zeitgenössischer Kunst die „schweigenden Erinnerungsorte der Charité zum Sprechen bringen soll“, so die Initiatoren.

Der Zugang zu den Kunstobjekten an sechs Standorten ist frei, Interessierte müssen sich vorher lediglich die kostenfreie App Remember herunterladen, um an den Metallstelen Zugang zur interaktiven Videokunst und Hintergrundinformationen zu erhalten. Die App lokalisiert in einer Kartenübersicht die Kunstobjekte und zeigt den Standort des Besuchers an.

Infos scannen

In unmittelbarer Nähe des Erinnerungsortes lässt sich über die Kamera des Smartphones oder Tablets das Objekt scannen, so dass geschichtliche Hintergründe über die Charité während der NS-Zeit als Audio-, Video- oder Textbeitrag zu sehen sind. Zum Thema Frauenheilkunde beispielsweise wird neben schriftlichen und ge­sprochenen Informationen auch ein Eindruck des damaligen ärztlichen Handelns über ein stummes Szenenspiel in einem 360-Grad-Video gezeigt.

Vor dem Hintergrund erbgesundheitlicher Bewertungen wurden im National­sozialismus Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen an Frauen vorgenommen – so auch an der Charité: Zwischen 1934 und 1944 wurden laut App mindestens 129 Zwangssterilisationen durchgeführt. Auch in der Kinderheilkunde schlug sich die Rassenideologie der Nationalsozialisten nieder: Unter anderem wurden an „erb­kranken“ und „bildungsunfähigen“ Kindern medizinische Experimente durchgeführt. An der Charité-Kinderklinik erprobte der damalige Direktor Georg Bessau Tuberkulose-Impfstoffe an Kindern, die als „lebensunwert“ abgestempelt wurden.

Neben den Greueltaten durch Ärzte geht der Erinnerungsweg auch auf die Aus­wirkungen von Repression und Verfolgung der an der Charité angestellten Wissen­schaftler und Ärzte ein. So soll das Projekt Besucher, aber auch Angestellte der Charité dazu anregen, innezuhalten und zu reflektieren – über die Geschichte des Instituts, aber auch die der Menschen und darüber, „wie leicht es möglich ist, von dem was man alltäglich tut, abzurutschen“, wie Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, am Eröffnungstag sagte.

Das Konzept des Erinnerungsweges stammt von der Künstlergruppe Remember. Sharon Paz, Jürgen Salzmann und Karl-Heinz Stenz laden Besucher auf eine Zeitreise ein, indem sie Originalschauplatz mit Gedenkskulptur und Videokunst verbinden. Neben der gestalterischen Herausforderung und dem Anspruch der Geschichtsvermittlung musste das Trio auch Hindernisse durch den Denkmalschutz überwinden. Die vor den Gebäuden aufgestellten Stelen fügen sich in das Gesamtbild des Campus ein und verbinden die Merkmale der Institute und ihrer Persönlichkeiten und Akteure.

Thomas Schnalke, Direktor des Medizinhistorischen Museums der Charité, freut sich über die Umsetzung, die dem Wunsch gerecht wurde, einen Ort der Erinnerung, aber auch der künstlerisch-emotionalen Anmutung zu schaffen: „Auf dem Erinnerungsweg geht es um sachliche Informationen und ein künstlerisches Argument, aber auch um ein würdiges Erinnern.“ © kk/aerzteblatt.de

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