NewsPolitikRegierung uneins über drittes Geschlecht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Regierung uneins über drittes Geschlecht

Dienstag, 22. Mai 2018

Berlin – In der Bundesregierung gibt es Kontroversen dazu, wie das Personenstandsrecht besser auf Menschen ohne eindeutiges biologisches Geschlecht zugeschnitten werden kann. Bundesjustizministerin Katarina Barley und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (beide SPD) blockieren dem Spiegel zufolge einen Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Darin sei vorgesehen, dass sich Menschen, die weder weiblich noch männlich sind, in Ausweispapieren künftig in der Kategorie „anderes“ eintragen lassen können.

Im Bundesjustiz- und -familienministerium halte man diese Bezeichnung, die auf eine Empfehlung des Ethikrats zurückgehe, für herabsetzend, schreibt der Spiegel. Barley bevorzuge den Begriff „weiteres“, Giffey wolle „divers“ oder „inter“. In einem Schreiben des Bundesjustizministeriums zu Seehofers Entwurf werde das Regelwerk als noch nicht ausgereift bezeichnet. Der Entwurf erzeuge ein Ungleichgewicht zwischen Inter- und Transsexuellen, für die Barley ein einheitliches Gesetz fordert.

Anzeige

Derzeit kennt das deutsche Personenstandsrecht nur die Optionen „weiblich“ oder „männlich“. Seit 2013 besteht zudem die Möglichkeit, den Eintrag offen zu lassen, wenn das Geschlecht eines Neugeborenen nicht eindeutig ist.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2017 entschieden, dass die Regelung gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot verstößt (1BvR 2019/16). Der Gesetzgeber muss das Recht deshalb bis Ende 2018 ändern, indem er einen dritten Geschlechtseintrag schafft – oder ganz darauf verzichtet.

Der Deutsche Ethikrat geht davon aus, dass es rund 80.000 Intersexuelle in Deutschland gibt. Bei ihnen sind die Geschlechtsmerkmale, also zum Beispiel Chromosomen, Hormone und Genitalien, nicht eindeutig ausgeprägt. Sie verfügen über männliche und weibliche Merkmale.

© dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. August 2019
Jakarta – Ärzte in Indonesien weigern sich, einen wegen Vergewaltigung mehrerer Kinder verurteilten Mann zwangsweise zu kastrieren. „Unsere Haltung ist klar. Dies wäre ein Verstoß gegen die Grundsätze
Ärzte in Indonesien verweigern Zwangskastration von Verurteiltem
21. August 2019
Köln – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nach einem intensiven Prüfprozess erneut zum WHO-Kollaborationszentrum für sexuelle und
BZgA erneut zum WHO-Kollaborationszentrum ernannt
9. August 2019
Berlin – Ein hoch-resistenter Stamm von Neisseria gonorrhoeae, bei dem auch das letzte einsetzbare Antibiotikum nicht sicher wirkt, hat möglicherweise Deutschland erreicht. Mitarbeiter des Robert
Gonorrhö: Gefährliche Azithromycin-Resistenz jetzt auch in Deutschland
4. Juli 2019
Würzburg – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sein Vorhaben verteidigt, sogenannte Konversionstherapien für Homosexuelle gesetzlich verbieten zu lassen. Homosexualität sei keine Krankheit
Spahn verteidigt Vorstoß zum Verbot von Konversionstherapien für Homosexuelle
24. Juni 2019
Silver Spring – Die subkutane Injektion eines Agonisten am Melanocortin-Rezeptor soll Frauen mit der Libidostörung HSDD („hypoactive sexual desire disorder“) zu einem befriedigenden Sexualleben
USA: Zweiter Wirkstoff für Libidostörungen von Frauen zugelassen
14. Juni 2019
Berlin – Die Geschlechtsangabe auf Formularen wird zum 1. Oktober angepasst. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. Hintergrund ist die Vorgabe im Personenstandsgesetz
Geschlechtsangabe auf Formularen geändert
14. Juni 2019
Madrid – Spanien reagiert mit einer Kondom-Kampagne auf den Anstieg sexuell übertragbarer Krankheiten. Das spanische Ge­sund­heits­mi­nis­terium erklärte gestern, es werde von Montag an Anzeigen und Videos
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER