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Impfstoff gegen Glioblastom könnte Überleben verlängern

Mittwoch, 30. Mai 2018

/cassis, stockadobecom

Los Angeles – Ein dendritischer Impfstoff, der die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf die Zellen eines Glioblastoms lenken soll, hat in einer Phase-3-Studie erstaunlich lange Überlebenszeiten erzielt. Einige Patienten dürfen nach den jetzt im Journal of Translational Medicine (2018; 16: 142) vorgestellten Zwischenergebnissen sogar auf ein Langzeitüberleben hoffen. Eine endgültige Bewertung steht jedoch noch aus.

Der von US-Forschern entwickelte Impfstoff besteht aus dendritischen Zellen, die per Leukapherese aus dem Blut der Patienten isoliert und dann im Labor mit Krebszellen aus dem Tumor zusammengebracht werden. Dies führt zu einer immunologischen „Prägung“ der dendritischen Zellen, die im Immunsystem die Aufgabe der Antigen-Präsentation haben. Nach der Rückkehr in den Körper, die durch regelmäßige interdermale Injektionen erfolgt (in der Studie an den Tagen 0, 10, 20 sowie in den Wochen 8, 16, 32, 48, 72, 96 und 120), sollen die dendritischen Zellen das Immunsystem und hier insbesondere die zytotoxischen T-Zellen dazu aktivieren, die Krebszellen zu zerstören.

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331 Patienten eingeschlossen

An der Studie, die zwischen Juli 2010 und November 2015 an 80 Zentren in 4 Ländern (mit deutscher Beteiligung) erfolgte, nahmen 331 Patienten mit Glioblastom teil. Bei allen war der Tumor chirurgisch entfernt worden und alle hatten danach eine heute übliche Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie erhalten.

Nach dieser ersten Behandlungsphase wurden die Patienten im Verhältnis 2:1 auf regelmäßige Injektionen des Impfstoffes oder von Placebos randomisiert. Beide Gruppen erhielten zudem eine Chemotherapie mit Temozolomid.

Das Studiendesign sah vor, dass die Behandlung im Fall eines Rezidivs mit dem Impfstoff fortgesetzt wird. Zum Zeitpunkt der aktuellen Zwischenauswertung hatten 286 von 331 Patienten (86,4 Prozent) wenigstens eine Impfung erhalten. Da die Siegel der Randomisierung noch nicht gebrochen wurden, ist nicht bekannt, welche Patienten zu Beginn Placeboinjektionen erhalten haben. Es sind deshalb derzeit noch keine Aussagen darüber möglich, ob und über wie viele Monate die Impfung die Überlebenszeiten verlängern kann.

In der Gesamtgruppe wurden jedoch erstaunlich gute Ergebnisse erzielt. Die mediane Überlebenszeit liegt laut Linda Liau von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Mitarbeitern bei 23,1 Monaten gegenüber 15 bis 17 Monaten in historischen Kontrollen. Bei Patienten mit methyliertem MGMT-Promotor, der eine günstigere Prognose anzeigt, betrug die mediane Überlebenszeit 34,7 Monate gegenüber 21,7 Monaten in historischen Kontrollen. Bei nichtmethyliertem MGMT-Promotor lebten die Patienten median 19,8 Monate gegenüber 12,7 Monate in historischen Kontrollen. Ein endgültiger Vergleich wird jedoch erst nach Abschluss der Studie möglich sein.

Bei den „Top 100“-Patienten (30 % der Gruppe) liegt die mediane Überlebenszeit mittlerweile bei 40,5 Monaten, obwohl nur 8 der 100 Patienten die 3 bekannten Faktoren für eine günstige Prognose aufwiesen. Dies sind ein Alter unter 50 Jahren, ein methylierter MGMT-Genstatus und eine vollständige Resektion des Tumors bei der Operation. Ob unter den 100 Patienten auch einzelne Langzeitüberlebende sind, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Die Verträglichkeit der Impfung scheint gut zu sein. Laut Liau ist es nur bei 7 Patienten (2,1 %) zu Komplikationen gekommen, die möglicherweise auf die Impfung zurückzuführen sind: Dazu gehörten Hirnödeme bei 3 Patienten, Krampfanfälle bei 2 Patienten, Übelkeit bei 1 Patient und eine Lymphdrüseninfektion bei 1 Patient. Hinzu kommen allerdings noch die Risiken und Nebenwirkungen der kombinierten Radio- und Chemotherapie. Dazu gehört eine Lymphopenie, die bei jedem zweiten Patienten (51 %) auftrat. © rme/aerzteblatt.de

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