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Medizin

Metaanalyse: Jeder vierte Migrant hat antibiotika­resistente Bakterien

Mittwoch, 23. Mai 2018

/pictprofi, stockadobecom

London – Migranten haben während ihrer Reise durch Hochendemie-Länder aber auch in den Unterkünften in den Zielländern offenbar ein erhöhtes Risiko, sich multiresistente Keime einzufangen. Laut einer Übersicht und Metaanalyse in Lancet Infectious Diseases (2018; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30219-6) ist in Europa jeder vierte Migrant mit resistenten Bakterien besiedelt oder infiziert. Für eine Ansteckung der einheimischen Bevölkerung fand die Studie keine Hinweise.

Viele Flüchtlinge haben Länder durchquert, in denen Antibiotikaresistenzen häufig sind. So sind in Griechenland 39,2 % aller Staphylococcus-aureus-Isolate, die in Laboren untersucht werden, auf Methicillin resistent (MRSA). In Italien liegt der Anteil bei 34,1 %, in Spanien bei 25,3 %. Auch E. coli und K. pneumoniae weisen häufig kombinierte Resistenzen auf (10,7 % in Griechenland, 18,6 % in Italien und 5,5 % in Spanien).

Bei ihrem Transit unter hygienisch prekären Verhältnissen können sich die körperlich geschwächten Flüchtlinge leicht infizieren. Das Problem ist bekannt, und in den letzten Jahren wurden in verschiedenen Ländern Untersuchungen zur Verbreitung von resis­tenten Keimen bei Flüchtlingen durchgeführt. Laura Nellums vom Imperial College London und Mitarbeiter haben jetzt die Ergebnisse aus 23 Beobachtungsstudien (darunter 7 aus Deutschland) zusammengefasst.

Die gepoolte Prävalenz einer Besiedlung oder Infektion mit multiresistenten Keimen betrug in der Gesamtgruppe der Migranten 25,4 %, bei Flüchtlingen oder Asyl­suchenden sogar 33,0 %. Die Migranten waren zu 3 % mit den resistenten Erregern infiziert, bei den anderen 23 % lag eine asymptomatische Besiedlung vor.

Die Migranten könnten sich natürlich bereits in den Herkunftsländern infiziert haben, in denen die Antibiotikaresistenzen ebenfalls weit verbreitet sind. Die Ergebnisse aus 3 Studien, in denen die Erreger genetisch untersucht wurden, sprechen jedoch dafür, dass die Erreger eher aus den südeuropäischen Transitländern stammen.

Eine weitere wichtige Infektionsquelle sind nach Einschätzung von Nellums die Unterkünfte in den Zielländern, wo die Migranten häufig auf engem Raum zusammen leben. Die Segregation der Migranten in Lagern, Transitzentren oder Haftanstalten könnte andererseits verhindert haben, dass die multiresistenten Erreger auf die einheimische Bevölkerung übertragen wurden. Dafür gebe es, wie Nellums versichert, keine Hinweise. © rme/aerzteblatt.de

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