NewsAuslandÄrzte rechneten mit Tod von Sergej und Julia Skripal
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ärzte rechneten mit Tod von Sergej und Julia Skripal

Dienstag, 29. Mai 2018

Salisbury District Hospital /dpa

London – Die Rettung des ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter Julia nach dem Giftanschlag in Salisbury grenzt nach Ansicht der Ärzte fast an ein Wunder. „Als uns erstmalig bewusst wurde, dass das ein Nervenkampfstoff war, gingen wir davon aus, dass sie nicht überleben“, sagte Stephen Jukes, Facharzt auf der Intensivstation des Krankenhauses im südenglischen Salisbury, in einem heute veröffentlichten BBC-Interview.

Bei den Skripals seien neue Ansätze bekannter Behandlungen ausprobiert worden. Jukes nannte es überraschend, wie schnell sich beide erholt hätten. Nach Ansicht seines Kollegen Duncan Murrayn ist der Erfolg auf die sehr gute Intensivpflege und die exzellente Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegekräften zurückzuführen.

Anzeige

Langzeitfolgen unklar

Fachärzte und Chemiewaffenexperten hatten schon zuvor darauf hingewiesen, dass die Skripals zwar über den Berg seien, aber trotzdem chronische oder später auftretende Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Befragt nach der Langzeitprognose sagte die medizinische Direktorin der Klinik in Salisbury, Christine Blanshard: „Die ehrliche Antwort ist: Wir wissen das nicht.“

Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in der Kleinstadt bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Sie wurden mit einer geringen Menge des Nervengifts Nowitschok in flüssiger Form vergiftet. Nowitschok war einst in der Sowjetunion entwickelt worden.

Russland weist Vorwürfe zurück

Russland weist alle Anschuldigungen zurück. Julia Skripal wurde schon im April aus dem Krankenhaus entlassen, ihr Vater am 18. Mai. Rund 25 Staaten und die NATO hatten als Konsequenz aus dem Fall mehr als 140 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Auch Deutschland erklärte vier Russen zu unerwünschten Personen. Der Kreml reagierte mit der Ausweisung ähnlich vieler Diplomaten.

Julia Skripal kündigte kürzlich per Videobotschaft an, irgendwann in ihre Heimat Russland zurückzukehren. Sie betonte aber: „Ich danke der russischen Botschaft für die Hilfe, die mir angeboten wurde. Zurzeit bin ich aber nicht bereit und willens, das in Anspruch zu nehmen.“ Sergej Skripal hatte früher für den russischen Militär­geheim­dienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenen­austausch kam er 2010 nach Großbritannien. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. November 2018
London – Die Lücke in der Lebenserwartung zwischen den reichsten und den ärmsten Gegenden Englands hat seit Anfang des Jahrhunderts deutlich zugenommen. Männer aus den ärmsten Gegenden sterben laut
Arme sterben in England fast zehn Jahre früher
26. November 2018
Brüssel/London – Europäische Ärzte, die in Großbritannien leben, dürfen auch nach einem Brexit weiterhin dort bleiben und arbeiten. Ihr Recht auf Aufenthalt, Erwerbstätigkeit, Familiennachzug, auf
Brexitabkommen: EU-Ärzte sollen weiter in Großbritannien arbeiten können
22. November 2018
Berlin – Die Grünen im Bundestag befürchten, dass Großbritannien nach dem Brexit europäische Umwelt- und Sozialstandards unterlaufen könnte. „Die Bundesregierung muss jetzt sehr genau hinschauen,
Grüne sehen Gefahr für Umwelt- und Sozialstandards durch Brexit
21. November 2018
London – Die Gesundheitsberufe in Großbritannien sollten sich für eine Volksabstimmung über das endgültige Brexit-Abkommen einsetzen. Das fordern Vertreter der Medizin- und Pflegebranche im British
Britische Gesundheitsfachleute warnen vor Brexit und fordern zweites Referendum
27. August 2018
London – Sollte Großbritannien ohne ein Abkommen aus der Europäischen Union (EU) ausscheiden, droht dem Land ein Engpass an Sperma für die künstliche Befruchtung. Nach Regierungsangaben werden die
Ohne Brexit-Deal droht Großbritannien Engpass bei künstlicher Befruchtung
21. August 2018
London – Ein Brexit ohne Abkommen könnte nach Ansicht der Trägergesellschaften britischer Krankenhäuser und Rettungsdienste zu Medikamentenengpässen führen. Das geht aus einem Brief des Verbands der
Britische Krankenhausträger warnen vor Folgen des Brexits
20. Juni 2018
London – Das Vereinigte Königreich braucht dringend einen gemeinsamen und strategischen Ansatz für die Rekrutierung von Ärzten aus dem Ausland. Diese Auffassung vertreten James Buchan und Anita
LNS
NEWSLETTER