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Vermischtes

Übergewicht könnte Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen werden

Mittwoch, 23. Mai 2018

/dpa

Kassel – Übergewicht könnte künftig Tabakmissbrauch als Hauptrisikofaktor für Tumorerkrankungen ablösen. Das berichten Ernährungsmediziner und Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM). Ein zu hohes Gewicht und geringe körperliche Aktivität seien Risikofaktoren für viele Krebserkrankungen.

Bestimmte Tumorarten wie Brustkrebs nach den Wechseljahren, Eierstock- oder Gebärmutterhalskrebs aber auch Dickdarm- und Prostatakrebs träten bei über­gewichtigen Menschen verstärkt auf. So sei die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, für stark übergewichtige Frauen – mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35 – um ungefähr 90 Prozent erhöht.

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Bewusstsein stärken

„Zu viel Essen, zu wenig Bewegung und daraus resultierendes Übergewicht haben einen größeren Einfluss auf die Entstehung und das Voranschreiten von Tumor­erkrankungen als Nikotinkonsum“, erklärte Hartmut Bertz, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I (Hämatologie/Onkologie/Stammzelltransplantation) am Universitäts­klinikum Freiburg und Sektionsleiter Ernährungsmedizin und Diätetik. „Gewichts­zunahme könnte Rauchen daher als Hauptrisikofaktor für Krebs bald ablösen“, so Bertz.

Übergewicht steigere zudem das Risiko für das Wiederauftreten eines Tumors. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziere dagegen die Gefahr, an Krebs zu erkranken oder ein Rezidiv zu bekommen. „Dass Übergewicht und Bewegungsmangel schlecht für Herz und Kreislauf sind, ist allgemein bekannt“, so Bertz. „Wir wollen die bekannten negativen Auswirkungen auf Tumorerkrankungen aber noch stärker in das Bewusstsein von Ärzten und Bevölkerung bringen“, betonte der Experte für Ernährung in der Onkologie.

Auch bei einer bestehenden Krebserkrankung können Mangelernährung und Gewichtsverlust schwerwiegende Folgen haben: Sie schwächen den Patienten und wirken sich negativ auf Operationserfolg, Chemotherapie, Prognose und die Lebensqualität aus. „Jährlich sterben allein 20 bis 30 Prozent aller Krebspatienten nicht an ihrer Grunderkrankung, sondern an den Folgen ihrer Mangelernährung“, sagte Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik der DRK-Kliniken Nordhessen und Experte für Mangelernährung.

Löser ist auch Präsident des Kongresses „Ernährung 2018“ im Juni in Kassel. Tumor­patienten profitierten enorm von einer individuellen ernährungsmedizinischen Betreuung und bewegungstherapeutischen Maßnahmen. „Wichtig ist, dass diese Maßnahmen bereits frühzeitig starten und nicht erst dann, wenn sich der Patient bereits in einem Stadium der Kachexie befindet“, betonte Bertz. © hil/aerzteblatt.de

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