NewsMedizinFast kein Nahrungs­ergänzungsmittel senkt das Risiko für Herzkrankheiten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Fast kein Nahrungs­ergänzungsmittel senkt das Risiko für Herzkrankheiten

Dienstag, 29. Mai 2018

Auch auf den Etiketten mehrerer Vitamin-Mehrfruchtsäfte wird auf ein Plus an Antioxidaten, Folsäure und Vitaminen hingewiesen. /dpa
Auch auf den Etiketten mehrerer Vitamin-Mehrfruchtsäfte wird auf ein Plus an Antioxidaten, Folsäure und Vitaminen hingewiesen. /dpa

Toronto – Einige Vitamin- und Mineralstoffpräparate versprechen, Herzkrankheiten vorzubeugen oder die Therapie zu unterstützen. Der Beweis dafür ist jedoch noch nicht gelungen, wie eine Übersichtsarbeit im Journal des American College of Cardiology (JACC) zusammenfasst (2018; doi: 10.1016/j.jacc.2018.04.020). Eine Ausnahme haben die Forscher der University of Toronto aber gefunden: Folsäure kann Studien zufolge das Schlaganfallrisiko verringern.

Untersucht wurden 179 randomisierte kontrollierte Studien zur Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen, die zwischen Januar 2012 bis Oktober 2017 veröffent­licht wurden. Somit berücksichtigt die Übersichtsarbeit Studien, die vor und nach den Leitlinien der US-amerikanischen Preventive Services Task Force 2013 erschienen sind. Dabei handelt es sich um Empfehlungen zur Verwendung von Vitaminen, Mineral­stoffen und Multivitaminen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Anzeige

Gut die Hälfte der Bevölkerung setzt laut einer nationalen Umfrage im Jahr 2012 auf Nahrungsergänzungsmittel. Auch in Deutschland steigt die Nachfrage, im Jahr 2016 um 4,4 %. Insgesamt erwarben Verbraucher somit 165 Millionen Packungen.

Quelle: QuintilesIMS

Die Forscher fanden heraus, dass häufig verwendete Nahrungsergänzungs­mittel – Multivitamin, Vitamin D, Calcium, Vitamin C, Beta-Karotin und Selen – keinen Nutzen für die Präven­tion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Myokardinfarkten oder Schlaganfällen zeigten und auch die Gesamtmortalität nicht positiv beeinflussten. Folsäure allein und B-Vitamine, in denen Folsäure eine Komponente war, zeigten eine Reduktion des Schlaganfalls; Niacin (Vitamin B3) und Antioxidantien waren hingegen mit einem erhöhten Risiko der Gesamtmortalität um 10 % beziehungsweise 6 % (p = 0,05) assoziiert. Diese Ergebnisse beruhten für Vitamin B3 auf 3 randomisiert kontrollierten Studien (RCT), für Antioxidantien auf 21 RCTs.

Folsäure ist die einzige Ausnahme

Die einzige Ausnahme ist der Nutzen von Folsäure zur Schlaganfallprävention. Eine 2015 erschienene Veröffentlichung aus dem China Stroke Primary Prevention Trial (CSPPT) zeigte, dass Folsäureergänzungen kardiovaskuläre Erkrankungen und das Schlaganfallrisiko verringern können. Die aktuelle Übersichtsarbeit zeigte eine Reduktion des Schlaganfalls um 20 % allein mit Folsäure.

Hypertonie: Folsäure beugt in klinischer Studie Schlaganfällen vor

Peking – Der Zusatz von Folsäure zur antihypertensiven Therapie hat in einer Studie in China, wo es wie in Deutschland keine Folsäure-Anreicherung gibt, die Rate von Schlaganfällen signifikant gesenkt. Die größte Wirkung wurde laut der Publikation im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; doi: 10.1001/jama.2015.2274) bei Menschen mit ernährungsbedingtem Folsäuremangel oder einer genetischen (...)

