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Medizin

Hüftfett kann im Gegensatz zum Bauchfett positiven Effekt haben

Freitag, 25. Mai 2018

Apfel oder Birne? Hüftfett kann sich im Gegensatz zu Bauchfett positiv auswirken. /viperagp, stock.adobe.com

Regensburg/München – Genetische Effekte, die den Body-Mass-Index (BMI) sowie das Taille-Hüft-Verhältnis erhöhen, steigern auch das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen. Im Gegensatz dazu zeigte eine Studie in Nature Communications, dass genetische Varianten, die den BMI erhöhen, aber das Taille-Hüft-Verhältnis senken, ein niedrigeres Erkrankungsrisiko zur Folge haben (2018; doi: 10.1038/s41467-018-04124-9).

Personen mit letzteren genetischen Varianten haben – trotz erhöhten BMIs – bei Diabetes ein um bis zu 80 % niedrigeres Risiko für kardiometabolische Erkrankungen. Somit konnte das Autorenteam vom Lehrstuhl für Genetische Epidemiologie der Universität Regensburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen, dass BMI und Körperform zur Bestimmung des Erkrankungsrisikos nicht losgelöst voneinander betrachtet werden sollten.

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Bereits seit Längerem vermuten Mediziner, dass eine vermehrte Anlagerung von Bauchfett, also ein hohes Taille-Hüft-Verhältnis, und damit ein apfelförmiger Körper, die Entstehung kardiometabolischer Erkrankungen begünstigt. Parallel dazu gilt der BMI als wichtige Kenngröße für Übergewicht, das ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Erkrankungen einhergeht.

Drei genetische Subtypen identifiziert

Um das Krankheitsrisiko abschätzen zu können, haben Wissenschaftler die Genetik von Fettmasse und -verteilung bislang getrennt voneinander betrachtet. Eine Forscher­gruppe um Thomas Winkler und Iris Heid von der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg hat nun erstmals die genetischen Faktoren für beide Parameter gemeinsam betrachtet und deren Risiko für kardiometabolische Erkrankungen untersucht. Dabei konnten drei Subtypen der Körperfettanlagerung definiert werden.

„Wir haben festgestellt, dass viele genetische Faktoren sowohl die Fettanlagerung als auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen beeinflussen. Damit sollten zur Risikoabschätzung von kardiometabolischen Erkrankungen die Genetik von BMI und Körperfettverteilung künftig kombiniert betrachtet werden“, fasst Winkler zusammen. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Forschungsdaten von mehr als 320.000 Personen aus mehr als 100 Studien ausgewertet.

Genetische Faktoren, die lediglich einen Effekt auf die Verteilung des Körperfetts, aber nicht auf die Fettmasse beziehungsweise den BMI haben, bewirken demnach eine reine Umverteilung des Körperfetts zwischen Taille und Hüfte. Diese dritte Klasse an Varianten ist angereichert in Genen, die nicht nur im zentralen Nervensystem und den Fettzellen, sondern auch im Verdauungssystem wirken. Dieser Zusammenhang konnte bislang in noch keiner genetischen Analyse herausgestellt werden.

„Unsere Arbeit stellt ein wichtiges Puzzlestück zu der vieldiskutierten Frage dar, ob sich Hüftfett im Gegenteil zum Bauchfett direkt positiv auswirken kann: Die Daten deuten darauf hin, dass das tatsächlich der Fall ist,“ ordnet Iris Heid die Ergebnisse ein. Wenn die Fettanlagerung an der Hüfte allerdings von einer Fettanlagerung am Bauch und einer Erhöhung des Taillenumfangs begleitet würde, sei eher die Erhöhung des BMI ausschlaggebend und könne die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, koronaren Herzkrankheiten und Herzinfarkt negativ beeinflussen, ergänzt Heid. Mit ihrer Untersuchung haben die Forscher einen weiteren Baustein zum Verständnis der genetischen Mechanismen von Körperfettanlagerung und deren gesundheitlichen Konsequenzen gelegt. © gie/EB/aerzteblatt.de

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