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Medizin

Weniger fossile Kraftwerke führen zu mehr und gesünderen Babys

Donnerstag, 24. Mai 2018

/dpa

Berkeley – Das Abschalten von 8 Öl- beziehungsweise Kohlekraftwerken hat in Kalifornien zu einer Steigerung der Fertilität und zu einem Rückgang der Frühgeburten geführt. Dies geht aus 2 epidemiologischen Untersuchungen in Environmental Health (2018; 17: 44) und dem American Journal of Epidemiology (2018; doi: 10.1093/aje/kwy110) hervor.

Fossile Kraftwerke emittieren Feinstaub, Schwefeldioxid, Benzol, Blei, Quecksilber und andere Stoffe, die von der Bevölkerung in der Umgebung eingeatmet werden. Dies erhöht möglicherweise nicht nur das Risiko auf Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es könnte auch Auswirkungen auf den Verlauf von Schwangerschaften geben.

In Kalifornien wurden zwischen 2001 und 2011 2 Kohle- und 8 Ölkraftwerke abgeschaltet. Der Stickstoffausstoß verminderte sich von 177 auf 4 Tonnen und die Feinstaubkonzentration nahm im Umkreis von 20 km ab. Die Kraftwerke befanden sich in der Nähe von bewohnten Gebieten.

Die Analyse von 57.005 Geburten zeigte, dass es nach dem Abschalten der einzelnen Kraftwerke jeweils zu einem Rückgang der Frühgeburten kam. Wie Joan Casey von der Universität von Berkeley und Mitarbeiter berichten, lag der Anteil der Kinder, die vor der Stilllegung der Kraftwerke vor der 37. Woche geboren wurden, bei 7,0 %. In den ersten Jahren danach sank er auf 5,1 %. Bei den Afroamerikanern und Asiatinnen kam es zu einem Rückgang von 14,4 auf 11,3 %.

Weitere Analysen ergaben, dass die Auswirkungen in den Regionen, die sich im Windschatten der Kraftwerke befanden, ausgeprägter waren und eine negative Kontrolle ergab, dass sich die Frühgeburtenrate in der Nähe von fossilen Kraftwerken, die nicht abgeschaltet wurden, nicht veränderte.

In einer weiteren Untersuchung kann Casey zeigen, dass die Fertilität der Bevölkerung nach dem Abschalten der Kraftwerke gestiegen ist. Im Umkreis von 5 km kam es auf 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter zu 8 zusätzlichen Geburten (51 statt 43 Geburten pro 1.000 Frauen). In der Umgebung von 5 bis 10 km kam es zu 2 zusätzlichen Geburten (47 versus 45 Geburten pro 1.000 Frauen). Casey ermittelt eine Inzidenzrate von 1,2 (95-%-Konfidenzintervall 1,1–1,4) beziehungsweise 1,1 (1,0–1,2).

Die Konsistenz der Ergebnisse und die Dosisabhängigkeit mit einer stärkeren Auswirkung in zunehmender Nähe zum Kraftwerk spricht laut Casey für eine kausale Beziehung. © rme/aerzteblatt.de

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Adolar
am Donnerstag, 24. Mai 2018, 22:20

Da sind ja die Amerikaner zu beglückwünschen,

daß diese offensichtlich katastrophalen Dreckschleudern abgeschaltet wurden. Wie sie jetzt ihren Strom kriegen, und was das für Auswirkungen hat/ haben kann, steht nicht im Artikel und wurde wohl noch nicht richtig untersucht. Nützlich ist der Artikel in Deutschland sowieso fast) nicht, weil das Land überwiegend nicht im Immissionsbereich von solchen Kraftwerken liegt. Demnach müßte bei uns die "Fertilität" schon lange in ungeahnten Höhen sein...

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