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Medizin

SHP2-Inhibitoren auch gegen Lungen- und Bauchspeichel­drüsenkrebs einsetzbar

Freitag, 1. Juni 2018

München – Ein neuer Anti-Krebswirkstoff könnte gegen mehr Krebsarten eingesetzt werden, als bisher angenommen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigte im Mausmodell und an Patientenproben, dass Protein-Tyrosin-Phosphatase-(SHP2-)Inhibitoren auch gegen aggressive und schwer therapierbare Tumore wie Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs wirken könnten. In laufenden klinischen Studien sind diese Krebsarten bisher ausgeschlossen.

KRAS-Tumore machen etwa ein Drittel aller menschlichen Tumore aus.

Lungen- und Bauchspeicheldrüsen­krebsarten werden auch als KRAS-Tumore bezeichnet, da sie diese Mutation gemeinsam haben. Das dauerhaft aktive KRAS-Protein sorgt für eine unkontrollierte Zellteilung, wodurch Tumore entstehen. Das KRAS-Protein ist auch in gesunden Zellen aktiv und so wichtig, dass es sich therapeutisch nicht einfach ausschalten lässt.

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Deshalb sind Hana Algül, Mildred-Scheel-Professor für Tumormetabolismus und Leiter der Gastrointestinalen Onkologie der Medizinischen Klinik II am Klinikum rechts der Isar, und sein Team auf der Suche nach anderen Angriffspunkten. „Man glaubte bisher, dass die KRAS-Mutation so starke Auswirkungen hat, dass Angriffe an anderen Stellen folgenlos bleiben würden,“ erklärt er. Die Forscher bewiesen in ihrer Studie das Gegenteil. Sie zeigten, dass das regulatorische Protein SHP2, entgegen der bisherigen Annahme, auch in KRAS-Tumoren ein geeignetes Ziel für Medikamente ist und die neuen SHP2-Inhibitoren wirken.

Protein SHP2 ist essenziell für Tumorwachstum

Sie arbeiteten unter anderem mit Mäusen, die ein fehlerhaftes KRAS-Protein hatten. Entfernten sie zusätzlich das Protein SHP2 bei den Tieren, bildeten sie keine Tumore mehr. Das Forschungsteam konnte somit beweisen, dass SHP2 für die Tumorbildung essenziell ist und deshalb auch in den aggressiven KRAS-Tumoren ein entscheidendes Ziel für Therapien sein könnte.

Die Ergebnisse bestätigten sich, als sie die neuen SHP2-Inhibitoren im Mausmodell einsetzten: Bestehende Tumore wuchsen unter Einsatz des SHP2-Hemmstoffs langsamer und konnten besser kontrolliert werden.

Wirkstoffkombination hilft gegen Resistenzen

Die Ergebnisse könnten auch das häufige Problem von Medikamenten-Resistenzen bei KRAS-Tumoren lösen. Das Team testete den neuen Wirkstoff in Kombination mit MEK-Inhibitoren, welche bereits therapeutisch eingesetzt werden, im Mausmodell, bei humanen Organoiden, bei Xenograft-Modellen duktaler Pankreaskarzinome und nichtkleinzelligem Lungenkrebs. „Sie sind zwar wirkungsvoll, erzeugen aber bei vielen Patienten schon nach kurzer Zeit resistente Krebszellen“, erklärt Katrin Ciecielski, Mitautorin der Studie. Der neue SHP2-Inhibitor machte die resistenten Krebszellen auch wieder zugänglich für die alten MEK-Inhibitoren. Eine Kombination beider Wirkstoffe könnte somit eine neue Therapiemöglichkeit bei resistenten Tumoren sein, meint Hana Algül.

„Wir zeigen, dass diese neue Wirkstoffklasse sowohl alleine als auch kombiniert Erkrankten künftig helfen könnte. Für viele Patienten kann das lebensverlängernd sein“, sagt Algül. Er empfiehlt daher, Patienten mit aggressiven KRAS-Tumoren in die laufenden klinischen Studien aufzunehmen. Gemeinsam mit seinem Team wird er bald die Erkenntnisse in eine eigene klinische Studie einbringen. © gie/idw/aerzteblatt.de

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