Diese Ergebnisse bestätigen die Empfehlung der US-amerikanischen Preventive Services Task Force: „Die aktuellen Beweise reichen nicht aus, um das Nutzen-Schaden-Verhältnis einzelner oder gepaarter Nahrungsergänzungsmittel zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu bewerten.“

Eine am 7. Mai im JACC publizierte Studie, die ebenfalls auf CSPPT-Daten beruht, zeigte zudem, dass hypertensive Erwachsene mit niedriger Thrombozytenzahl, die täglich sowohl 10 mg Enalapril als auch 0,8 mg Folsäure einnahmen, im Vergleich zu Enalapril allein eine 73-prozentige Risikoreduktion beim ersten Schlaganfall hatten.

Vitamine und Mineralstoffe werden seit Langem zur Behandlung von Nährstoffmangel eingesetzt. In den letzten Jahren wurden Nahrungsergänzungsmittel jedoch zuneh­mend eingesetzt, um die allgemeine Gesundheit und Langlebigkeit fördern. Einheit­liche Empfehlungen gibt es nicht. Der Beratende Ausschuss der US-Ernährungsricht­linien empfiehlt 3 Diäten, um das Herzkrankheitsrisiko zu reduzieren: eine Diät, die wenig gesättigtes Fett, wenig Transfette und wenig rotes Fleisch enthält, dafür aber viel Obst und Gemüse. Möglich ist auch eine mediterrane oder vegetarische Diät. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #747495
JohnR
am Dienstag, 29. Mai 2018, 23:23

Magnesium produziert das körpereigene CoEnzym Q10

Calcium benötigt Magnesium, um verstoffwechselt zu werden. Hat der Körper zu wenig Magnesium, wird weniger Q10 produziert, welches das Herz stärkt. Ältere Leute geraten in eine Q10-Unterdeckung mit dem Ergebnis von Herzinsuffizienz. Auch Statine unterdrücken Q10, sind also deshalb schädlich. Mit Magnesium und Q10 sowie Weißdorn stärkt man das Herz.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. Dezember 2018
Cleveland/Ohio – Der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch hat in einer experimentellen Ernährungsstudie im European Heart Journal (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy799) zu einem deutlichen Anstieg des
Wieso rotes Fleisch ungesund für Herz und Gefäße sein könnte
7. Dezember 2018
Lübeck – Eine stereotaktische Bestrahlung kann gezielt die Entstehungsorte von ventrikulären Arrhythmien beseitigen. Die Behandlung, die ein hochauflösendes EKG-Mapping voraussetzt, wurde jetzt
Ventrikuläre Tachykardie: Stereotaktische Strahlentherapie erstmals in Deutschland durchgeführt
30. November 2018
Kupio/Finnland – Finnische Männer, die vier- bis siebenmal in der Woche in die Sauna gehen, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BMC Medicine (2018; 16: 219) das niedrigste Risiko, an
Häufiger Saunabesuch schützt ältere Finnen vor Herz-Kreislauf-Tod
27. November 2018
Frankfurt am Main – Das Frankfurter Universitätsklinikum hat die Versorgung von Herzpatienten neu organisiert. In dem neuen universitären Herzzentrum arbeiten Kardiologen und Herzchirurgen enger
Universitätsklinikum Frankfurt gründet neues Herzzentrum
20. November 2018
Kopenhagen – Menschen, die am Arbeitsplatz psychischer oder physischer Gewalt ausgesetzt sind, erkranken häufiger an Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 3
Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz erhöhen Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen
14. November 2018
Boston – Eine hochdosierte Behandlung mit Eicosapentaensäure (EPA), einer Omega-3-Fettsäure, kann Patienten mit erhöhten Triglyzeriden und kardiometabolischen Erkrankungen vor
Omega-3-Fettsäure EPA senkt Triglyzeride und schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
12. November 2018
Boston – Die tägliche Einnahme von Vitamin-D-Supplementen und/oder Fischölkapseln hat in einer großen randomisierten Studie zur Primärprävention gesunde Menschen weder vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER