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Medizin

Intensivere Nachsorge senkt Sterberate bei Darmkrebs in Studien nicht

Freitag, 25. Mai 2018

/dpa

Aarhus/Houston – Eine intensivierte Nachsorge mit engmaschiger Bestimmung des Tumormarkers CEA und radiologischen Untersuchungen hat in einer randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2095–2103) die Sterblichkeit nicht gesenkt. Auch in einer Kohortentudie (JAMA 2018; 319: 2104–2115) waren keine Vorteile für ein intensiveres Screening erkennbar.

Die Überlebensraten beim kolorektalen Karzinom, der in entwickelten Ländern zweithäufigsten Krebserkrankung, haben sich in den vergangenen Jahren gebessert. Etwa zwei Drittel der Patienten überleben mindestens 5 Jahre. Die gute Prognose ist neben der Früherkennung und der Therapie auch der Nachsorge zu verdanken, da ein Rezidiv bei rechtzeitiger Entdeckung kurativ entfernt werden kann.

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Über die Art und die Häufigkeit der Nachsorge besteht international kein Konsens. In Skandinavien bilden die regelmäßige Bestimmung des Tumormarkers CEA (wie in Deutschland) und regelmäßige Computertomographien (CT, in Deutschland eher Sonographie und Koloskopie) die Säulen der Nachsorge.

Die COLOFOL-Studie hat in 24 Zentren in Dänemark, Schweden und Uruguay an 2.509 Patienten mit einem Kolorektalkarzinom in den Stadien II und III 2 Strategien verglichen. Eine hochintensive Nachsorge bestand aus CEA-Tests und CTs von Thorax und Abdomen, die 6, 12, 18, 24 und 36 Monate nach der chirurgischen Resektion durchgeführt wurde. Dem wurde eine niedrigintensive Nachsorge mit CEA und CT nach 12 und 36 Monaten gegenübergestellt. In beiden Gruppen konnten außerdem Endoskopien nach Belieben der Ärzte durchgeführt werden.

Wie das Team um Henrik Sørensen von der Universitätsklinik in Aarhus berichtet, waren die Ergebnisse in beiden Gruppen nahezu identisch. In der Intention-to-Treat-Analyse, die alle Studienteilnehmer umfasst, also auch jene, die nicht an allen Untersuchungen teilnahmen, betrug die 5-Jahres-Mortalität in der Gruppe mit hochintensiver Nachsorge 13,0 % und in der Gruppe mit niedriger Intensität der Nachsorge 14,1 %. Die Differenz von 1,1 % war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 1,6 % bis 3,8 % nicht signifikant.

In der Per-Protokoll-Analyse, die nur Patienten umfasst, die an allen Nachsorge­terminen teilnahmen, betrug der Unterschied in der Mortalität 1,2 % und war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 1,6 % bis 4 % nicht signifikant.

Laut Sørensen gab es auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Überwachungsstrategien in der krebsspezifischen Mortalität (Risikodifferenz nach 5 Jahren 0,8 %; minus 1,7 % bis 3,3 %) oder in der Häufigkeit von Rezidiven (Risikodifferenz 2,2 %; minus 1,0 % bis 5,4 %). Subgruppenanalysen fanden auch bei Patienten im Stadium III oder beim Rektumkarzinom (in denen das Rezidivrisiko insgesamt höher ist) keine Vorteile für die hochintensive Nachsorge.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt ein Team um George Chang vom MD Anderson Cancer Center in Houston in einer Analyse der US-National Cancer Database, die Daten zu mehr als 70 % aller Krebserkrankungen in den USA sammelt. Die Forscher stellten in einer Stichprobe von 8.529 Patienten 2 Gruppen gegenüber. Bei der ersten Gruppe waren an Kliniken mit einer intensiven Nachsorge im Durchschnitt 2,9 bildgebende Untersuchungen (CT, MRT, PET) und 4,3 CEA-Bestimmungen durchgeführt worden. In der zweiten Gruppe waren es Kliniken mit einer weniger intensiven Nachsorge im Durchschnitt 1,6 bildgebende Untersuchungen und 1,6 CEA-Tests.

Wie in der COLOFOL-Studie wurden keine Unterschiede gefunden. Die mediane Dauer bis zum Nachweis eines Rezidivs betrug nach hochintensiver Bildgebung 15,1 Monate verglichen mit 16 Monaten in der Gruppe mit niedriger Intensität. Auch die Häufigkeit des CEA-Screenings hatte keinen Einfluss auf die Diagnose der Rezidive: In der hochintensiven CEA-Testgruppe vergingen im Mittel 15,9 Monate und bei niedriger Intensität 15,3 Monate.

Die Überlebensraten unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen ebenfalls nicht: Nach 5 Jahren lebten in beiden Gruppen noch 73,7 % der Patienten. Nach 7 Jahren waren es nach hochintensiver Nachsorge 65,6 % und nach niedrigintensiver Nachsorge 65,5 %.

Die gute Prognose bei Darmkrebs könnte ein Grund für den nicht nachgewiesenen Nutzen einer intensivierten Nachsorge sein, die den Patienten mit zahlreichen Terminen und beim CT auch mit einer gewissen Strahlendosis belastet. Für die Versicherer ist sie mit hohen Kosten verbunden. © rme/aerzteblatt.de

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