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Medizin

Rauchstopp im Betrieb: Finanzielle Anreize effektiver als E-Zigaretten

Freitag, 25. Mai 2018

/methaphum, stockadobecom

Philadelphia – Die kostenlose Abgabe von Nikotinpflastern oder anderen Medikamenten hat in einer pragmatischen Studie zur betrieblichen Raucher­entwöhnung weitgehend versagt. Auch das Angebot freier E-Zigaretten konnte nur wenigen Mitarbeitern zur Abstinenz verhelfen. Am erfolgreichsten waren finanzielle Anreize. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten Studie, die auf der Jahrestagung der American Thoracic Society in San Diego vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2018; doi: 10.1056/NEJMsa1715757) publiziert wurden.

In den USA bieten nicht wenige Unternehmen ihren Mitarbeitern Programme zur Raucherentwöhnung an, um spätere Behandlungskosten durch die meist betrieblich geförderte Kran­ken­ver­siche­rung zu vermeiden. Die besten Ergebnisse wurden in früheren Studien durch finanzielle Anreize erzielt. Den Mitarbeitern wird ein Bonus versprochen, wenn es ihnen gelingt, ein halbes Jahr auf Zigaretten zu verzichten. Noch effektiver ist ein Gelddepot, das für die Angestellten zu Beginn des Rauchstopps eingezahlt wird, auf das sie jedoch erst Zugriff haben, wenn sie abstinent bleiben. Die neueste Idee zur Raucherentwöhnung ist die kostenlose Abgabe von E-Zigaretten, mit denen die Raucher nicht nur die Droge Nikotin erhalten, sondern auch die Gewohnheit der Inhalation beibehalten können.

Das „Vitality Institute“, ein internationaler Anbieter von Präventionsprogrammen für Unternehmen, hat die einzelnen Ansätze jetzt in einer randomisierten Studie vergleichen, an der sich 54 US-amerikanische Unternehmen beteiligten. Zunächst wurden 6.131 Mitarbeiter per E-Mail auf die betriebliche Raucher­entwöhnung aufmerksam gemacht.

Das Programm war freiwillig, wer nicht teilnehmen wollte, musste dies allerdings aktiv erklären („Opt-Out“). Diesen „Ausgang“ nutzten nur weniger Mitarbeiter, sodass 6.006 Angestellte auf die 5 Gruppen der Studie randomisiert werden konnten. Dies war einmal die kostenlose Abgabe von Entwöhnungshilfen wie Nikotinersatzmittel (Pflaster oder Kaugummi) oder Medikamenten mit den Wirkstoffen Bupropion oder Vareniclin. Der zweiten Gruppe wurden kostenlose E-Zigaretten angeboten.

Den Teilnehmern der dritten Gruppe wurde neben der kostenlosen Abgabe von Entwöhnungshilfen eine Belohnung von 600 US-Dollar in Aussicht gestellt, wenn sie abstinent blieben. In der vierten Gruppe wurde dieser Beitrag gleich zu Beginn auf ein Konto des Teilnehmers überwiesen. Einen Zugriff auf „ihr“ Geld sollten sie aber erst erhalten, wenn sie abstinent blieben. Diese Gruppe hatte ebenfalls kostenlosen Zugriff auf Entwöhnungshilfen. Die fünfte Studiengruppe erhielt keinerlei Unterstützung.

Die Abstinenz wurde nach 1, 3 und 6 Monaten durch Befragung sowie durch Urinproben überprüft. Gefordert wurde ein Cotininwert von unter 20 ng/ml. Bei Teilnehmern, die Nikotinersatzmittel verwendeten, wurde ein Test auf Anabasin (einem Alkaloid der Tabakpflanze) oder ein Anteil des Carboxyhämoglobins von unter 4 % als Nachweis der Abstinenz akzeptiert.

Die Ergebnisse waren insgesamt enttäuschend. In der Gruppe, denen kostenlose Entwöhnungshilfen angeboten wurden, schafften nur 0,5 % den Rauchstopp. In der Gruppe, denen kostenlose E-Zigaretten angeboten wurden, waren es 1,0 %. Die Aussicht auf eine finanzielle Belohnung verhalf 2,0 % zur Abstinenz. Die Angst vor dem Verlust des Depots war für 2,9 % Motiv genug für den Verzicht auf Zigaretten. In der Kontrollgruppe lag die Abstinenzrate bei 0,1 %.

Wie Scott Halpern von der Perelman School of Medicine in Philadelphia und Mitarbeiter berichten, waren die Abstinenzraten nur in den Gruppen mit den finan­ziellen Anreizen signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Für die Entwöhnungshilfen und die E-Zigaretten konnte ein Nutzen nicht sicher nachgewiesen werden.

Etwas besser waren die Ergebnisse in einer Untergruppe von 1.191 Teilnehmern, die durch den Besuch einer Website ihr aktives Interesse an dem Programm signalisiert hatten: Von diesen erreichten 2,9 % mit Entwöhnungshilfen und 4,8 % mit freien E-Zigaretten das Abstinenzziel. In der Belohnungsgruppe waren es 9,5 % und bei den Besitzern des einlösbaren Depots sogar 12,7 %. Auch hier waren die Unterschiede zur Kontrollgruppe, wo die Abstinenzrate 0,7 % betrug, nur für die beiden finanziellen Anreize signifikant.

Halpern ermittelte eine Odds Ratio von 4,85 (95-%-Konfidenzintervall 2,21–10,67) für den Vergleich der Depotinhaber zu den Entwöhnungshilfen und von 2,93 (1,49–5,79) für den Vergleich der Depotinhaber zu den E-Zigaretten. Für die Belohnungen betrug die Odds Ratio 3,47 (1,53–7,87) im Vergleich zu den Entwöhnungshilfen.

Unter dem Strich kann man sagen, dass die finanziellen Anreize (mindestens) dreimal so effektiv waren wie Entwöhnungshilfen oder auch E-Zigaretten, die deshalb für die betriebliche Raucherentwöhnung nicht geeignet sind.

Interessant ist auch ein Blick auf die Kosten: Pro Teilnehmer mussten die Unternehmen 101 US-Dollar für jeden Teilnehmer ausgeben oder 3.461 US-Dollar pro erfolgreiche Abstinenz. Die Belohnung kostete 73 US-Dollar beziehungsweise 3.523 US-Dollar pro erfolgreiche Abstinenz. Für E-Zigaretten wurden im Durchschnitt 54 US-Dollar pro Teilnehmer oder 5.416 US-Dollar pro erfolgreiche Abstinenz ausgegeben. Bei der alleinigen Abgabe von Entwöhnungshilfen waren es 40 US-Dollar beziehungsweise 7.798 US-Dollar.

Vor dem Hintergrund der Kosten durch die Behandlung von Krankheiten und die Krankschreibung von Mitarbeitern dürften sich die Abstinenzprogramme für die Unternehmen lohnen (sofern die Mitarbeiter nicht wieder rückfällig werden). © rme/aerzteblatt.de

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