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Nicht alle Wissenschaftler teilen ihre Ergebnisse schon vor der Publikation

Mittwoch, 23. Mai 2018

Die Bereitschaft, wissenschaftliche Erkenntnisse vor der Publikation zu veröffentlichen, unterscheidet sich zwischen Fachdisziplinen. /kasto, stock.adobe.com

Cambridge/Passau – Wer seine Studienresultate noch vor der Publikation der Öffentlichkeit präsentiert, riskiert damit, anderen konkurrierenden Forschern einen Vorteil zu verschaffen. Dennoch entscheiden sich in der Praxis sieben von neun Fachgebiete mehrheitlich für die Vorabpublikation – Mediziner eingeschlossen. Sie erhoffen sich davon unter anderem Feedback und Anerkennung, aber auch, neue Kooperationspartner und andere Forscher für das Gebiet zu begeistern. 70 Prozent der Unterschiede zwischen den Fachdisziplinen lassen sich durch drei Faktoren erklären: Normen, Kommerzialisierungstendenz und Wettbewerbsintensität.

Von 7.103 befragten Forschern aus neun Disziplinen gaben 67,2 Prozent an, ihre Ergebnisse bereits vor der Publikation preiszugeben. Das berichten Forscher aus den USA und von der Universität Passau in Science Advances (2018; doi: 10.1126/sciadv.aar2133). Etwa 40 Prozent präsentiert die neuen Erkenntnisse, sobald deren Validität abgesichert ist – auch Mediziner liegen hier im Durchschnitt. 21,4 Prozent gehen erst dann an die Öffentlichkeit, wenn andere Forschergruppen Ergebnisse zum gleichen Thema präsentieren.

Somit bleibt etwa ein Drittel der Befragten übrig, die ihre Studien nicht vorab publizieren. In Zurückhaltung üben sich vor allem Forscher aus Computer- und Ingenieurswissenschaften. Am frühesten gehen Sozialwissenschaftler an die Öffentlichkeit, meist schon dann, wenn sich ihr Projekt noch in der Konzeption befindet.

Unter ihnen finden sich prozentual auch die meisten Forscher, die ihr Ergebnisse vorab zur Verfügung stellen. Mehr als doppelt so viele Befürworter wie Gegner einer Vorab­publikation konnte die Umfrage unter Mathematikern ausmachen. Weniger klar fällt der Vorsprung der Befürworter unter den befragten klinisch forschenden Medizinern aus, die Ergebnisse vorab veröffentlichen. Noch weiter schrumpft der Anteil der Befürworter bei den medizinischen Grundlagenforschern.

Vorabpublikation hat unterschiedliche Beweggründe

Mathematiker und Computerwissenschaftler erhoffen sich von einer Vorabpublikation vor allem Unterstützung von anderen Forschern, ungelöste Fragestellungen anzugehen. Kooperationspartner zu finden steht für Computerwissenschaftler, Ingenieure und Mediziner an erster Stelle – für Sozialwissenschaftler hat dieser Nebeneffekt der Vorabpublikation hingegen kaum Relevanz.

Dass sich Mathematiker, Biologen, Mediziner und Ingenieure unterscheiden, würde häufig betont und als Hinderungsgrund für interdisziplinäre Kooperation angeführt, erklärt die Autorin Carolin Häussler, Lehrstuhlinhaberin für Organisation, Technologie­mangement und Entrepreneurship an der Universität Passau. „Wir sehen auch tatsächlich in der Bereitschaft, wissenschaftliche Erkenntnisse offenzulegen, große Unterschiede zwischen den Disziplinen.“

Interessant sei allerdings, dass diese Unterscheide im Wesentlichen auf Umfeld­faktoren wie Wettbewerbsintensität, Kommerzialisierungsmöglichkeit und gelebte Normen zurückzuführen seien, so Häussler weiter. Kurzum: „Setzen wir eine Mathematikerin in das Feld eines Ingenieurs oder Biologen, würden sie sich im Hinblick auf die Weitergabe ihrer Erkenntnisse kaum unterscheiden“, sagt Häussler. Die Studie sei ein wichtiger Schritt, um fachgebiets­spezifische Unterschiede und deren Hintergründe zu verstehen, ist die Forscherin aus Passau überzeugt. © gie/aerzteblatt.de

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