NewsVermischtesWie Ärzte gesund bleiben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Wie Ärzte gesund bleiben

Donnerstag, 24. Mai 2018

/dpa

Rochester – Gesunde Ärzte können ihren Patienten am besten dienen. Eine sinnhafte Arbeit, gute Beziehungen zu den Patienten, positive Teamstrukturen und soziale Bindungen am Arbeitsplatz sind wichtige Faktoren für das Wohlbefinden der Ärzte. Daran erinnern Autoren um Colin West von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, im Journal of the American Medical Association (JAMA 2018; doi: 10.1001/jama.2018.1331).

Allerdings seien Probleme wie Unzufriedenheit, Burnout-Symptome, „relativ hohe Depressionsraten“ und ein erhöhtes Selbstmordrisiko für Ärzte weit verbreitet. „Diese Probleme sind mit suboptimaler Patientenversorgung, geringerer Patienten­zufriedenheit, vermindertem Zugang zur Versorgung und erhöhten Gesundheitskosten verbunden“, schreiben die Autoren in der Rubrik „Opinion“ des JAMA

Anzeige

Sie haben daher eine Charta mit Leitsätzen und Schlüsselverpflichtungen entwickelt, um das Wohlbefinden von Ärzten zu fördern. Diese Charta umfasst drei große Abschnitte: den gesellschaftlichen Anteil, den Anteil der Organisation, in welcher die Ärzte arbeiten, und den individuellen Anteil. 

Gesellschaftlicher Anteil

„Politik und Regeln auf nationaler Ebene wirken sich auf das Wohlbefinden der Ärzte vor Ort aus“, heißt es in der Charta. Eine produktivitätsorientierte Vergütung erhöhe zum Beispiel die Anforderungen an die Dokumentation und die Arbeitsplatzstruktur des Arztes und trage so zu einem erhöhten Arbeitsaufwand und Verwaltungsaufwand bei. Richtlinien könnten aber auch die regulatorischen und dokumentarischen Anforderungen besser an die klinische Tätigkeit anpassen und übermäßige Verwaltungsarbeit reduzieren.

Anteil der Organisation, in der Ärzte arbeiten

Hier gehe es zunächst darum, sinnvolle Unterstützungssysteme für Ärzte zu etablieren. Dazu gehörten auch angemessene Übungsressourcen und Möglichkeiten, um das Tempo und den Umfang der Arbeit zu steuern. Technologische Innovationen könnten dazu beitragen, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Entscheidend sei außerdem eine angemessene Personalausstattung, Regelungen für den Familienurlaub, Flexi­bilität bei der Freizeitgestaltung zur Berücksichtigung von Interessen und Pflichten außerhalb der Arbeit sowie die Integration der administrativen Zeit in den Klinikplan.

Darüber hinaus könnten Organisationen gesunde Entscheidungen fördern, indem sie gesunde Lebensmittel und Bewegungseinrichtungen am oder in der Nähe des Arbeitsplatzes bereitstellten und Anreize für die Teilnahme an Lifestyle-Initiativen schüfen, zum Beispiel an Fitnessprogrammen.

Eine besondere Rolle spielen laut der Charta die Führungskräfte innerhalb von Organisationen. Sie sollten der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Ärzten in ihrem Team eine hohe Priorität einräumen, zum Beispiel indem sie Elemente des betrieblichen Gesundheitsmanagements etablierten. „Durch die Förderung von Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung und gemeinsamen Entscheidungsfindung können Führungskräfte Engagement aufbauen und eine gesündere, produktivere Belegschaft entwickeln“, schreiben die Autoren der Charta. 

Gute Führungskräfte optimierten die Patientenversorgung, indem sie Ärzte und andere Teammitglieder in die Lage versetzten, die Arbeit zu verrichten, für die sie speziell ausgebildet seien. Teambasierte Trainings- und Community-Building-Aktivitäten bereicherten die interprofessionelle Zusammenarbeit. Darüber hinaus könnten Organisationen die Burnout-Gefahr für alle Mitglieder des Gesundheitsteams lindern, indem sie Personalmodelle entwürfen und Initiativen zur Prozessverbesserung einsetzten, um die Arbeitsbelastung den Erwartungen anzupassen und die Arbeits­intensität zu steuern.

Individueller Anteil

Wichtig sei, als Arzt auf Herausforderungen vorbereitet zu sein, die sich mit großer Sicherheit einstellen werden, zum Beispiel Todesfälle von Patienten und die Belastung durch menschliche Schmerzen und Ängste. Mediziner sollten bereits in ihrer Ausbildung Bewältigungsstrategien für solche Erfahrungen erlernen.

Auch während des Berufsalltags sollte psychologische Unterstützung möglich sein – als Mittel zur Unterstützung und Optimierung der ärztlichen Leistungen und nicht nur als Reaktion auf Krisen. „Üben und fördern Sie die Selbstpflege“, schreiben die Autoren weiter. Organisationen und Ausbildungsprogramme könnten entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten und Ressourcen bereitstellen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. Juni 2019
Berlin – Rund jeder zweite Beschäftigte in Deutschland arbeitet häufig in ungesunden Körperhaltungen. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, wie das
Viele Menschen arbeiten in ungesunder Körperhaltung
20. Juni 2019
Berlin – Der Anteil der Betriebe mit Unterstützung durch einen Betriebsarzt ist von 2011 auf 2015 von 40 Prozent auf 35 Prozent gesunken. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine
Weniger Beschäftigte durch Betriebsärzte versorgt
13. Juni 2019
München – Betriebsärzte können im Rahmen der gesetzlich verankerten arbeitsmedizinischen Vorsorge und der betrieblichen Prävention mehr als 45 Millionen arbeitende Menschen in Deutschland ansprechen
Betriebsärzte erreichen Millionen Menschen mit Prävention
11. Juni 2019
Berlin – Die Ersatzkassen in Deutschland haben ein Konzept zur betrieblichen Gesund­heits­förder­ung in den Pflegeberufen entwickelt. Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen in Deutschland, die
Kassen wollen Gesundheit in Pflegeberufen verbessern
11. Juni 2019
Köln – Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) warnt davor, wegen zu vieler Aufgaben auf regelmäßige Erholungspausen im Arbeitsalltag zu verzichten. „Dauerbelastung
Regelmäßige Arbeitspausen laut Berufsgenossenschaft unverzichtbar
28. Mai 2019
Dortmund – Immer mehr Beschäftigte sind durch neue Technologien einer gepulsten inkohärenten UV-Strahlung ausgesetzt. Ihr Schädigungspotenzial für die Haut hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Gepulste UV-Strahlung für die Haut wohl nicht schädlicher als kontinuierliche UV-Bestrahlung
23. Mai 2019
Berlin – Employer Branding, Medienkooperationen, Sexyness und digital dating – solche Begriffe fielen unter anderen im Rahmen des Vortrages „Krankenhäusern online ein Gesicht geben“ auf dem
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER